Butjadingen „Bedienen Sie sich“, sagt Joachim Wulf und zeigt auf die große Flasche mit Desinfektionsmittel, die im Eingangsbereich auf einem Tisch steht. Daneben hat der Leiter des Amtes für zentrale Dienste Platzkarten für die wenigen Besucher ausgelegt, die in den Rathaussaal in Burhave dürfen. Zehn Karten sind es, acht davon hätte sich Joachim Wulf sparen können.

Nur zwei Bürger kommen am Mittwochabend zur Sitzung des Butjadinger Gemeinderats. Einer von ihnen ist Gemeindebrandmeister Frank Linneweber, der gespannt auf Tagesordnungspunk 6.5 ist. Bei dem geht es um die Fortschreibung des Zukunftskonzepts für die vier Butjadinger Feuerwehren.

Ratsvorsitzende Uta Meiners muss um kurz nach 19 Uhr bei der Eröffnung der Sitzung mit lauter Stimme sprechen, damit alle im Saal sie hören können. Die Ratsmitglieder sitzen wie immer an U-förmig aufgestellten Tischen. Doch in Zeiten von Corona, in denen Abstand das oberste Gebot ist, ist es ein U in XXL.

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Telefone stehen nicht still

In Vertretung von Bürgermeisterin Ina Korter berichtet Gemeindekämmerer Bernd Rummel, dass die Verwaltung wegen Corona an der Belastungsgrenze arbeite. „Die Telefone stehen nicht still, und es gehen massenhaft Mails ein“, sagt Bernd Rummel. Vielfach wandten sich in den vergangenen Tagen Eigentümer von Ferienhäusern oder- wohnungen, die Butjadingen bis Mittwoch verlassen mussten, an die Gemeinde. Die meisten von ihnen seien einsichtig gewesen, berichtet der Kämmerer. Aber eben nicht alle. Eine Dame von auswärts habe allen Ernstes gesagt, dass sie der Abreise-Verfügung des Landkreises nicht nachkommen könne, weil sie gerade Stiefmütterchen gekauft habe und zudem die Gardinen waschen müsse.

Die Ratsmitglieder schüttelten den Kopf angesichts eines solchen Verhaltens. Im Vorfeld der Sitzung hatten sie gemeinsam mit der Verwaltung indes selbst Kopfschütteln ausgelöst – bestenfalls.

Dass die Ratssitzung trotz Corona stattfindet, hatte im Internet eine Welle der Empörung ausgelöst. Facebook-Nutzer warfen Rat und Verwaltung Verantwortungslosigkeit vor, mäkelten, dass die Ratsmitglieder ihrer Vorbildfunktion nicht nachkämen. „Die sind wohl nicht ganz dicht. Nur noch peinlich“, wetterte ein Kommentator im Netz.

Kein Respekt

Die Schelte will sich der Rat nicht gefallen lassen. „Solche Leute lassen jeglichen Respekt vor unserem Amt vermissen. Wir sitzen bestimmt nicht zum Spaß hier oder weil wir nichts besseres zu tun hätten“, beschwert sich CDU-Ratsherr Johann Evers. „Wir müssen die Demokratie auch in Corona-Zeit aufrechterhalten“, betont Torben Heinen (FDP) und ergänzt: „Alles, was wir jetzt nicht gebrauchen können, ist eine nicht funktionierende Verwaltung.“ Damit sie funktionieren kann, müsse der Rat Entscheidungen treffen.

Ralf Töllner (CDU) kritisiert Ratskollegen, die bei der Sitzung nicht anwesend sind, im Vorfeld auch angekündigt hätten, dass sie wegen Corona nicht teilnehmen würden, und damit die Diskussion bei Facebook sogar noch angeheizt hätten. Ralf Töllner: „Es ist okay, nicht teilzunehmen. Aber dann bei Facebook einen Shitstorm auszulösen, das geht gar nicht.“

Durch die insgesamt 32 Tagesordnungspunkte hetzt der Gemeinderat im Galopp. Zu kaum einem Punkt gibt es Diskussionen. In einer Stunde ist das gesamte Programm abgearbeitet. Das ist Rekord. Um 20.03 Uhr schließt Uta Meiners eine Sitzung, die wohl in die Geschichte der Gemeinde Butjadingen eingehen dürfte.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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