Berne 70 Jahre Berne sind ein runder Geburtstag. Richtig gefeiert werden soll das Jubiläum in fünf Jahren: Das ist der Plan von Bürgermeister Hartmut Schierenstedt. Und seine Lemwerderaner Kollegin Regina Neuke wird da sicher ähnliche Pläne haben. Berne, Neuenhuntdorf, Warfleth und Altenesch – das war bis zum 1. April 1948 noch die Gemeinde Stedingen, die ihren Verwaltungssitz in Bernes Lange Straße 55 hatte. Die Berner fanden das aufgrund der kurzen Wege, ganz im Gegensatz zu den Alteneschern, gut.

Doch um die jüngere Geschichte der Orte zu erklären, taucht der Berner Bürgermeister erst einmal etwas weiter in die Vergangenheit ein: Neugliederungen hat es in der Wesermarsch immer wieder gegeben. Per Gesetz wurde in der Wirtschaftskrise vom Staatsminister der nationalsozialistischen Regierung am 29. April 1933 verfügt, wirtschaftlich stärkere und schwächere Gemeinden zusammenzulegen. So gab es dann in der Wesermarsch die Gemeinden Burhave, Abbehausen, Dedesdorf, Jade, Rodenkirchen, Ovelgönne, Moorriem und Stedingen.

Der Berner Hermann Türk war der erste Gemeindevorsteher der Gemeinde Stedingen nach Kriegsende, die ab dem 8. Mai 1945 – so wie der ganze Landkreis – erst unter US-amerikanischer Besatzung stand und am 10. Dezember 1945 zurück an die Briten ging.

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Tausende Flüchtlinge

Rund 7900 Einwohner hatte Stedingen. Überall in den Haushalten waren damals Flüchtlinge untergebracht. Es waren einige Tausend. „Das wurde gesetzlich verordnet“, schildert Schierenstedt die schwierige Nachkriegszeit, die seine seit einigen Hundert Jahren ortsansässige Familie in Berne miterlebt hat.

Hermann Ohlenbusch kann sich selbst noch gut an diese Jahre erinnern. Der 82-Jährige wurde mitten im Krieg 1942 in Lemwerder-West eingeschult. So wie viele andere Wohnhäuser und Geschäfte lag die Schule nicht mal ein Jahr später nach einem großen Fliegerangriff in Trümmern. Mehr als 50 Menschen kamen in diesem Bombenhagel um, schildert Ohlenbusch das Grauen.

Gefährlicher Weg

Fortan ging es für ihn zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester von Lemwerder-West bis zur Eschhofschule. Ein gefährlicher Weg, wenn die Kinder bei Voralarm den Fußmarsch nach Hause antreten mussten. Überall wurden Nebeltonnen mit Schwefelsäure entzündet, damit vermeintliche Ziele nicht aus der Luft erkennbar waren. Bedient wurden diese von russischen Kriegsgefangenen, die in dem Lager auf dem Ritzenbüttler Sand untergebracht waren. „Selbst 20 Jahre später konnte man noch genau die Stellen sehen, wo Nebeltonnen gestanden haben“, so Ohlenbusch, der oft an die rund 600 Gefangenen denkt, die morgens in Kolonnen zum Arbeitsdienst antreten mussten und von ihren Bewachern getreten und geschlagen wurden.

Nach Kriegsende wurde das Gefangenenlager in eine Flüchtlingsunterkunft umgewandelt und dort, wo jetzt der Hundeverein sein Gelände hat, eine Behelfsschule errichtet. Viel besser, als an die 1948 erlangte Eigenständigkeit von Altenesch (wie Lemwerder noch bis 1972 hieß), ist dem begeisterten Feuerwehrmitglied und Handballer in Erinnerung geblieben, wie der damalige Bürgermeister Ernst Rodiek 1962 den Grundstein für die nach ihm benannte Halle legte. An der hatte Ohlenbusch genauso als Maurer mit gebaut wie an zahlreichen anderen Gebäuden auch. Denn für Maurer gab es nach der nahezu totalen Zerstörung Lemwerders früher jede Menge zu tun.

Hauptamt ab 1995

Rodiek wurde auf der ersten Gemeinderatssitzung nach dem Krieg am 1. Oktober 1946 zum Bürgermeister der Gemeinde Stedingen gewählt und blieb es in Altenesch auch nach der Neugliederung. Alfred Hennings war sein erster Berner Amtskollege. Zumindest in Berne wurde dieses Amt bis 1995 ehrenamtlich ausgeführt, während ein Gemeindedirektor das Geschäftliche übernahm. Der vor kurzem verstorbene Bernd Bremermann war der erste hauptamtliche Bürgermeister, der beide Ämter ausübte.

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