Stollhamm Eine alte Weisheit besagt, dass die Friesen erst das Klootschießen und dann das Laufen lernen. Das mag heute ein bisschen überholt sein. Doch immerhin sind es noch immer mehr als 40 000 Mitglieder, die der Friesische Klootschießerverband zählt. Und wenn auch vielfach das Boßeln einen höheren Stellenwert hat, so gilt doch das Klootschießen unangefochten als die Krönung des Friesensports.

Wer Klootschießen in seiner ganzen Urwüchsigkeit erleben möchte, der sollte an diesem Sonnabend, 3. März, nach Stollhamm kommen. Auf einer Fläche an der Ulmenstraße tragen die Klootschießer-Landesverbände Oldenburg und Ostfriesland ihren Länderfeldkampf aus – und setzten damit eine lange Tradition fort.

Dass am Samstag in Stollhamm die Klootkugeln fliegen, ist seit dem späten Mittwochnachmittag amtlich. Im Huus an’n Siel haben die Ostfriesen als Verlierer des bislang letzten Wettkampfs, der 2012 im ostfriesischen Utgast ausgetragen worden war, die Oldenburger herausgefordert. Und die haben angenommen.

Um 9 Uhr wird der Wettkampf nun am Samstag beginnen. Vorher stärken sich Werfer und Betreuer im Huus an’n Siel mit einem Frühstück, dann geht es auf die Bahn. Nach alter Tradition werden Trompeter mit den jeweiligen „Nationalhymnen“ der Landesverbände die Werfer ankündigen. Neben den Bahnweisern mit ihren Fahnen werden auch hunderte sogenannte Käkler und Mäkler dabei sein – Zuschauer, die am Rand des rund 1100 Meter langen Wettkampfgeländes das Geschehen verfolgen und es gerne mit auch mal etwas derberen Sprüchen kommentieren.

Gewöhnlich läuft der Feldkampf über zwei Tage. Für das Wochenende sagt jedoch der Wetterbericht voraus, dass am Sonntag der Frost bereits wieder nachlassen soll. Alles, was die Klootschießer nicht gebrauchen können, ist ein weicher Boden. Daher haben sie beschlossen, sich auf den Samstag und auf nur zwei Wettkämpfe, nämlich den der Jugendlichen und der Männer, zu beschränken. Ansonsten hätten sich auch noch die Junioren gemessen; doch dieser Wettkampf entfällt.

Zu einer Feldkampfmannschaft gehören immer sieben Werfer plus Ersatzwerfer. Allein im Aufgebot der Oldenburger Männer befinden sich fünf Wesermärschler: Ludger Ruch aus Blexen (wirft für den Mentzhauser TV), Detlef Müller aus Mentzhausen, Dirk Schomaker aus Fedderwardersiel, Jonas Schüler aus Esenshamm und Sven Büsing aus Mentzhausen treten an. Auch für das Jugendteam wurden fünf Werfer aus der Wesermarsch berufen: Thore Bruns aus Waddens, Moritz Kuck und Ihno Riesebieter aus Schweewarden, Rico Wefer aus Mentzhausen und Ben Sanders aus Reitland.

Im voll besetzten Saal des Huus an’n Siel begrüßte der Vorsitzende des Friesischen Klootschießerverbands, Jan-Dirk Vogts aus dem Ammerland, am späten Mittwochnachmittag die Delegationen der beiden Landesverbände und erklärte noch einige Details zum anstehenden Wettkampf. Frank Göckemeyer, Vorsitzender des Klootschießer- und Boßelvereins Stollhamm, hieß als Gastgeber die Friesensportler willkommen. „Mir ist es egal, wer gewinnt“, sagte er, „Hauptsache es sind die Oldenburger“.

Fünf Fakten über den Feldkampf

1. In der seit 1937 geführten Länderkampf-Statistik führen die Ostfriesen bei den Männern mit 14:12 Siegen, bei den Junioren mit 10:6 und bei der Jugend mit 20:13.

2. Der bislang letzten Länderkampf fand am 4. und 5. Februar 2012 im ostfriesischen Utgast statt. Dabei konnten die Oldenburger zum ersten Mal in der Geschichte einen Dreifach-Sieg erringen: Die Männer, die Junioren und auch die Jugendlichen bezwangen die Ostfriesen.

3. Legendär ist der Wettkampf der Männer vom 26. Januar 1961, als der Zeteler Hans Placküter einen in 85 Metern Entfernung befindlichen Graben überwarf und mit diesem Wurf auf 141 Meter kam. Das war die Grundlage für den späteren Oldenburger Sieg mit einem Schoet und 27 Metern Vorsprung.

4. Noch nie in der langen Geschichte des Feldkampfs ist der Wettkampf erst im März ausgetragen worden. Das bislang späteste Datum war der 25. Februar, und das liegt 70 Jahre zurück.

5. Beim Klootwerfen kommen Düsselmeister zum Einsatz. Ihr Job ist es, Bodenunebenheiten auf der Anlaufstrecke zu beseitigen.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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