Brake Nicht „der große Wurf“ (Hans-Dieter Beck, CDU), aber ein Anfang. Mit dem „Masterplan Innenstadt“ liefert die Verwaltung der Kommunalpolitik ein, so Fachbereichsleiter Rainer Hinrichs, „Konzept als Grundlage der Diskussion“.

Und dass es noch reichlich Gesprächsbedarf gibt, machten alle Fraktionen im Ausschuss für Bau, Planung, Umwelt und Verkehr deutlich. Beck fand die „Zusammenfassung der in Betracht kommenden möglichen Änderungen sehr konservativ“, Heinz-Werner Horstmann (SPD) sieht vor allem Handlungsbedarf bei der Aufhebung alter und überholter Bebauungspläne. Zudem müsse endlich der Bereich an der Hafenstraße aus dem „Sondergebiet Hafen“ herausgelöst werden: „Wenn wir uns maritim ausrichten wollen, stört das gewaltig.“ Als Mischgebiet ausgewiesen böten sich mehr Möglichkeiten für diesen Bereich. Zudem plädierte Horstmann dafür, die Zahl der Baudenkmäler deutlich zu reduzieren. Es sei nun an der Politik, „etwas Griffiges aus der Vorlage zu machen.“ Es gelte, Visionen zu formulieren.

Auch Hans-Otto Meyer-Ott (Grüne) sieht in dem Masterplan „eine gute Grundlage für eine weitergehende präzise Erarbeitung“. Auf seine Nachfragen zur Situation beim Aldi-Gebäude räumte Bürgermeister Michael Kurz (SPD) ein, dass es zwar immer mal wieder Nachfragen gebe, konkrete Interessenten aber nicht. Die Abrisskosten würden nach älteren Schätzungen 400 000 bis 500 000 Euro betragen. Wie schwer es die Stadt aber mit Einflussnahme auf Altbestände habe, machte Hinrichs am Beispiel des heruntergekommenen Gebäudes der früheren Gaststätte „Admiral Brommy“ deutlich: Die Stadt habe keinerlei Möglichkeiten, der Landkreis erst, wenn von dem Gebäude Gefahr für Leib und Leben ausgehe. Beck machte zudem die vertrackte Situation deutlich: Da das Gebäude im Deich liege, dürfe es nach einem möglichen Abriss kaum eine neue Baugenehmigung geben.

Jonas Ising (CDU/Ising-Gruppe) ist es angesichts des Masterplans „schleierhaft, wie wir das Gebiet mit Leben vollkriegen wollen“. Man müsse mehr Möglichkeiten für Investoren schaffen. Mit Reiner Gollenstede (WGB) machte der einzige Händler im Ausschuss deutlich, dass man sich von der Vorstellung verabschieden müsse, den Einzelhandel in der Innenstadt beleben zu können. Er sieht die Zukunft in einem Mischgebiet: „Für die Einzelhandelsversorgung brauchen wir die Innenstadt nicht, für die Identifikation schon.“

„Wir müssen uns zusammenraufen und daraus den großen Wurf machen“, meinte Holger Kromminga (SPD). Oder, wie es der Ausschussvorsitzende Daniel Stellmann (CDU) formulierte: „Der Ball liegt nun bei der Politik.“

Das sieht der „Masterplan Innenstadt“ vor

Die Stadtverwaltung hat den Entwurf für einen „Masterplan Innenstadt“ erstellt. Er enthält Maßnahmen, wie die Braker Innenstadt zwischen Hafen und St. Bernhard-Hospital sowie von der Weser bis hinter die Bürgermeister-Müller-Straße entwickelt werden kann. Der Rat muss nun sagen, wie es weitergehen soll.

Kurzfristige Maßnahmen: Intensivierung des Stadtmarketings; Errichtung eines Leerstandmanagements (Informationen zu Flächen, Nutzung, Miet- oder Kaufkonditionen); Verknüpfung von Online-Handel und Einkaufen vor Ort; öffentlich zugängliche WLAN-Hotspots und Webcams an attraktiven Orten; Öffnung der nördlichen Kirchenstraße zwischen Georgstraße und Mitteldeichstraße für beidseitigen Verkehr (im Haushalt 2019/20 sind 300 000 Euro vorgesehen, Anlieger müssten 120 000 Euro tragen); Einrichtung eines Parkleitsystems.

Mittelfristige Maßnahmen: Änderung der sieben B-Pläne für den zentralen Versorgungsbereich der Innenstadt (wesentliche Anpassungen dabei: Erweiterung des Kernstadtbereichs um den Marktplatz, Einrichtung einer Gemeinbedarfsfläche zur Sicherung der Kulturstätte CTB und Schaffung weiterer Aufenthalts-/Begegnungszonen mit Stellplatzfläche zwischen Breite Straße und Mitteldeichstraße); Aufstellung eines B-Plans „Sondergebiet Klinik“ für den Bereich des St. Bernhard-Hospitals mit der ehemaligen Gymnasiums-Außenstelle samt Sportplatz und Sporthalle; Öffnung der Breiten Straße im östlichen Teil bis zur Lindenstraße; Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs; Umgestaltung des öffentlichen Raums, Inanspruchnahme von Städtebauförderungen.

Langfristige, dauerhafte Maßnahmen: Einsatz eines Quartiermanagers („Kümmerer“) als zentrale Anlaufstelle für Informationen über und Bewerbung von Verkaufsflächen.

Markus Minten Redaktionsleitung Brake / Redaktion Brake
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