Nordenham Selten zuvor hat Helmut Dietrich eine Wette so gerne verloren wie am vergangenen Sonnabend. Mit seinem Vorstandskollegen aus der Bürgerinitiative „Die Wesermarsch-Klinik muss in Nordenham bleiben“, Klaus Krähemker, wettete er, dass nicht mehr als 500 Menschen an der Demonstration zum Weiterbau des Krankenhauses in Esenshamm teilnehmen würden. Tatsächlich waren es mindestens dreimal so viel. Die Polizei schätzt die Zahl der Teilnehmer auf 1500 bis 2000. Das sind deutlich mehr als bei der ersten Demonstration Ende September.

„Lichter an für Esenshamm“ – so lautete das Motto des Protestzuges. Die Teilnehmer trafen sich am Nachmittag auf dem Pausenhof des Gymnasiums. Von dort zog der wohl größte Laternenumzug in der Geschichte der Stadt über die Bahnhofstraße und den Mittelweg in Richtung Krankenhaus. Immer wieder stimmte Helmut Dietrich das von Maren Kloy mit einem neuen Text versehene Laternelied an: „Ich gehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Dort oben verhandeln Konzerne, und unten da leuchten wir...“

Trillerpfeifen und Plakate

Die Teilnehmer bliesen in ihre Trillerpfeifen, hielten Plakate und Transparente hoch: „Heile heile Segen, die Pflege steht im Regen“ und „Rohbau steht, Zeit vergeht. Wer sagt und, wie es weitergeht?“ stand darauf zu lesen. Viele Laternen waren mit dem Logo der Bürgerinitiative bedruckt. Die Demonstranten hatten blinkende Lichterketten mitgebracht, Taschenlampen und Teelichter.

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Bei der Wesermarsch-Klinik zündete Helmut Dietrich eine Laterne an, das „ewige Licht“. Mitglieder der Bürgerinitiative brachten es nach Esenshamm und montierten es am Zaun des Krankenhaus-Rohbaus. Dort soll es so lange leuchten, bis die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden.

Selten zuvor hat ein Thema die Menschen in Nordenham und Umgebung so bewegt wie das drohende Aus für die Wesermarsch-Klinik. Der Protestzug, der sich am Sonnabend durch die Stadt zog, ist für die jüngere Geschichte der Stadt beispiellos. Die Sorge um die künftige Gesundheitsversorgung zieht sich durch alle Altersgruppen: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Rentner gingen auf die Straße. „Das Braker Krankenhaus ist nicht gut erreichbar. Deshalb bin ich für Esenshamm. Es darf nicht nur um Profite gehen“, sagte zum Beispiel Rudolf Lüerßen. Und Jochen Laarmann sieht das genauso: „Ich möchte, dass Gesundheit vor Konzernprofit geht. Der Standort Esenshamm hat für mich auch aus geografischen Gründen Priorität.“

Auch am Straßenrand erfuhren die Demonstranten Solidarität. An der Albert-Schweitzer-Straße konnten sich die frierenden Teilnehmer die Hände über einem Feuerkorb wärmen. Einige Meter weiter hatten Nicole Biermann und Malte Drebing einen Kaffeestand aufgebaut.

Der Protestzug endete auf dem Pausenhof der Grundschule Süd. Dort machte Helmut Dietrich noch einmal deutlich, dass der Kampf für den Weiterbau in Esenshamm fortgesetzt wird, unabhängig davon, was das Bundeskartellamt entscheidet. Wie die NWZ  berichtete, prüft die Behörde, ob der Verkauf der Rhön-Kliniken an Helios gegen Kartellrecht verstößt. „Wir werden uns auch mit Helios auseinandersetzen. Wir erwarten, dass der Neubau bis 2015 fertiggestellt wird.“

Fast 300 Mitglieder

Helmut Dietrich bezeichnete die Teilnahme an der zweiten Demonstration als „überwältigend“. Und er machte den Demonstranten Mut, dass sich mit solchen Aktionen etwas erreichen lässt. Ebenfalls ermutigend ist für Helmut Dietrich die Tatsache, dass die Bürgerinitiative inzwischen fast 300 Mitglieder hat und dass schon fast 10 000 Menschen eine Petition unterstützen und damit für die Wesermarsch-Klinik einstehen. „Diese Petition werden wir in den nächsten Wochen der Sozialministerin Cornelia Rundt auf den Tisch legen“, sagte Helmut Dietrich.

Wilfried Scherer, Betriebsratsvorsitzender in der Wesermarsch-Klinik, bedankte sich für die große Solidarität in der Bevölkerung. Schließlich gehe es auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen.


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Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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