Fedderwardersiel Was hat es mit dem Wattknistern auf sich? Warum kann es hilfreich sein, einem Seehund über den Kopf zu streichen? Und woher stammt eigentlich der Ausdruck Wermutstropfen? Altbundespräsident Christian Wulff könnte auf diese Fragen seit Mittwochnachmittag wie aus der Pistole geschossen antworten.

Der Hannoveraner war zu Gast im Nationalparkhaus in Fedderwardersiel und hat sich dort von Hausleiterin Dr. Felicitas Demann durch die neue Dauerausstellung führen lassen. Dabei kamen diese und noch viele weitere Themen zur Sprache. Der Anlass für den Besuch des Altbundespräsidenten war das 25-jährige Bestehen, das das Nationalparkhauses in diesem Jahr feiern kann.

Christian Wulff

war von 2010 bis zu seinem Rücktritt 2012 der 10. Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Von 2003 bis 2010 war er Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, von 1998 bis 2010 stellvertretender Vorsitzender der CDU Deutschland und von 1994 bis 2003 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. Christian Wulff ist laut seiner Webseite in Hamburg als Rechtsanwalt tätig. Er ist Vorsitzender der Deutschlandstiftung Integration und Präsident des Deutschen Chorverbandes.

Die Keimzelle des heutigen Museums und Nationalparkhauses ist der 1984 ins Leben gerufene Förderkreis heimatkundliche Ausstellung Butjadingen. 1986 wurde das Wattenmeer zum Nationalpark. Bereits im selben Jahr machte sich der Förderkreis Gedanken, ob das Museum nicht auch Nationalparkhaus werden könnte. Genau das geschah 1994, vor genau einem Vierteljahrhundert also.

Felicitas Demann ging bei ihrer Begrüßung auf die Geschichte des Hauses ein und thematisierte dessen Doppelfunktion als regionales Kulturmuseum und Nationalparkhaus. Beides sei sehr gut unter einen Hut zu bringen, da das Wattenmeer ein „unverzichtbarer Teil der Kulturgeschichte Butjadingens sei“.

Christian Wulff sprach in seinem Grußwort die „Fridays for Future“-Generation an und machte seine Zuhörer mit dem Begriff Anthropozän bekannt. So wird eine neue erdgeschichtliche Epoche genannt – nämlich das Zeitalter, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist. „Das ist faszinierend und zugleich beunruhigend“, sagte der Altbundespräsident angesichts von Klimawandel und Umweltzerstörung. Unterstützt von „den Alten“ müsse die junge Generation noch mehr Anstrengungen unternehmen, damit die Erde auch noch für kommende Generationen bewohnbar ist. Das Nationalparkhaus sei dabei ein ganz hervorragender Partner, betonte Christian Wulff.

Bernd Oltmanns, stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung, lobte das Haus in Fedderwardersiel für seine Professionalität und seine Herzlichkeit. Die Kombination aus Nationalparkhaus und Regionalmuseum sei einzigartig. Oltmanns beschrieb die „ungeheuere Dynamik des Wattenmeers“ und beeindruckte seine Zuhörer unter anderem mit der Information, dass mit jeder Ebbe und Flut 1,7 Milliarden Badewannen Wasser bewegt würden.

Viel Lob für das Nationalparkhaus gab es auch von der stellvertretenden Bürgermeisterin Martina Geberzahn, die ebenfalls die Geschichte des Hauses Revue passieren ließ und dabei auch den Mitgründer Prof. Dr. Wilhelm Niggemann nicht unerwähnt ließ. Er war seinerzeit ein Impulsgeber für das Museum, das heute „definitiv ein Leuchtturm“ in der Region sei, so Martina Geberzahn.

Zur Feier des Tages hat sich das Nationalparkhaus eine neue Flagge mit der Silhouette des Hauses gegönnt, die seit Mittwoch im Kutterhafen im Wind flattert. Christian Wulff hat sie zusammen mit Felicitas Demann gehisst.

Übrigens: Einem Seehund über den Kopf zu streichen, soll Glück bringen. Allerdings gilt das, wie Christian Wulff erfuhr, nur für das ausgestopften Exemplar im Museum. Der Altbundespräsident hat’s ausprobiert. Bei einem lebenden Seehund indes ist Vorsicht geboten: Die Sache könnte mit einem Biss enden.


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Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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