Brake Mensch-Ärger-Dich, Playstation oder Mau-Mau sehen gegen dieses Spiel alt aus. Obwohl die „Reise ins Seebad“ mit Abstand die meisten Jahre auf dem Buckel hat – entstand der Neuruppiner Bilderbogen um das Jahr 1835 – kann das „Brettspiel“ auch in der heutigen Zeit noch überzeugen, wie ein Testspiel im Haus Borgstede & Becker an der Breiten Straße zeigte.

Anlass für das Spiel ist die Sonderausstellung im Museum unter dem Thema „Sommerfrische – Ein Freizeitvergnügen im Wandel der Zeiten“, die derzeit mit großformatigen Postkarten und Urlaubserinnerungen aus alten Zeiten die Sonderfläche im Museum schmückt. „Auf der Suche nach Stücken für die Sonderausstellung hat mich Reiner Tiesler auf den Bogen aufmerksam gemacht. Er lag bei ihm Zuhause in Rodenkirchen. Und da dachte ich, dass Spiel müssen die Besucher auch wirklich spielen können – so haben wir es vergrößert“, erläutert Sabine Röben-Nonnast. Aber mit der Vergrößerung des Spielfeldes war die Arbeit noch nicht getan.

Denn da das Spiel wahrscheinlich um das Jahr 1835 entstand, ist die neben das Spielfeld gedruckte Spielanleitung nicht für jedermann zu verstehen. „Durch die Arbeit im Museum kenne ich mich mit der Altdeutschen Schrift aus. Nirgendwo stand jedoch, für wie viele Personen das Spiel gedacht ist und wie viele Würfel benötigt werden“, so Röben-Nonnast. Deswegen hat sie sich überlegt, dass Spiel auf sechs Personen zu begrenzen und mit einem Würfel zu spielen.

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„Beim Bilderbogen waren keine Spielsteine dabei. Weil es um 1835 gedruckt wurde, spielen wir es mit Steinen“, erläutert Röben-Nonnast. Wir spielen zu dritt – Röben-Nonnast und Heinrich Wedemeyer wollen sich mit mir „anlegen“ – und platzieren unsere Steine am Startpunkt (NO). Wir bekommen fünf Geldmarken – denn neben dem schnellsten Weg nach Norderney ins Seebad geht es auch um die meisten „Chips“ in der Kasse.

Los geht’s also mit dem Würfeln. Ich würfele eine Drei, muss laut Spielanleitung – die Sabine Röben-Nonnast für alle verständlich zu Papier gebracht hat – eine Droschke, also eine Pferdekutsche, nehmen und zwei Mark in die Kasse zahlen. In der nächsten Runde lande ich auf keinem Aktionsfeld, auf der 12 bleibe ich wieder stehen.

Dort blicke ich Tümlern entgegen. Die gehören zur Art der Delfine und bringen mich noch einmal so weit, wie ich gerade gewürfelt habe. Mit so großen Schritten kann es weiter gehen – denke ich noch grinsend, ehe mir das Lachen beim nächsten Spielzug vergeht. Denn auf Spielfeld 15 falle ich in die Weser und muss nach der Taufe wieder zurück an den Start.

Ich fühle mich an Monopoly erinnert – nur, dass ich keine 200 Euro bei Los einziehen darf. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, hänge mich an die Fersen meiner Mitstreiter. Die gelangen so langsam über Braake (kein Schreibfehler, damals wurde die Stadt wirklich so geschrieben), Elsfleth und Bremerhaven in die Nähe des Seebades. Aber da auch sie mal das Spielpech erwischt – Rast in einem Wirtshaus bedeutet einmal aussetzen oder auch „Strafzahlungen“ für Kahn und Wagen oder für ein Rettungsmanöver – kann ich bald wieder aufschließen.

Dann geht es ganz schnell. Denn als Sabine Röben-Nonnast auf dem Feld 62 landet, steigen meine Siegeschancen. Dort heißt es „Wer auf eine weiße Düne steigt, erhält den dritten Teil der Kasse, spielt aber diesmal nicht mehr weiter, weil er heute erschöpft ist, um weiter zu spielen“. So steckt eine Mitspielerin fest. Heinrich Wedemeyer und ich müssen uns auf dem letzten Feld mit der Nummer 63 sammeln. Jetzt geht’s darum, einen Pasch zu würfeln – was Wedemeyer beim ersten Wurf gelingt. So gehe ich leer aus – Spaß und ein Gefühl von anno dazumal sind aber viel mehr Wert als der Sieg.

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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