NORDENHAM 1954 war das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz. Ich war damals zehn Jahre alt und fußballbegeistert. Weil es noch kein Fernsehen gab, spielte ich mit meinem Märklin-Stabilbaukasten und hörte die Reportagen von Herbert Zimmermann vom NDR.

Damals waren in Nordenham nur drei Rundfunksender zu empfangen: Bremen, Hamburg und AFN Bremerhaven. Selbst habe ich nur am Gymnasium auf dem Sandplatz mit der blauen Tinte und auf dem Sportplatz gespielt. Obwohl meine Freunde Dirk Bitter, der Sohn vom Wirt der „Zukunftsecke“, und Gernot Halbrodt aus der Willehadstraße in der Schülermannschaft beim SC Nordenham spielten, durfte ich nicht in den Verein eintreten, weil meine Mutter für mich den Tennis- oder Ruderclub im Auge hatte.

Im Blendax-Trikot

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Bei jedem Heimspiel der Herrenmannschaft war ich dabei auf dem Sportplatz neben der Turnhalle und dem Marktplatz. Ich war großer Verehrer von Torwart Helmut Witgräfe, von Horst Emmert und Ewald Buller. Erinnern kann ich mich auch noch an Emmerts jüngeren Bruder, an den Dribbelkünstler Philip Barz, Jenning Harms, auch an Erwin Borstorf. Ernste Konkurrenten waren zu der Zeit der Lokalrivale TuS Einswarden, VfB Oldenburg, Blau-Weiß Borssum, TuS Melle und Stern Emden. Als prominenteste Mannschaft trat der Oberligist FC St. Pauli, der in Nordenham in einem Freundschaftsspiel zu Gast war, auf.

Die Nordenhamer hatten zu der Zeit ein Blendax-Trikot: blau-weiße Flächen ähnelten der gängigen Zahnpastamarke Blendax. Mit dem Fahrrad fuhr ich zu Fußballspielen nach Einswarden und Brake. Verächtlich schauten wir damals auf Abbehausen, RSV Nordenham und Phiesewarden herab.

Nach der gewonnenen Weltmeisterschaft in Bern im Jahre 1954 bekam ich zum Geburtstag ein Tipp-Kick-Spiel, wobei man den kleinen Figuren den Kopf eindrücken musste, damit sie mit dem rechten Bein gegen den kleinen Spielball traten. Auf dem grünen Spielfeld markierte ich die Namen der deutschen Nationalmannschaft in der klassischen Aufstellung. Nach einem Jahr gefiel mir der SC Nordenham so gut, dass ich die Namen der Nationalspieler mit Pelikan-Tinte königsblau überschrieb. So wurde in meiner Fantasie aus Toni Turek Helmut Witgräfe, aus Fritz Walter Horst Emmert, aus Jupp Posipal Ewald Buller und so weiter. Meine Fußballbegeisterung endete mit dem neuen Stadion am Plaatweg.

Eis statt Eintritt

Die Heimspiele am Marktplatz waren immer ein Ereignis: Die Zuschauer standen in Dreier- und Viererreihen vor dem Sichtschutz gegen die Marktseite, in der ersten Reihe saßen die Schlauen, die sich Klappstühle mitgebracht hatten. Die ganz Privilegierten jedoch saßen auf einer Art Hochsitz hinter dem östlichen Tor, der dem Sportwarenhändler Fritz Tatje oder Radio Walter gehörte.

Nun kommt eine Geschichte, die ich um der Wahrheit willen nicht unterdrücken darf. Ich kam nie durch den offiziellen Eingang von der Bäckerei Harries, sondern stieg immer über den Zaun von der Marktseite her. Das war damals bei Kindern üblich und stillschweigend geduldet. Einmal hat mich der Funktionär Eduard Liebert erwischt und mich mit den Worten verwarnt: „Nächstes Mal kommst du durch den richtigen Eingang!“

Die jeweils ersparten 30 Pfennig brauchte ich nämlich für ein großes Eis (drei Kugeln: Erdbeer, Schokolade, Ananas in der Muschel mit Plastikspachtel), das ich beim Kiosk von Paul Kotelmann kaufte. Das ging aber nicht in der Halbzeitpause, weil bei Kotelmann ein derartiger Andrang von Bier- und Zigarettenkäufern war, dass ein Kind keine Chance für ein Eis gehabt hätte. Ein Eis bekam man bequem vor oder nach der Pause.

Als heimischer Schiedsrichter bleibt mir noch Beyer in Erinnerung und natürlich Rudi Böschen, der fast bei jedem Spiel mit seiner eigenen gelben Fahne als Linienrichter tätig war. Rudi Böschen wohnte ganz oben bei Uhrmacher Mosel und hatte mit seinem Riesenfernglas den Sportplatz immer im Visier, wenn er nicht gerade am Union-Pier Schiffe beobachtete.

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