Nordenham /Butjadingen /Stadland Auf einem gepflegten Naturrasen lässt es sich am besten kicken. Aber sobald Regen und Schnee die Torräume in Schlammgebiete verwandeln, sind die Fußballvereine froh, wenn sie auf ein wetterfestes Geläuf aus Kunststoff zurückgreifen können. Doch jetzt stehen Kunstrasenplätze unter dem Verdacht, mit der Absonderung von Mikroplastik die Umwelt zu belasten. Wenn’s ganz dicke kommt, droht für Spielfelder, die mit Kunststoffgranulat als Füllmaterial belegt sind, sogar ein Verbot. Diesen von der Europäischen Union angeschobenen Überlegungen können die Fußballer in Nordenhamer gelassen entgegensehen. Denn die beiden Kunstrasenplätze in der Unterweserstadt haben keinen Granulatbelag aus Plastik. Anders ist die Lage in den Nachbargemeinden Butjadingen und Stadland. Die unlängst runderneuerten Plätze in Burhave und Rodenkirchen passen genau in das Profil der Mikroplastik-Fahnder.

Nordenham

Dass die 1991 in Betrieb genommene Kunstrasenarena im Sportzentrum Mitte nicht unter Mikroplastik-Verdacht steht, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. Die Stadt Nordenham hatte bei der Sanierung des Belags im Jahr 2014 die Wahl zwischen Füllmaterialien aus Gummi und Kork. Das Sportamt entschied sich für Kork, weil es von einer anderen Gemeinde den Hinweis bekommen hatte, dass Kunstkautschuk-Kügelchen mit den Grashalmen verkleben und es in der Folge zu Schäden bei der Platzreinigung kommen könnte. Umweltprobleme durch Mikroplastik hatte damals noch niemand im Sinn. „Glücklicherweise haben wir Kork genommen“, sagt Sportamtsmitarbeiter Jens Leiminer. Das Naturmaterial habe sich auch im Spielbetrieb bewährt: „Die Fußballer sind damit sehr zufrieden.“ Nach Jens Leiminers Angaben ist Korkgranulat in der Anschaffung zwar etwas teurer als die Alternative aus Kunststoff, die zum Teil aus alten Gummireifen gewonnen wird. Aber der höhere Preis gleiche sich weitgehend dadurch aus, dass die Verbrauchsmengen geringer seien.

Entscheidung frühestens Anfang 2020

Für helle Aufregung in vielen Sportvereinen und Kommunalverwaltungen hatte Anfang der Woche eine Meldung gesorgt, nach der die Europäische Union ein Verbot von Kunstrasenplätzen plane. Kurz darauf gab es eine Klarstellung. Die EU-Kommission betonte, dass von einem Verbot (noch) nicht die Rede sein könne. Vielmehr gehe es zunächst darum, nach Möglichkeiten zur Verringerung von umweltschädlichem Mikroplastik zu suchen. In diesem Zusammenhang werde auch geprüft, ob beschränkende Auflagen für den Einsatz von Mikroplastik-Granulat auf Sportplätzen in Betracht kommen könnten.

Eine Entscheidung über ein mögliches Plastik-Granulatverbot wird nicht vor Anfang 2020 erwartet.

In Niedersachsen gibt es nach Angaben des Niedersächsischen Fußballverbandes zurzeit 193 Kunstrasenplätze für den Spiel- und Trainingsbetrieb.

In Abbehausen hat der 2003 errichtete Kunstrasenplatz weder eine Sand- noch eine Granulatbeschichtung. Somit stellt sich dort die Mikoplastik-Frage nicht. Allerdings weist die Arena mittlerweile erhebliche Abnutzungserscheinungen auf. Daher plant die Stadt Nordenham eine auf 300 000 Euro veranschlagte Sanierung. Die Umsetzung der Maßnahme hängt von der Haushaltslage ab. Vor 2022 ist nach dem jetzigen Stand der Dinge nicht damit zu rechnen.

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Butjadingen

Die Gemeinde Butjadingen ist von der Granulat-Diskussion betroffen, weil sie bei der Generalsanierung des Sportplatzes in Burhave im Herbst 2017 auf Füllmaterial aus Kunststoff gesetzt hatte. „Wir müssen jetzt abwarten, was da auf uns zukommt“, sagt Joachim Wulf, Leiter des Amtes für Zentrale Dienste. Er betont, dass die Gemeinde bei der Materialauswahl auf eine hohe Qualität geachtet habe. „Wir haben das Beste genommen, was zu der Zeit auf dem Markt war“, betont der Amtsleiter. Von eventuellen Umweltbelastungen durch das Granulat sei damals nichts bekannt gewesen. Sollte die Gemeinde tatsächlich dazu gezwungen werden, den Dämmbelag auszutauschen, sollte der Gesetzgeber eine finanzielle Unterstützung leisten. „Wir haben ja nichts Widerrechtliches gemacht“, sagt Joachim Wulf. Die Sanierung des Burhaver Platzes nach 20-jähriger Nutzung hatte rund 280 000 Euro gekostet.

Stadland

Auch in der Gemeinde Stadland sorgt das Thema für Diskussionsstoff und Verunsicherung. Der im Sommer 2017 runderneuerte Kunstrasenplatz in Rodenkirchen hat einen ähnlichen Aufbau wie die Anlage in Burhave und ist ebenfalls mit Gummigranulat belegt. Damit rückt auch die Rodenkircher Fußballarena in den Mikroplastik-Fokus. In die Platzsanierung hatte die Gemeinde Stadland 400 000 Euro investiert und gehofft, damit für viele Jahre Ruhe zu haben. Das könnte sich als Irrtum erweisen, wenn die EU mit ihrem Bannstrahl ernst macht.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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