NORDENHAM Ein sechsjähriges Mädchen spielt im Garten. Als Lisa Behme im Blumenbeet gräbt, stößt sie auf eine alte Truhe. Beim Öffnen fallen ihr vergilbte Seiten eines Briefes in die Hände. Kurz darauf ist Lisa Behme tot. Ein Unbekannter hat das Mädchen erstochen. Warum?

Spannung auf 190 Seiten

Diese Frage stellen sich auch die Kommissare Claßen und Backhaus in dem Erstlingswerk „Rosa Violata“ von Gaby Memenga, Jahrgang 1960, das im Schardt Verlag erschienen ist. Auf 190 Seiten ermittelt die 46-jährige Kommissarin Claßen Mitte der 90er-Jahre gleich in mehreren Mordfällen und kommt dabei einer rätselhaften und im verborgenen agierenden Gruppe auf die Schliche: der Rosa Violata.

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Das ermordete Mädchen hielt noch das Stück eines Abschiedsbriefes in ihren Händen. Die Zeilen stammten von Inge Sassen, die sich 1959 im Alten von 30 Jahren erhängt hatte. Dass der Mörder nicht aus dem Kreis der Sexualtäter stammt, ist den Ermittlern schnell bewusst. Und so folgen sie der einzigen Fährte, die Inge Sassen mit ihrem Abschiedsbrief gelegt hat. Und diese führt direkt in ein Kloster, in dem die Frau vor Jahren Zuflucht gesucht hatte.

In ihrem „Kloster-Roman“ knüpft die gebürtige Nordenhamerin Gaby Memenga ein ungewöhnliches Band von Schicksalen und Begebenheiten. Sie dringt dabei auch immer tiefer ein in das Weltbild der 50er-Jahre und offenbart dem Leser die Rolle der meisten Frauen damals: „Als Frau hatte man keine eigenen Bedürfnisse. Man gehorchte und durfte nicht negativ auffallen – und musste dem Mann seine sinnlichen Bedürfnisse erfüllen“, schreibt die Autorin. Der Einfluss des Dritten Reiches habe auch noch tief in diesen Frauen gesessen. So entwickelt sich die Suche nach dem Mörder der unschuldigen Lisa Behme zu einer sozial- und gesellschaftskritischen Analyse bis hinein in die Gegenwart. Auch vor Kirchenkritik schreckt Gaby Memenga nicht zurück.

Bei den Nonnen und Mönchen des Benediktinerordens treffen die Kommissare auf eine Wand des Schweigens. Es stellt sich rasch heraus, dass sich hinter den Mauern Abgründe auftun. Je weiter die Ermittler in den Fall eindringen, desto deutlicher tritt auch das Thema Homosexualität in den Vordergrund. Das gesamte Spannungsfeld aus Moral, Pflichterfüllung und unterdrückten Trieben ist der Nährboden für einen sensiblen, gebildeten sowie an Kunst und Kultur interessierten Mörder, der schließlich gefasst wird.

Lehrerin in Hildesheim

Nach ihren lateinischen Texten „Fabulae“, die bei MundusLatinus erschienen sind, widmet sich die Autorin nun dem Krimi-Genre. Gaby Memenga, die das Gymnasium Nordenham absolvierte und von 1980 bis 1987 in Göttingen Evangelische Religion und Latein studierte, empfindet die Schriftstellerei als Ausgleich zu ihrem Lehrberuf. Von 1990 bis 2008 unterrichtete sie Religion, Latein und Kunst an der Marienschule in Hildesheim. Seit 2008 arbeitet sie dort an der Robert-Bosch-Gesamtschule.

Der Kriminalroman ist im Schardt Verlag Oldenburg in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen. Er ist im Buchhandel unter ISBN 978-3-89841-437-1 erhältlich.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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