München /Rodenkirchen Das sportliche Drama begann um 10 Uhr morgens. Schon im Vorkampf um die Deutsche Juniorinnen-Meisterschaft schossen die besten Wurfscheibenschützinnen im Trap bei tropischen Bedingungen: 33 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit – eine große Herausforderung für die Sportlerinnen. Die Entscheidung in München sollte am Sonnabend erst abends fallen. Gegen 18.30 Uhr. Im Stechen. Natürlich. Die beiden Finalistinnen mussten noch einmal alle Kräfte mobilisieren, sich ein letztes Mal konzentrieren. Als Bettina Vahldorf dann die zweite Scheibe verfehlte, stand fest: Die 20-jährige Rodenkircherin Christin Hilmer vom Jade Wurftaubenclub ist Deutsche Meisterin. Damit krönte sie eine bemerkenswerte Juniorinnenlaufbahn mit insgesamt drei Titeln und einer Vizemeisterschaft.

Grenzenloser Jubel

Christin Hilmer ist immer noch überglücklich. „Der Jubel kannte keine Grenzen“ – nicht nur bei ihr, sondern auch bei den mitgereisten Freunden und Familienangehörigen. Die Studentin der Wirtschaftsinformatik sprach von einem schönen Abschluss ihrer Laufbahn als Juniorin, zumal sie eine schwere und anstrengende Saison hinter sich gebracht habe.

Die Nervosität habe sich vor dem Finale in Grenzen gehalten, sagt sie. Ihre langjährige Erfahrung habe sich ausgezahlt. Erstmal stand sie in einem Finale Bettina Vahldorf gegenüber. Beide stehen im Bundeskader. Sie kennen sich schon lange und pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. „Trotz der Anspannung hat uns das Finale Spaß gemacht“, sagt Christin Hilmer. „Wir haben uns nichts geschenkt.“ Im ersten Durchgang hatten beide zwölf von 15 Scheiben getroffen. Dann folgte das Stechen.

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Noch vor wenigen Wochen hatte Christin Hilmer einen sportlichen Rückschlag verdauen müssen. Auf Bitten des Bundestrainers startete sie bei den Europameisterschaften im italienischen Lonato in der Damenklasse. Ursprünglich hätte sie in der Juniorinnenklasse antreten sollen.

Aber weil eine Schützin abgesagt hatte, bat er die erfahrenste Juniorin, den freigewordenen Kaderplatz einzunehmen. Christin Hilmer entsprach dem Wunsch ihres Trainers. „Mir war von Anfang an bewusst, dass ich damit auf eine Finalteilnahme verzichten würde, weil das Niveau bei den Damen doch um einiges höher ist.“ Aber an erster Stelle steht die Mannschaft.

Große Enttäuschung

Das Ergebnis sei für sie dann eine große Enttäuschung gewesen, sagt sie. Platz 30 mit 58 Scheiben. „Es passte einfach alles nicht zusammen.“ Erklären könne sie sich das nicht. In der unmittelbaren Vorbereitung in Italien seien die Ergebnisse noch vielversprechend gewesen. Bezeichnend: Sarah Bindrich war für sie in den Juniorinnen-Kader gerutscht – und holte Silber.

Doch Christin Hilmer erholte sich schnell. Schon im Endkampf der Jugendverbandsrunde stellte sie wenige Tage später in München mit 112 von 125 Scheiben eine persönliche Bestleistung auf. Obwohl sie studienbedingt anschließend kaum trainieren konnte, konservierte sie ihre Form und bejubelte zwei Wochen später den Gewinn i der Deutschen Meisterschaft.

  Vom 12. bis zum 18. September nimmt Christin Hilmer an den Studierenden-Weltmeisterschaften im polnischen Bydgoszcz teil.

Wolfgang Grave Lokalsport / Redaktion Nordenham
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