Lemwerder Ein ungewohnter Anblick im Büro von Rita Naujoks, Leiterin der Kita Lemwerder: Fünf Männer sitzen am runden Besprechungstisch, alle arbeiten in den verschiedenen Gruppen der Einrichtung. Florian Wachtendorf und Andreas Plate sind im ersten Ausbildungsjahr zum Erzieher und absolvieren ihren Praxisteil in Lemwerder, Philip Janßen absolviert das zweite Jahr in seiner Ausbildung zum Sozialassistenten und Jens Losch und Manfred Klindt sind als Sozialassistent und Erzieher im Hort fest in der Kita beschäftigt. „Das hat für uns eine große Bedeutung. Vor allem für die Kinder, denen in heutiger Zeit oft männliche Vorbilder fehlen“, sagt Rita Naujoks. „Ich bin begeistert und hoffe, dass dieser Trend sich fortsetzt.“

Wichtige Vorbilder

Die Gründe, warum die jungen Männer den Weg in die Ausbildung zum Erzieher nahmen, sind unterschiedlich. „Ich habe zunächst Verkäufer gelernt und dann ein soziales Jahr im Kindergarten gemacht“, erzählt Andreas Plate (24). „Da habe ich gemerkt, der Beruf ist etwas für mich.“ Auch Florian Wachtendorf hat bereits eine Ausbildung absolviert, als Fahrzeuglackierer. Er begeisterte sich durch ein Praktikum für die Arbeit mit Kindern. Anders ist es bei Philip Janßen: Er war schon als Kind in der Kita Lemwerder und kennt den Sozialassistenten Manfred Klindt von damals. Jetzt ist der 18-Jährige als Azubi zurückgekehrt. „Es hat mir hier schon immer gefallen“, lacht er. „

Anna-Lena Neumann arbeitet in ihren zweiten Jahr in der Ausbildung zur Sozialassistentin in der Kita. „Ich finde es gut, dass hier auch Männer arbeiten. Und gerade bei den Kindern kann man merkten, wie begeistert sie sind. Da können die Jungs auch mal über Themen wie Fußball reden“, hat sie beobachtet. Auch Petra Lutze-Neuke hält männliche Ansprechpartner in Kindergärten für sehr wichtig. „Toben mit den Jungs zum Beispiel ist ein Beispiel. Wir Frauen finden uns in dieser Rolle oft nicht wieder“, sagt sie. Manfred Klindt bedauert das häufige Fehlen von männlichen Vorbildern in der Kindheit. „Das ist ein Grund, warum Jungen später vielleicht in die Kriminalität abrutschen.“ Das bestätigt auch Jens Losch. „Es sollte eine feste Männerquote geben“, findet er.

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Neues Berufsbild

Damit mehr Männer den Weg in den Erzieherberuf finden, muss noch viel passieren. „Es ist ein typischer Frauenberuf, es gibt wenig Aufstiegschancen und Vollzeitstellen“, erklärt Rita Naujoks. „Das Berufsbild muss sich ändern und natürlich das Finanzielle“, sagt auch Manfred Klindt.

„Viele denken, wir spielen nur mit den Kindern. Dabei werden hier die Grundsteine für das lebenslange Lernen der Kinder gelegt“, so Naujoks.

Friederike Liebscher Redakteurin / Lokalredaktion
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