Brake „Viel zu alt“ lautete das Urteil der Marine, als Heinz Karsch nach Jahren als Fachlehrer 1986 den Wunsch äußerte, wieder zur See zu fahren. Der von vielen Dienstjahren auf Tendern, Fregatten und Minentransportbooten erfahrene Seemann drehte sich um und wollte gerade das Büro verlassen, als ein Satz fiel, der sein Leben verändern sollte. „Da wäre doch was frei. Auf der Gorch Fock. Wäre allerdings eine Weltreise“, rezitiert Heinz Karsch heute seinen damaligen Vorgesetzten.

Einmal um die Welt

Eine Absprache mit seiner Familie folgte, dann begann die 76. Auslands-Ausbildungsreise des deutschen Dreimasters Gorch Fock. Von Kiel ging es zu den kanarischen Inseln, in die Karibik, durch den Panamakanal zum Pazifik. Die nächsten Ziele waren Mexiko, Kalifornien und Hawaii. „Wir wurden mit Blumenketten begrüßt“, erinnert sich Heinz Karsch. Nach Neuseeland wurde Sydney in Australien angesteuert. „Dort war die 200-Jahr Feier der Stadt.“ Segler aus aller Welt seien in die Seestadt gekommen und unter der berühmten Harbour Bridge hindurch gesegelt. Auf einem Kriegsschiff vor dem einprägsamen Opernhaus nahmen Prinz Charles und Prinzessin Diana die eindrucksvolle Parade ab.

Auch Probleme auf dem im Jahr 1958 fertig gestellten Schiff blieben nicht aus. „Vor dem indischen Ozean hatten wir einen Wassereinbruch im Maschinenraum. 220 Leute an Bord hatten keinen Strom mehr.“ Alle vier Generatoren und der Hilfsdiesel seien außer Funktion gewesen. Glück im Unglück, denn noch hatte der Segler den australischen Hafen Fremantle nicht verlassen. „Wäre uns das auf dem offenen Ozean passiert, wären wir hilflos gewesen“, ist Heinz Karsch überzeugt.

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Später sei dem Schiff dann fast der Treibstoff ausgegangen, da ihren großen Segeln der nötige Wind fehlte und nur die Maschine für Fahrt sorgte. „Wir kamen mit dem letzten Rest in den Hafen.“ Meistens segele die Gorch Fock mit Unterstützung ihres Motors.

Es gab weitere Pannen, und wieder hatte die Besatzung Glück: Als die Gorch Fock am 1. Mai den Suez-Kanal passierte, zischte es aus einem Zylinderkopf, ein Bolzen war gebrochen. Glücklicherweise hing der Großsegler bereits am Haken eines Schleppers. „Während wir geschleppt wurden, haben wir den Schaden repariert.“

Familie zu Besuch

Während der Reise traf er sich in verschiedenen Teilen der Welt mit seiner Familie. „Meine Frau hat mich auf Hawaii besucht, das war wirklich ein Erlebnis“, schwärmt Heinz Karsch auch heute noch. Seine Tochter habe ihn im australischen Melbourne besucht.

Das Leben an Bord sei hart gewesen. „Wir hatten immer zwischen 35 und 38 Grad Celsius in unseren Kabinen.“ Zwei Tage vor dem Einlaufen in einen Hafen, habe die Mannschaft jedes Mal das Schiff für Gäste und hohen Besuch auf Vordermann bringen müssen. Auch das Wetter habe der Besatzung so manchen Streich gespielt. „Im Indischen Ozean hatten wir zehn Meter hohe Wellen. Wir sind mit Sturmsegeln einfach durch sie durch gefahren. Die Gorch Fock ist ein wirklich seetüchtiges Schiff.“

Trotz der Enge an Bord schaffte es die Mannschaft, Heinz Karsch zu seinem 50. Geburtstag zu überraschen: „Sie haben mir eine große 50 aus Messing geschnitten.“

Im Oktober 1993, nach 20 Reisen und über 215 000 gesegelten Kilometern stand Heinz Karsch mit seiner Frau am Kai in Kiel. Er war nach 31 Jahren im Dienst der Marine und sieben Jahren auf der Gorch Fock pensioniert worden. „Das Schiff lief aus und ich musste an Land bleiben. Das ging mir an die Nieren.“

Es dauerte nicht lange, bis er wieder zur See fuhr. Als Bauaufseher wirkte er erst bei der Entstehung des Segelschiffs Lilly Marleen mit und segelte dann bis zum Jahr 2004 um die Welt. „Bis zu den Galapagosinseln! Das war ein Traum mit all den Tieren dort.“ Auch dann war noch nicht Schluss. „Einmal Seemann, immer Seemann. Bis heute fahre ich auf Fluss-Kreuzfahrtschiffen auf jedem europäischen Fluss“, betont der 72-Jährige. Bis heute halte er Kontakt zu einigen Kameraden und zum Schiff selbst, denn das besucht er von Zeit zu Zeit.

Sascha Sebastian Rühl Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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