Wanderungsverhalten Analysiert
Junge Frauen verlassen die Wesermarsch

Deutsche Frauen zwischen 18 und 25 Jahren haben der Wesermarsch im Jahr 2016 überdurchschnittlich den Rücken gekehrt. Unterm Strich sind 148 mehr aus dem Landkreis weggezogen als neu zugezogen sind. Die Politik will jetzt reagieren.

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Junge Frauen verlassen die Wesermarsch.Bild: imago
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Brake Das Thema ist nicht neu. Bereits zum dritten Mal hat das Referat für Gleichstellungsfragen beim Landkreis Wesermarsch das Wanderungsverhalten von Frauen zwischen Butjadingen und Lemwerder untersuchen lassen. Das Ergebnis bleibt allerdings ernüchternd: Nach wie vor verlassen Frauen mit deutscher Nationalität im Alter zwischen 18 und 25 Jahren den Landkreis nach Schule und Ausbildung – und das mit steigender Tendenz. Insgesamt liegt der Wanderungsverlust der Frauen mit 148 Personen so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Wanderungsgewinne sind allein in der Zuwanderung ausländischer Personen begründet. Die beiden anderen untersuchten Küstenlandkreise Friesland und Cuxhaven wiesen hingegen auch in den zurückliegenden Jahren Wanderungsgewinne auch bei Frauen deutscher Nationalität auf. Das hat die Fortschreibung der Analyse des Wanderungsverhaltens von Frauen im Landkreis Wesermarsch von Klaus-Martin Hesse (Forum Hueber, Karsten & Partner) ergeben.

Besonders hohe Frauenabwanderungen sind demnach in den ländlich strukturierten Gemeinden des Landkreises zu verzeichnen. Als Ziele hat Hesse neben den Oberzentren Oldenburg und Bremen auch den Landkreis Friesland ausgemacht.

Gleichstellungsbeauftragte Ulla Bernhold appellierte im jüngsten Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus an Politik und Wirtschaft, sich dafür einzusetzen, dass Frauen in der Wesermarsch nicht abgehängt werden. Und die Politik signalisierte, sich des Themas annehmen zu wollen. In seiner nächsten Sitzung am 14. November will sich der Ausschuss mit dem Ergebnis der Analyse beschäftigen.

Bei den Frauen, die der Wesermarsch als Wohnort treu bleiben, ist der Aufwand, ihren Arbeitsplatz zu erreichen, deutlich höher, als bei den Männern im Kreis. Während von diesen 1085 mehr aus- als einpendeln, sind es bei den Frauen mehr als dreimal so viele: 3433.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen beschäftigten Frauen hat sich im Landkreis Wesermarsch in den zurückliegenden zehn Jahren kontinuierlich erhöht. Allerdings: Im letzten Untersuchungsjahr 2016 waren 40 Prozent der Frauen zwischen 18 und 64 Jahren mit Wohnort in der Wesermarsch sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im benachbarten Friesland sind es immerhin 48 Prozent. Fast 80 Prozent der im Landkreis beschäftigten Frauen arbeiten im Dienstleistungssektor. Im industriellen Sektor ist der Männeranteil hoch. Besonders hier gibt es nach Ansicht der Gleichstellungsbeauftragten noch Entwicklungspotenzial für Frauen und Betriebe. Immerhin: Die Bereitschaft der Betriebe, Frauen in untypischen Berufen auszubilden oder einzustellen steigt durch den Arbeitnehmer- und Fachkräftemangel.

Positiv auch: Bei Familien weist die Wesermarsch wieder eine günstigere Wanderungsbilanz auf. Vermutlich durch den überhitzten Wohnungsmarkt in den größeren Städten der Region (Oldenburg und Bremen) ziehen mehr Familien in die Wesermarsch als ihr den Rücken kehren.

Es gibt fast 120 Berufe in der Wesermarsch. Durch das Angebot von Praktika könnten Mädchen und Frauen ermutigt werden, bislang von Männern dominierte Berufe zu ergreifen. Dabei gibt es auch – wenn auch bescheidene – erste Erfolge: Die Zahl der im produzierenden Gewerbe beschäftigten Frauen stieg seit 2013 um zwei Prozentpunkte, bei den jüngeren waren es sogar vier.

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