NORDENHAM Seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York sind mittlerweile achteinhalb Jahre vergangen. Seitdem greifen rund 70 000 Soldaten der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe ISAF in Afghanistan ein, um in dem Land eine Demokratie aufzubauen und es von den Taliban zu befreien. 4365 ISAF-Soldaten stammen aus Deutschland, 39 sind bisher bei dem Einsatz ums Leben gekommen. Zuletzt starben drei in Seedorf stationierte Soldaten der Luftlandebrigade 31 „Oldenburg“, und die Frage nach dem Sinn des Einsatzes wird wieder lauter.

Ist die deutsche Afghanistan-Politik richtig? Für viele ist dieses Thema so brisant, dass sie sich nicht öffentlich dazu äußern wollten. Die NWZ  fand in der Nordenhamer Innenstadt trotzdem sechs Menschen, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten.

„Wir haben da nichts zu suchen“, findet Andreas von Pickardt. Der Radiologe schlägt vor, dass man sich militärisch komplett zurückziehen und stattdessen auf die Diplomatie setzen sollte. „Afghanistan ist ein Konfliktherd, der durch fremde Mächte nicht in den Griff zu kriegen ist“, vermutet er. Beispiele für solche Krisenregionen gebe es in der Historie genügend: Andreas von Pickardt vergleicht den Konflikt am Hindukusch mit den Kriegen in Vietnam und Korea. „In Afghanistan wird es ebenfalls nicht möglich sein, den Frieden zu erzwingen.“

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Helmut Frerichs befürwortet den Einsatz. Der ehemalige Leiter des Gymnasiums Nordenham sagt: „Es gibt Entwicklungen, da darf man den Kopf einfach nicht in den Sand stecken.“ Tote Soldaten seien zwar immer etwas Schlimmes. „Sie haben aber nun mal eine Aufgabe.“ Grundsätzlich bricht er eine Lanze für die Amerikaner, die mit dem Beginn der Intervention im Sinne des Freiheitsdenkens gehandelt hätten. „Wenn wir jetzt sagen, dass wir raus wollen aus Afghanistan, sagen wir dann gleichzeitig, dass alle Truppen von dort abgezogen werden sollten?“

Dies würde einer Niederlage gegen die Taliban gleichkommen, findet auch Malte Baars. Der 21-jährige Nordenhamer wurde gerade zum Wehrdienst eingezogen und beginnt heute seine Grundausbildung in Roth bei Nürnberg. Er hält den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr für richtig. „Dafür ist eine Gemeinschaft nun mal zuständig, in solchen Krisenzeiten einzugreifen.“ Natürlich sei es schlimm, wenn dabei Menschen getötet werden. „Die Soldaten sind aber freiwillig da. Keiner kann zu Auslandseinsätzen gezwungen werden.“

Seine Bundeswehrzeit hat Philipp Reumann, ebenfalls 21, schon hinter sich. Der Hamburger Student findet ebenfalls, dass der Einsatz gerechtfertigt ist. „Natürlich ist es traurig, dass die Soldaten ihre Leben lassen mussten. Nichtsdestoweniger ist es notwendig, eine Hochburg der Taliban wie Kundus zu sichern.“ Auch wenn eine Demokratie nach westlichen Maßstäben unmöglich zu realisieren sei, müsse man die Zivilbevölkerung auf seine Seite kriegen und damit verhindern, dass Afghanistan zum Ausbildungsstandort der Terroristen wird.

Rolf Kemna sieht die Sache anders. Er wisse nicht recht, was die Bundeswehr so weit entfernt in der Fremde zu suchen hat, sagt der Rodenkircher: „Es gibt keinen richtigen Grund, um diesen Einsatz zu rechtfertigen.“ Er vermutet, dass hauptsächlich wirtschaftliche Interessen dahinter stehen. Selbst die NATO werde es seiner Meinung nach nicht schaffen, Ruhe in die Region zu bringen. Immerhin, so merkt Rolf Kemna an, habe Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg erstmals das Wort „Krieg“ in den Mund genommen. Eine Beschönigung der Lage finde so nicht mehr statt.

Was seine Ehefrau Hildburg Kemna von zu Guttenberg hält, zeigt sie, indem sie schlichtweg die Augen verdreht. Auch sie hält den Abzug der Truppen aus Afghanistan für angebracht. „Jedes junge Leben, das dort stirbt, das ist schrecklich für die Gesellschaft.“ Wie ihr Ehemann glaubt sie nicht, dass die ISAF etwas bewirken kann am Hindukusch: „Ähnlich wie in Palästina sind die Menschen dort einfach zu fanatisch, um sich helfen zu lassen.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.