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Nordenham Die einen haben schon jetzt Verlustängste, die anderen sehen die Sache ganz entspannt. Aber für Gesprächsstoff sorgt der nahende Abschied vom guten alten Papierführerschein allemal. Der graue Lappen soll aus dem Verkehr gezogen und durch eine fälschungssichere Plastikkarte ersetzt werden, die in der gesamten Europäischen Union einheitlich ist. In einer Serie hört sich die NWZ  bei Autofahrern um und fragt sie nach ihrer Meinung zu dem Führerscheintausch.

Der Abbehauser Ortsbürgermeister Karl-Heinz Wedemeyer hat sich bereits vor zwölf Jahren die neue Fahrerlizenz ausstellen lassen. Aus ganz pragmatischen Gründen: „Die Plastikkarte passt besser ins Portemonnaie“, sagt der 73-Jährige. Sein alter Führerschein trägt seitdem den roten Stempel „Ungültig“ und hat nur noch nostalgischen Wert. Ganz entsorgen will Karl-Heinz Wedemeyer das gute Stück auf keinen Fall, zumal damit „schöne Erinnerungen“ verbunden sind.

Der pensionierte Bankkaufmann weiß noch ziemlich genau, wie am 3. Januar 1964 seine Führerscheinprüfung in einem Ford Taunus – auch bekannt als „Badewanne“ – abgelaufen ist. Damals war Karl-Heinz Wedemeyer 21 Jahre jung. „Die Fahrt durch Nordenham dauerte nur zehn Minuten“, sagt er, „ich habe ohne Probleme bestanden.“ Auch das bei vielen Anfängern gefürchtete Anfahren auf der steilen Rampe zum Bahnhof meisterte er locker. „Der Prüfer dachte, dass ich vorher schwarz gefahren bin“, erzählt Karl-Heinz Wedemeyer, „aber das stimmt nicht.“

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Norbert Hartfil mit seinem Führerschein aus dem Jahr 1983. BILD: Jens Milde

Der Autor dieses Beitrags, NWZ-Redakteur Norbert Hartfil, hat seine Führerscheinprüfung am 2. Juni 1983 im Alter von 18 Jahren hinter sich gebracht. Sein erstes Auto war ein knall- oranger VW Käfer.

Seinen Lappen tauscht Norbert Hartfil demnächst freiwillig gegen einen EU-Führerschein ein, weil der kleiner und handlicher ist. Natürlich will er das Original aus alten Zeiten aufheben – als Erinnerungsstück.

Vielleicht lag es daran, dass er viel mit seinem Zündapp-Moped unterwegs gewesen war. Jedenfalls brauchte der gebürtige Nordenhamer nur sechs Praxisstunden bis zur Prüfung. Drei davon hatte Karl-Heinz Wedemeyer in Bad Gandersheim absolviert, wo er vorübergehend mit seiner Frau Anni bei den Schwiegereltern gewohnt hatte, die anderen drei in Nordenham. „Eigentlich waren zwölf Stunden Pflicht“, sagt er, „aber Fahrlehrer Ochmann sah das nicht so eng.“ Kaum hatte er seinen Führerschein der Klasse 3 in der Tasche, kaufte sich Karl-Heinz Wedemeyer für 450 Mark eine weiße Isetta von BMW. Von dem kleinen Zweisitzer mit Faltdach, der es mit 13 Pferdestärken auf eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern brachte, schwärmt Karl-Heinz Wedemeyer noch heute: „Das war ein tolles Auto“, sagt er, „eigentlich mein bestes.“

Bei dem Gedanken, seinen alten Führerschein bald gegen eine Plastikkarte eintauschen zu müssen, verspürt Uwe Thöle einen gewissen Trennungsschmerz. „Nur sehr ungern“ will der pensionierte Kriminalbeamte den noch erstaunlich gut erhaltenen Lappen hergeben, den er am 12. Mai 1970 voller Stolz in Empfang genommen hatte.

Seine Fahrstunden und die Prüfung absolvierte Uwe Thöle in Bremen, wo er zu der Zeit die Polizeischule besuchte. „Ich wollte so schnell wie möglich den Führerschein machen, um mobil zu sein“, erzählt der 64-Jährige. Dafür gab es nachvollziehbare Gründe: Auf dem platten Land in seinem Geburtsort Ruhwarden hatte er lange genug zu spüren bekommen, was es heißt, „von der Umwelt abgeschnitten“ zu sein. Entsprechend sportlich war andererseits die Herausforderung, ausgerechnet im Bremer Großstadtverkehr die Fahrprüfung ablegen zu müssen. Trotzdem lief alles ohne Schwierigkeiten ab, so dass Uwe Thöle nur wenige Monate nach seinem 18. Geburtstag den Führerschein ausgehändigt. „Da war ich richtig glücklich“, erinnert er sich an diesen besonderen Moment.

Bei seinem Fahrschulwagen handelte es sich um einen VW Variant. Als er sich kurz darauf sein erstes eigenes Auto kaufte, entschied er sich für einen Klassiker aus französischer Produktion: einen Citroën 2 CV. Dies dunkelblaue „Ente“ aus dem Baujahr 1966 mit Rolldach und Fliehkraftkupplung war mit 16 PS und 90 km/h Spitze zwar nicht gerade eine Rennmaschine, aber sie wuchs ihm so ans Herz, dass Uwe Thöle bis heute ein großer Fan dieses Kultautos ist. Als Zweitwagen hält sich der Stadtratsvorsitzende auch jetzt noch eine Ente, die mit ihren 30 Jahren inzwischen zur Oldtimer-Riege gehört.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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