Zu den schönen Geschichten der Boßel-Saison 2019/2020 zählt die Erfolgsstory des KBV Abbehausen. Er kehrt als Meister der 1. Kreisliga in die Bezirksklasse zurück. Erst in der vergangenen Saison war das Team abgestiegen. Die Leistungen seien damals „nicht optimal“ gewesen, sagt Stefan Harjes. Der Nordenhamer wirft in der ersten Abbehauser Gummigruppe. Die Wettkämpfe in dieser Saison seien dagegen „herausragend“ gewesen, sagt er. Die Zahlen geben ihm recht. Vor dem letzten Spieltag blickt das Team auf ein Schoetverhältnis von 228:22. Nur gegen Moorburg/Hollriede gab es einen Punkt ab. Die erste Gummi hat bisher noch gar keinen Punkt abgeben. Zuletzt sorgte sie im Spitzenspiel gegen Langendamm/Dangastermoor mit neun Schoet für die Entscheidung im Meisterschaftskampf. Am 22. März reisen die Abbehauser stilecht mit dem Bus zum letzten Kampf der Saison nach Westerloy. „Wir überlegen noch, ob wir die Gruppen zum Abschluss durchmischen“, sagt Harjes. Aber gerade die Werfer der ersten Gummigruppe stünden diesem Vorschlag kritisch gegenüber. Dafür habe er Verständnis, sagt Harjes. „Es hätte doch was, die Saison mit einer weißen Weste zu beenden, oder?“

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Vor Wochenfrist gab’s an dieser Stelle ein Lob für Verena Bache-Wittmar, weil sie gleich beide Frauenteams der Korbballerinnen des SV Brake trainiert. Selbstredend ist sie nicht die einzige Übungsleiterin in der Wesermarsch, die sich um zwei Teams kümmert. Auch Lars Bechstein zählt seit kurzem zu den Übungsleitern, die für zwei Mannschaften verantwortlich sind. Er trainiert die 2. Fußball-Mannschaft des SVB und seit neuestem auch die A-Junioren. Deren Coach Steffen Küpker war während der Vorbereitung zurückgetreten. „Steffen hat uns gesagt, dass er das Gefühlt hat, die Mannschaft nicht mehr zu erreichen“, sagt Bechstein. Und weil so schnell kein adäquaten Ersatz zu finden gewesen sei, sagte Bechstein, sei er eben eingesprungen. Er werde aber nur bis zum Sommer Trainer der Jugendlichen bleiben. „Dann beschränke ich mich nur auf die U 23. Damit habe schon genug um die Ohren.“

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Zehn Minuten vor Anpfiff der Partie der 2. Fußball-Kreisklasse zwischen der SG Schwei/Seefeld/Rönnelmoor und dem TuS Sillenstede machten sich die Teams auf den Weg in die Kabinen. Um sich die Schienbeinschoner vor die Schienbeine zu knallen. Um sich noch mal heiß zu machen. Und es war Seefelds Torwart Marten Schwäke vorbehalten, an diesem Sonntag jene Frage zu stellen, die sämtliche Ergänzungsspieler auf allen Fußballplätzen Deutschlands in dieser Situation umtreibt. „Bleiben die Auswechselspieler draußen. Oder gehen sie mit rein?“ Seefelds Betreuer Heinz Ullrich blieb draußen und freute sich trotz des böigen Windes auf die 90 Minuten. Das liege an der guten Gesamtentwicklung, die das Team unter Trainer Daniel Schönig mache. Und auch am Rodenkircher Kunstrasenplatz. „Wir sind wirklich froh, dass wir hier trainieren und spielen können“, meinte Ullrich. „Aber wir hoffen schon, dass wir in zwei oder drei Wochen wieder in Seefeld spielen können. Der Platz sieht gar nicht mal so schlecht aus“, sagte er. Home, sweet Home.

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Den Spielern, die in die Kabine gingen, kam Schiedsrichter Egon Meyer entgegen. Der Unparteiische stapfte gut gelaunt in kurzer Hose über den Kunstrasenplatz der Rodenkircher Sportanlage in Richtung Tribüne. In seiner linken Hand hielt der Hüne ein Paar Turnschuhe, das schon bessere Zeiten gesehen hatte. „Die habe ich gerade aus dem Mülleimer geholt“, sagte er und setzte sich auf die Tribüne. Der 61-Jährige erklärte, warum: Er habe vorgesorgt. Unlängst sei er mit seinen neuen Schuhen auf einem nassen Kunstrasenplatz böse gestürzt. Fall es geregnet hätte, wären die alten Treter zum Einsatz gekommen. „Aber da sind so viele Löcher drin. Mit denen darf man als Schiedsrichter eigentlich gar nicht auflaufen.“ Es blieb trocken. Meyer pfiff die Partie in seinen neuen Schuhe an. Er habe später sogar vergessen, das alte Paar mitzunehmen, sagte er. „Ich habe noch Bescheid gesagt, dass die Schuhe ruhig in die Mülltone geschmissen werden können. Vielleicht hat sie aber auch ein Spieler mitgenommen.“

Mit der Partie habe er keine Probleme gehabt. Obwohl er sechs Gelbe Karten habe zeigen müssen, sei es ein faires Spiel gewesen. „Es ging ja um was“, sagte Meyer, der auch Schleuderballpartien pfeift und lobte beide Mannschaften. „Alle waren richtig nett.“ Das hört man gerne.

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Zunächst hatten die Sillensteder das Team aus der Gemeinde Stadland mit ihrer Schnelligkeit gepiesackt. Einige Seefelder wählten die falsche Antwort. Sie maulten und quengelten und riefen damit ihren Trainer auf den Plan. „Merkt ihr was?“ rief Schönig aufs Feld. „Beschäftigt euch nicht mehr mit dem, was gewesen ist. Das könnt ihr eh nicht mehr ändern.“ Seine Spieler zeigten sich einsichtig. Prompt sahen die Zuschauer, dass auch die Seefelder ein richtig gutes Team sind, selbst wenn sie ohne Soeren Pudel und Kevin Lanzendörfer spielen.

„Wir haben erst ein bisschen vorsichtig gespielt“, meinte Schönig nach dem 3:1-Sieg „Aber dann haben die Jungs sich richtig reingehauen. Das hat Spaß gemacht.“

Seefelds Coach hat früher jahrelang für die Erste des TSV Abbehausen gespielt. In der Jugend lief er unter anderem auch für den VfB Oldenburg auf. Aber selbst mit dieser Erfahrung benötigt man noch Unterstützung. Und die bekam Schönig nicht nur von Heinz Ullrich (Schönig: „Er macht alles fürs Team. Ohne ihn läuft nichts). Nach wenigen Minuten stand am Sonntag auch sein Sohn Joshua an seiner Seite. In Ermangelung einer Taktik-Kamera verschaffte sich der Dreijährige auf Papas Arm zunächst einen kurzen Überblick. Anschließend wählte er die Trainerperspektive – den Ball immer im Blick. „Er ist immer voll dabei“, sagte Joshuas Vater. Selbst wenn er das Training vorbereite, sei sein Sohn dabei. „Dann setzt er sich mit seiner Malkladde neben mich. Er macht alles mit.“ Früh übt sich.

Wolfgang Grave Lokalsport / Redaktion Nordenham
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