Edewecht /Großenmeer Als der Schlusspfiff an diesem Freitagabend irgendwann dann doch mal ertönte, gab es für ihn kein Halten mehr. Frithjof Allmers sprintete mit weit ausgestreckten Armen über den Edewechter Fußballplatz und brüllte seine Freude heraus. Der Torwart der SG Großenmeer/Bardenfleth hatte in der Schlussphase des Aufstiegsrelegationsspiels zur Kreisliga III die Zuschauer mit seinen Paraden fasziniert und die Spieler des VfL Edewecht in ungläubiges Staunen versetzt. Kurzum: Er war einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass das Spiel 2:2 endete und die SG Großenmeer/Bardenfleth den Aufstieg feierte.

„Ich kann es immer noch nicht fassen“, sagte Allmers nach der Partie zu dem, was Großenmeers Fußballobmann Markus Heyne als größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte bezeichnete. „Dieser Aufstieg ist noch ein wenig über dem Kreispokalsieg im vergangenen Jahr einzuordnen“, meinte er.

Erinnerungen

Großenmeers Trainer Wolfgang Büttner hatte vor der Partie noch ein wenig tiefer in der Vereinsgeschichte gebuddelt und seine Spieler an den bisher schönsten Erfolg Großenmeers erinnert, den Aufstieg in die Bezirksklasse in der Saison 1992/1993 – aus zwei guten Gründen. Zum einen stand er als Spieler selbst in der Aufstiegsmannschaft. Zum anderen hatte auch das 93er-Team den Sprung in die nächsthöhere Liga in Edewecht perfektgemacht. „Das ist für mich ein gutes Pflaster“, sagte Büttner.

Er sollte Recht behalten. Großenmeer spielte zu Beginn stark und ging durch Hendrik von Häfen früh in Führung (4.). „Das Tor hat richtig gut getan“, sagte Benjamin Lübben, der wie viele seiner Teamkollegen schon Tage vor der Partie mit seiner Nervosität hatte kämpfen müssen. „Wir sind schließlich im vergangenen Jahr in der Relegation schon knapp am Aufstieg vorbeigeschlittert. Ein weiteres Scheitern wäre richtig ärgerlich gewesen.“

Edwecht steigerte sich im Laufe der Partie. „Aber wir haben gut dagegengehalten“, meinte Coach Büttner. „Wirklich sicher sein konnten wir uns aber nie“, sagte Lübben, zumal der Schiedsrichter dem vermeintlichen 2:0 durch Stefan Oberländer in der 35. Minute die Anerkennung verweigerte. „Warum, weiß ich allerdings immer noch nicht“, sagte Büttner.

Schon zu diesem Zeitpunkt raste der Puls der rund 100 mitgereisten und lautstarken Großenmeerer Fans. Und sie konnten noch nicht einmal ansatzweise ahnen, was in der Schlussphase passieren sollte – wäre es doch schlichtweg untertrieben, die letzten Minuten der Partie als dramatisch zu beschreiben.

Edewecht drückte und drückte und glich in der 86. Minute durch Daniel Wordtmann aus. Der nächste Keulenhieb folgte in der 89. Minute: Stefan Oberländer sah die Ampelkarte (89.). Das Blatt schien sich zu wenden, zumal der Schiedsrichter keine Anstalten machte, das Spiel abzupfeifen. „Der hatte wohl Spaß an der Partie“, frotzelte Florian Bierbaum. Knapp neun Minuten habe der Unparteiische drangehängt, schimpfte der Vorsitzende der SG. Und in dieser Zeit überschlugen sich die Ereignisse. „Ich hätte in der Schlussphase schon ein paar Beruhigungstabletten gebrauchen können“, sagte Bierbaum, während sein Vorstandskollege Heyne zugab, ebenfalls mächtig gelitten zu haben.

Ein Mann war in der Zwischenzeit in den Mittelpunkt gerückt: Frithjof Allmers. Er zeigte eine Großparade nach der anderen. „Das war der Wahnsinn“, meinte Coach Büttner. Dann die 93. Minute: Benjamin Lübben schoss Großenmeer wieder in Führung. Die Erlösung? Von wegen. Schon kurz darauf erzielte Johannes Mettke das 2:2. „Danach ging bei uns gar nichts mehr“, sagte Büttner.

Aber seine von Krämpfen geschüttelten Spieler hörten auf ihren Torwart. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie die Zähne zusammenbeißen und alles geben sollen“, sagte Allmers. Und das taten sie – und starteten nach dem Abpfiff dann eine Party, die sich gewaschen hatte. „Die hat auf dem Platz angefangen, ist im Bus fortgesetzt worden und bei unserem Kapitän Stefan Oberländer zu Hause noch einmal von vorne losgegangen“, sagte Benjamin Lübben. Sein Trainer brachte es auf den Punkt: „Wir haben alles gegeben – während des Spiels und auch danach.“

Auch in einer anderen Sache waren sich Spieler und Verantwortliche nach dem Spiel einig: Ausschlaggebend für den Erfolg sei der Teamgeist gewesen. „Wir sind wie eine große Familie. Das gibt es nicht überall“, sagte Allmers. Bierbaum schlug in die gleiche Kerbe. „Diese Mannschaft zieht an einem Strang.“

In den kommenden zwei Wochen können die Großenmeerer die Füße hochlegen. „Auch eine Supertruppe braucht mal eine Pause“, sagte Büttner.

Gespräche angekündigt

Allerdings werden Vorstand und Trainer noch einmal Gas geben. Zwar sagte Fußballobmann Heyne, dass das Thema Verstärkungen im Vorfeld und während der Relegation ausgespart worden sei. Klar ist aber auch: „Der eine oder andere Spieler muss her“, sagte Bierbaum. Und auch Büttner kündigte an, in den nächsten Tagen, „zwei oder drei Gespräche“ führen zu wollen.

Fest steht: Die Mannschaft bleibt größtenteils zusammen und wird um Spieler aus der A-Jugend erweitert. Stefan Oberländer ist der einzige Abgang. Er beendet seine Laufbahn. Büttner hofft, dass der Routinier in der kommenden Saison das Großenmeerer Trainerteam verstärkt.

So oder so: Die Spieler freuen sich auf die neue Saison. „Wir wissen, dass es schwer werden wird“, sagte Lübben. „Aber wir wollen die gute Stimmung mitnehmen. Außerdem kennen uns die anderen Mannschaften nicht. Das ist ein großer Vorteil.“ Auch Allmers glaubt, dass die SG selbstbewusst in die neue Saison gehen dürfe. „Wir haben schließlich nicht nur einen tollen Zusammenhalt, sondern auch gute Fußballer in unserer Mannschaft.“

Früher Treffer und Torreiches Ende

SG Großenmeer/Bardenfleth Frithjof Allmers - Martin Menke, Sönke Heinemann (46. Thorben Bunjes), Timo Oberländer, Stefan Oberländer, Benjamin Lübben, Sven Oberländer (78. Kevin Cordes), Henning Bunjes (70. Markus Lemcke), Hendrik von Häfen, Christoph von Minden.

Tore 0:1 Hendrik von Häfen (4.), 1:1 Daniel Wordtmann (86.), 1:2 Benjamin Lübben (90.+3), 2:2 Johannes Mettke (90.+5).

Gelb-Rote Karte Stefan Oberländer (89., /SG).

Wolfgang Grave Lokalsport / Redaktion Nordenham
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