Brake „Es wird immer schlimmer werden, da muss man sich nichts vormachen.“ Geht es um die Schwimmfähigkeiten von Kindern, schlägt Klaus Wendeling, Vorsitzender der DLRG Brake, Alarm. Und zwar laut und deutlich: Immer weniger Kinder und Jugendliche können richtig schwimmen, bei den Erwachsenen sieht es nicht besser aus.

Bäder verschwinden

„Der Rückgang der Schwimmbäder in der Fläche ist das größte Problem“, erläutert Wendeling im Gespräch mit der Nordwest-Zeitung: „Die Kinder sollen in der Grundschule das Schwimmen lernen, aber gerade für die Schulen gibt es zu wenige Bäder.“ Müssen die Schüler dann erst für eine Schulstunde im Becken durch die Region gefahren werden, könne man sich ausrechnen, wie viel Zeit für den Schwimmunterricht bleibt.

Ans Wasser gewöhnen

In Brake gibt es Anfängerschwimmkurse im Brommy Bad. Haben die Kinder dort ihr Seepferdchen-Abzeichen geschafft, können sie bei der DLRG Brake weitermachen und für das Jugendschwimmabzeichen Bronze trainieren. „Kinder, die das Seepferdchen haben, können definitiv noch nicht richtig schwimmen. Das ist wichtig“, so Klaus Wendeling. Erst für Bronze würden sie lernen, längere Strecken zu schwimmen und zu tauchen. Und: Haben die Kinder angefangen, muss man am Ball bleiben: „Schwimmen ist ein schwieriger technischer Ablauf. Die Bewegungsabläufe müssen vertieft werden.“

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Eltern sollten ihre Kinder deshalb unbedingt frühzeitig für einen Kursus anmelden. Und: Mit der Wassergewöhnung sollte schon bei Kleinkindern angefangen werden. „Gehen Sie regelmäßig ins Schwimmbad, nehmen Sie Ihren Kindern die Angst vor Wasser“, rät der DLRG-Vorsitzende.

Wendeling fürchtet auch, dass sich in diesem Sommer noch viel mehr Nichtschwimmer an den Weserstränden und in den Schwimmbädern tummeln: Viele Flüchtlinge können nicht schwimmen. „Wer aus einer Wüstengegend in die Wesermarsch flüchtet, kann meist nicht schwimmen. In den Herkunftsländern gibt es meist gar keine Schwimmkultur“, skizziert Wendeling die Problematik: „Und diese Kinder werden trotzdem gemeinsam mit ihren neuen Freunden hier vor Ort schwimmen gehen, obwohl sie es nicht können.“

Wenig Interesse

Uwe Oden, Vorsitzender des Fördervereins Wurpland-Bad aus Elsfleth, können die aktuellen Zahlen der DLRG nicht überraschen. „Schon vor etlichen Jahren haben wir Schwimmkurse für Kinder aus dem Hinterland Elsfleths angeboten, mit Hol- und Bringdienst. Wir wissen alle, dass es in der Wesermarsch viele tiefe und gefährliche Gräben gibt. Nur eine einzige Mutter hat ihr Kind für den Kursus angemeldet“, sagt Uwe Oden. Der 79-Jährige hat als Kapitän das Schwimmen in allen Weltmeeren genossen.

Handlungsbedarf

Uwe Oden sieht absoluten Handlungsbedarf und wird mit seinem Förderverein vor Ort agieren. Am 16. Juni, 19 Uhr, gibt es im Elsflether SPD-Büro, Steinstraße 36, ein großes Meeting. Dann soll ein neues Programm aufgelegt werden, um die dramatische Entwicklung zu stoppen. Und auch auf den 2. August setzt Uwe Oden. Dann wird der Elsflether Ferienpass mit einer großen Aktion am Wurpland-Bad in Elsfleth beendet. Und der Kapitän a.D. hofft, dass sich dann möglichst viele mit dem Thema „Sicherheit im Wasser" beschäftigen.

Appell an die Eltern

Frank Piontek, Oberturn- und Sportwart des TuS Jaderberg, richtet einen dringenden Appell an alle Eltern. „Die Kinder sollten bis zum Schulbeginn schwimmen können und rät zu Kursbesuchen so früh wie möglich. „Im Fruchtwasser konnten alle Kinder schwimmen. Wir sollten deshalb allen Kindern die Chance geben, diese Fähigkeit wieder zu erwerben“, sagt Piontek und weist direkt im Anschluss darauf hin, dass man das Sportabzeichen nur dann bekommen kann, wenn man auch schwimmen kann. Ohne Schwimmen gibt es kein Sportabzeichen.

Wartezeiten bei Kursen

„Mit den Bädern in Brake, Lemwerder und Elsfleth sind wir im Süden der Wesermarsch im Vergleich ganz gut aufgestellt“, sagt Rainer Weegen, Vorsitzender der DLRG, Stedinger-Land. Die Eltern in der Wesermarsch wüssten um die Bedeutung des Schwimmenlernens. Und das belegten auch die Wartezeiten bei einigen Schwimmkursen von bis zu einem Jahr.

Anja Biewald Redakteurin / Lokalredaktion
Hans-Carl Bokelmann Jade/Ovelgönne / Redaktion Brake
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