Schweieraußendeich Auch in einer heruntergekommenen Schatzkiste kann ein Juwel funkeln. Am Stulkenweg gibt es eine solche Schatzkiste, und das Juwel, das sie beherbergt, heißt Aragon, ist zwei Jahre alt und ein Hengst von spanischer Abstammung. Für die 49-jährige Tanja Bach und ihren Mann Omar Alejandro Rodriguez Hartfield (46) ist er das beste Pferd im Stall.

28 spanische Pferde

Bis vor gut einem Jahr gehörte dieser Stall Dr. Heiko Meinardus, einem Züchter des Oldenburger Pferdes. Jetzt haben die Oldenburger 28 Spaniern Platz gemacht. Hinter diesem Wechsel steckt eine internationale Geschichte von mehrfacher Ein- und Auswanderung.

Sie begann vor mehr als 20 Jahren, als die Bremer Jura-Studentin und Pferdefreundin Tanja Bach ein Auslandssemester an der spanischen Universität Salamanca absolvierte. Ihr gefiel die Mentalität der Spanier, berichtet sie heute: „Spanien ist ein tolles Land zum Arbeiten.“ Doch zunächst ging sie zurück nach Deutschland und ins Eventmarketing statt in die Juristerei. Den Einstieg fand sie in der Firma des Reiters Paul Schockemöhle, doch bald fand sie sich im Land ihrer Träume wieder.

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Zwei Jahre arbeitete sie in Barcelona, dann in der Hauptstadt Madrid. Immer dabei: die Pferde. Tanja Bach leitete die spanische Niederlassung einer Schweizer Firma, die Übertragungen im Internet anbot, als es das Wort Streaming in diesem Sinne noch nicht gab. Tanja Bach ist nicht wenig stolz darauf, dass die spanische Niederlassung die erfolgreichste in Europa war. Das lag daran, dass viele börsennotierte spanische Firmen Büros in Lateinamerika haben und es verdammt teuer ist, deren Leiter zu Hauptversammlungen und Quartalsbilanzen einfliegen zu lassen.

Die Familie spielt Polo

Während Spanien aufblühte, rutschte auf der anderen Seite des Atlantiks Argentinien in eine der schlimmsten seiner vielen Krisen. In diesem Land lebte Omar Alejandro Rodriguez Hartfield, der Urenkel eines Auswanderers aus Bremerhaven, in der Pampa. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Alvear in der Provinz La Pampa ist das Heimatdorf der Familie Rodriguez, die nahezu komplett dem Polo verfallen ist. So gilt der Bruder von Omar Alejandro Rodriguez Hartfield als bekannter Polotrainer. Er selbst dagegen reitet zwar, spielt aber nicht Golf vom Pferderücken aus.

Stattdessen ist er Tierarzt mit Schwerpunkt Embryonen-Transfer. Ende 2001, kurz bevor Argentinien finanziell implodierte, suchte er ein neues Glück im aufstrebenden Spanien und fand es bei Tanja Bach, die er als Tierarzt ihrer Pferde kennenlernte.

Um 2010 griff die Eurokrise auf Spanien über. Der Wohnungsbau, neben dem Tourismus die wichtigste Säule der Wirtschaft, brach zusammen. „Immer noch stehen vier Millionen Wohnungen leer“, beschreibt Tanja Bach das Ausmaß der Krise. „Wir haben nicht geglaubt, dass es in den nächsten zehn Jahren besser werden kann.“ Inzwischen fürchtet Tanja Bach, dass es eine ganze Generation dauern wird und grundlegender Reformen bedarf, ehe Spanien wieder auf die Beine kommt.

Ihr Mann bekam die Krise stärker zu spüren als sie. Da war sie froh, dass sie nie die deutsche Staatsbürgerschaft aufgegeben hatte. Zunächst zog ihr Mann im November 2014 bei ihren Eltern in Bremen ein und fand, fast ein Wunder, eine Stelle in seinem Fachgebiet beim Zuchtunternehmen Masterrind am Standort Loxstedt. Tanja Bach blieb mit den beiden Kindern und den Pferden auf ihrer Finca bei Madrid. Schließlich konnte sie das Anwesen an einen Nachbarn verkaufen, weil es auf ihrem Grundstück die dringend benötigten Wasservorräte gab.

Für den Erlös kauften sie den 1814 errichteten Meinardus-Hof, den sie im Internet gefunden hatten. Mit 28 Pferden, 4 Hunden aus spanischen Tierheimen, 5 Katzen und den Möbeln ging es in zwei Lastwagen 2240 Kilometer gen Nordosten. Am 24. Mai 2015 kam der Tross an. Tanja Bach macht kein Geheimnis daraus, dass ihr der Zustand des Anwesens einen kleinen Schock versetzte.

Doch inzwischen gibt es auf dem Hof ein weiteres Juwel: das renovierte Obergeschoss. „Für die Kinder ist es super, dass wir auf dem Land wohnen“, sagt Tanja Bach. Die achtjährige Carlotta besucht die Grundschule in Schwei, der fünfjährige Benet den Schweier Kindergarten. Nur mit dem Deutschkursus für ihren Mann war es nicht so einfach. Jetzt lernt er mit einem Schweier, der eine spanische Mutter hat.

Menschen zugewandt

Die Pferde gehören der Pura Raza Española (PRE) an, zu Deutsch: Reine Spanische Rasse. Tanja Bach will diese schönen, rittigen und den Menschen zugewandten Tiere stärker als Sportpferde etablieren und freut sich dabei über erste Erfolge. Einige Hengste und Stuten hat sie schon verkauft. Besonders stolz ist sie darauf, dass eine Amerikanerin den sechsjährigen Hengst Ataturc Duc gekauft hat, den jetzt der spanische Olympiateilnehmer Daniel Martin Dockx reitet.

Noch größere Hoffnungen setzt die Gestütsleiterin aber in den zweijährigen Aragon. Sie hat ihn in die Preisklasse E eingruppiert. Das heißt: Er kostet mehr als 20 000 Euro.


Das Gestüt ist im Internet zu finden unter   www.pre-ducal.com 
Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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