Brake Dass am 28. Juni 1914 der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Frau Sophie Chotek von Gavrilo Princip in Sarajevo ermordet worden waren, war auch in den Braker Zeitungen zu lesen. Das Attentat sorgte sicherlich für Gesprächsstoff. Doch kaum jemand dachte damals wohl ernsthaft daran, dass die sich anbahnende Krise in den Ersten Weltkrieg führen würde, wie der Historiker Christopher Clark jetzt in seinem epochalen Werk „Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“ eindrucksvoll beschreibt.

In Brake jedenfalls deutete nichts auf die nahende Katastrophe hin, wie im Buch „Brake – Geschichte der Seehafenstadt an der Unterweser“ von Albrecht Eckhardt (Herausgeber im Auftrag der Stadt Brake) nachzulesen ist. Die Seehafenstadt stand in den letzten beiden Friedensjahren vor einer ungetrübten Entwicklung. Der Hafen boomte. 882 000 Tonnen an Gütern wurden 1913 umgeschlagen, darunter befanden sich 808 000 Tonnen Getreide und 51 000 Kubikmeter Holz. Mehr als 76 200 Eisenbahnwaggons waren nötig, um alles abzutransportieren. Und das Jahr 1914 versprach noch lebhafter zu werden. Die Prognosen gaben zu reichlich Optimismus Anlass. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs versiegten die Handelsströme, Brake war vom Welthandel abgeschnitten, „Pier und Hafen lagen verödet“, heißt es bei Albrecht Eckhardt.

Die Stadt Brake war seit 1895 stetig gewachsen. Am 1. Januar 1913 lebten 5367 Menschen in der Seehafenstadt. Durch die Eingemeindung Boitwardens und anderer Ortsteile der Gemeinde Golz­warden vergrößerte sich die Zahl auf 6792 Einwohner (Stand 1. Mai 1913). Am Ende des Ersten Weltkriegs waren es 6542 Einwohner, die gezählt wurden.

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Wer im Braker Stadtbild nach Hinweisen und Zeugnissen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sucht, wird an der Stadtkaje fündig. Dort steht das etwa drei Meter große Soldatendenkmal, das der Bildhauer Hans Dammann (1867-1942) aus Berlin nach dem Krieg geschaffen hat. Die Enthüllung fand am 2. Oktober 1927 statt, wie der Informationstafel neben dem Denkmal zu entnehmen ist. Der sitzende Krieger, im Begriff einen Lorbeerkranz für seine gefallenen Kameraden niederzulegen, erinnert an die etwa 300 Braker, die im Ersten Weltkrieg gefallen oder an dessen Folgen gestorben sind, heißt es. Eine Liste mit den Namen der Verstorbenen ist im Sockel vermauert.

Das Mahnmal befindet sich nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz südlich des Telegraphen vor der Deichmauer. Es wurde im Zuge des Ausbaus für den Hochwasserschutz und der städtebaulichen Entwicklung versetzt. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts stand die Figur, die aus wetterbeständigem Muschelkalk besteht, noch etwas südlicher. Im Rahmen der erneuten Erhöhung und Verstärkung des Stadtdeiches wurde das Denkmal im Jahr 2005 auf den heutigen Standort gesetzt.

Zur Erinnerung an die Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs trägt das Denkmal seit 1952 die Inschrift „Den Opfern der Kriege 1914 -1918 und 1939-1945“.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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