Blexen Schlagerstars wie Roy Black und Heino, Howard Carpendale, Vico Torriani und die Les Humphries Singers gaben sich im Tanzhaus Gallasch an der Deichstraße die Klinke in die Hand. „Blexen war wie ein Magnet“, erzählt Günter Schött, „sogar aus Bremerhaven kamen sie.“ Der heute 61-Jährige kellnerte damals bei Wilhelm und Dina Gallasch. Wenn er einmal frei hatte, traf er sich mit seiner Clique auch hier. „Schon am Abend standen die Leute Schlange. 400, 500, 600 wurden reingelassen, dann war Schluss.“ Am vergangenen Sonnabend um 19 Uhr war es genauso: Die Partygänger von einst standen wieder Schlange in Blexen.

Ruckzuck ausverkauft

Obwohl: Karten gab es schon seit Monaten nicht mehr. Ausverkauft! 2400 Anfragen hatte Rüdiger Gallasch, der Sohn von Wilhelm und Dina, bekommen, als er die Idee von einer Remember-Party öffentlich machte. Aber nur den ersten 450 durfte er, so die Vorschriften, den Zuschlag geben. Der Saal glühte, der Schweiß ran, laut war es und brabbelig – so wie früher in den 60ern und 70ern auch.

Und wieder stand einer der ganz Großen auf der Bühne, einer der Stars von damals: Gunter Gabriel. 75 Jahre ist er jetzt alt, „ein alter Sack“ inzwischen, wie er selbst sagte. Doch sein Temperament schien ungebrochen.

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„Einfach super!“, platzte es aus Claus Dörrbecker heraus. Als 18-Jähriger, da fuhr er noch zur See, hatte er keinen Abend an Land bei Gallasch ausgelassen. „Es war einfach toll, früher und auch heute“, sagte er. „Unglaublich, wie der mitreißt“, freute sich auch Helmut Frerichs über den Auftritt von Gunter Gabriel. Der ehemalige Leiter des Nordenhamer Gymnasiums gehörte zwar damals nicht zu den Partygängern, kennt den Musiktempel aber vom Abi-Ball 1971: „Die Schüler wollten es partout nicht spießig. Sie wollten nur feiern.“

Gunter Gabriel kam lässig rüber, ein Musiker zum Anfassen, er ließ die Jahre Revue passieren, plauderte aus dem Nähkästchen, von seiner Zeit als Volksschüler, seiner Lehrzeit, seiner ersten Liebe und anderen Frauengeschichten. Auch von den 80ern, als er „in der Scheiße“ war und im Wohnwagen lebte. Er lästerte über Künstlerkollegen und zollte anderen ebenso Respekt. Und er sang, gab alles: „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“, „Sag mir wo die Blumen sind“, „Der 30-Tonner-Diesel“, „Komm unter meine Decke“. Dazu viele Songs seines Freundes Johnny Cash, den er bis in der Tod hinein begleitet hatte.

Ulf Pankratz (46) ist Gabriel-Fan. Nein, er ist regelrecht vernarrt in die Country-Legende. Jedes Lied kann er mitsingen. Als Gunter Gabriel Ende der 70er mit der „Hitparade“ in Bremerhaven auftrat, war er dabei. Ebenso als Gabriel Anfang der 90er auf dem Nordenhamer Marktplatz sang. Und nun am Sonnabend natürlich wieder. Er stand ganz vorne, war so impulsiv, dass Gunter Gabriel plötzlich stockte. „Kennst du ’Ein Junge namens Susi‘?“, fragte er. Klar, kennt Ulf Pankratz den Song. Gunter Gabriel holte ihn auf die Bühne. Gemeinsam sangen sie. Ein fast perfektes Duo. Das Publikum tobte. Ein zweites Lied, ein drittes.

Dann kam auch noch Ulfs Bruder Jörg dazu. Zu dritt fuhren sie im „Intercity Linie Nr. 4“. Hatte Gunter Gabriel mit seinen Songs längst das Publikum für sich gewonnen, so punktete er jetzt noch einmal in Sachen Sympathie.

„Das war unsere Welt“

Die Remember-Party in der Alten Eiche war wie ein Paukenschlag. „Immer, wenn ich mit meiner Frau an dem Lokal vorbeikomme“, erzählte der Blexer Günter Schött, „denke ich an damals zurück. Das war unsere Welt, unsere Zeit.“

Jetzt war plötzlich noch einmal alles präsent. „So ‘ne Hütte wie hier ist das Geilste, was man sich vorstellen kann“, rief Gunter Gabriel in den Saal. Dennoch: Ein zweites Comeback wird es für ihn dort nicht geben, denn das baufällige Gasthaus wird abgerissen. Die Gemeinnützige Nordenhamer Siedlungsbaugesellschaft will dort Platz für Wohnhäuser schaffen. Vielleicht auch gut so: So bleibt die herrliche Erinnerung.

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