Der zweite Röhrl und ein torhungriger Elfmeter-Töter

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Lagebesprechung: Nick Fischer (links), Michael Müller (Mitte) und. Sascha BorkusBild: Patten
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Der Berner Fußballtrainer Michael Müller verfolgte die Auswärtspartie seiner Spielvereinigung gegen den VfL Edewecht (2:1 für Berne) am Freitagabend stehend vom Spielfeldrand aus. Die Arme hatte er meist hinterm Rücken verschränkt, die Baseball-Kappe tief ins Gesicht gezogen. In der Hand hielt er eine Flasche Mineralwasser. Niemand hätte sich gewundert, hätte er sie als Mikrofon-Ersatz genutzt – wie ein Teenager, der seinen Lieblingsrapper imitiert. Kaum eine Szene der Partie der 1. Kreisklasse Süd ließ Müller unkommentiert. Und fast immer lag er richtig. Auch in der Bewertung der Foulspiele der robust agierenden Gastgeber. Zunächst ließ Müller noch ein wenig Nachsicht walten. „Das ist meistens keine Absicht. Die Edewechter kommen oft einfach zu spät“, sagte er. Doch als die Anzahl der Fouls gegen Ende der ersten Hälfte zunahm – vor allem Bernes starker Außenstürmer Nick Fischer musste einiges einstecken –, sah sich Müller dann doch dazu genötigt, dem Schiedsrichter eine härtere Linie zu empfehlen und seine Spieler zu beruhigen.

Wie die mitgereisten Berner Fans – einige hatten die Strecke ins Ammerland in einer Stunde zurückgelegt, andere hatten nur 45 Minuten benötigt – sah Müller zwei Mannschaften, die Probleme bekamen, wenn sich das gegnerische Team dem eigenen Strafraum näherte. Sobald die Berner eine Freistoßflanke oder eine Ecke in den Edewechter Strafraum schlugen, brannte es im VfL-Strafraum eh lichterloh. Dass die beiden Berner Treffer nach Standardsituationen fielen, versteht sich von selbst. Dabei mussten die Gäste an diesem Abend auf einen der kopfballstärksten Spieler im Oldenburger Land verzichten: Florian Röhrl fehlte – und war dennoch mittendrin. Nachdem Pierre Litzcobi nach einer Eckball-Serie das 2:0 erzielt hatte, rissen seine Mitspieler die Arme in die Luft und riefen „Röhrl zwei, Röhrl zwei.“ Auch Trainer Müller konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Ich hab’s ja gesagt.“

Derweil erhielt der Betreuer der Berner Ersten am Sonntag einen Ritterschlag – und zwar von Hergen Speckels höchstpersönlich. Der 2. Vorsitzende des TuS Elsfleth lobte Sascha Borkus für dessen Leistung als Schiedsrichter des Duells der Elsflether Reserve gegen die Berner Zweite. Borkus war kurzfristig eingesprungen, weil sich der ursprünglich vorgesehene Schiedsrichter eine falsche Anpfiffzeit notiert hatte. „Sascha hat wirklich sehr gut gepfiffen“, sagte Speckels. „Er hat ja eigentlich schon vor einiger Zeit aufgehört zu pfeifen. Aber ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn er wieder anfangen würde.“

In der Partie der Fußball-Kreisliga zwischen dem VfL Bad Zwischenahn und dem 1. FC Nordenham ging nach der Roten Karte für Zwischenahns Torhüter Kai Böseler ein Feldspieler im Tor. Tim Brunken zeigte zum Verdruss der Nordenhamer eine blitzsaubere Leistung. Doch es gibt auch Torhüter, die auf dem Feld glänzen. Ein gutes Beispiel ist Mathis von Atens. Der ehemalige Torhüter der ersten Mannschaft des TSV Abbehausen schoss beim 6:2-Sieg des vierten Teams der Grün-Gelben gegen den Blexer TB fünf Tore. Fünf! „Es lief ganz gut“, sagt er und lacht. „Ich hätte am Wochenende wohl auch Lotto spielen sollen.“ Wegen mehrerer Knieverletzungen hatte der 28-Jährige seine Laufbahn im Tor auf ambitioniertem Niveau beendet. „Die Verletzungen habe ich mir meistens dann zugezogen, wenn ich beim Herauslaufen mit einem Spieler zusammengeprallt bin“, sagt er. „In der Vierten spiele ich deshalb im Sturm.“ Als Torwart wandelte von Atens übrigens auf den Spuren des legendären Rudi Kargus, der in seiner Bundesliga-Laufbahn 23 Elfmeter gehalten hatte. „Meistens kann man am Anlauf erkennen, wo der Spieler hinschießt“, verrät von Atens sein Geheimnis. „Ich weiß aber nicht, ob das auch in der Bundesliga möglich ist.“ Von seiner Erfahrung profitieren jetzt seine Nachfolger – denn so ganz hat er sich noch nicht vom Abbehauser Bezirksliga-Team verabschiedet. „Ab und zu bin ich noch als Torwarttrainer beim Training der Ersten dabei“, sagt er. Und falls Coach Frank Meyer mal einen Knipser brauchen sollte – einfach mal den Elfmetertöter fragen. . .

N nicht nur im Fußballsport – auch im Handballsport präsentierten sich ehemalige Torhüter torhungrig: Sascha Klostermann warf für die Elsflether Reserve in der Regionsoberliga drei Tore, und eine Klasse tiefer war René Strahlmann von der HSG Blexer/TB Nordenham erst nach neun Treffern satt. Mahlzeit!

Im Dunkeln lässt sich’s munkeln. Aber Tischtennis spielen ist nicht drin. Das mussten die Spieler der TTG Lemwerder/Warfleth II und des Elsflether TB IV am Wochenende in einem Punktspiel der 2. Kreisklasse in der schmucken Ernst-Rodiek-Halle feststellen. Die gastgebende TTG befuhr die Siegerstraße im Höchsttempo und führte schon mit 6:2. Doch pünktlich um 22 Uhr war es in der Halle zappenduster. Die Hallenbeleuchtung war automatisch ausgeschaltet worden. Zum Leidwesen der Gastgeber fand sich niemand mehr, der wieder für Licht sorgen konnte. Und so fand die Partie ein abruptes Ende. Die Tische wurden abgebaut, die vier noch offenen Partien für die Gäste gewertet. Schade: Eine Partie bei Kerzenschein hätte dem Abend noch eine romantische Note geben können.

Läufer Yonas Abadi von der SG akquinet Lemwerder ließ es am Sonntag auf dem ersten Kilometer des 10-Kilometer-Rennens im Zuge der 13. Braker OLB-Hkk-Laufs nach den Worten seines Trainers Karl Spieler zunächst ruhiger angehen, ehe er auf Touren kam und dem Feld enteilte. Abadi siegte in 34:58 Minuten. „Für eine bessere Zeit fehlte mir ein Tempomacher“, sagte er. Zweitbester Läufer der Wesermarsch und drittschnellster Läufer der Gesamtwertung war Bastian Rohde (Premium Aerotec Nordenham) in 38:39 Minuten, obwohl er – man mag’s kaum glauben – mit angezogener Handbremse gelaufen sei, wie er auf seiner Facebook-Seite schreibt. Wohlgemerkt: Kurz zuvor hatte er im 5-Kilometer-Rennen in persönlicher Bestzeit (17:17 Minuten) Gesamtplatz zwei belegt. Der Mann ist fit.

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