Nordenham Jede Schulwoche startet immer wieder mit Theater: Darren Kuck, Schüler der Oberschule 1 Nordenham, hat nichts anderes erwartet. Schließlich stand Theater als Erstwunsch auf seinem Meldezettel für die Wahlpflichtkurse. So findet er sich jeden Montag in den ersten beiden Stunden in der Aula der Schule ein, um Theatertexte zu lesen, zu analysieren und im szenischen Spiel umzusetzen.

Jetzt standen Darren und seine 21 Mitschüler des Wahlpflichtkurses Deutsch/Theater wieder vor Publikum auf der Bühne. Sie zeigten die Groteske „Liebe, Sex und andere Nichtigkeiten“ von Andreas Kroll. Für den 16-jährigen Darren war das keine ungewohnte Situation, spielte er doch bereits im vierten Stück seiner Schultheaterkarriere mit. Diesmal wieder eine Hauptrolle.

Die Herausforderung, große Rollen zu spielen, nimmt der Zehntklässler gern an. Im vergangenen Schuljahr spielte er Valerio aus Georg Büchners „Leonce und Lena“. Und ein Jahr zuvor war er als jähzornige Königin aus „Alice im Wunderland“ zu sehen. Das größte Problem ist für ihn das Auswendiglernen der Texte, doch mittlerweile hat Darren seinen eigenen Stil gefunden: Dreimal täglich nahm er sich das Textbuch vor, sprach seinen Text und ging dabei umher.

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Unterricht macht Spaß

Der Auftritt bereitet ihm weniger Angst. Anderen Mitschülern schlotterten hingegen schon mehr die Knie. „Warum habe ich bloß diesen Kursus gewählt?“ fragte Karim Zakaria, der am liebsten vor lauter Nervosität die Aufführung noch eine Stunde vor Publikumseinlass abgesagt hätte. Doch auch Karim ist kein Bühnenneuling. „Jedes Jahr habe ich wieder den Theaterkursus gewählt“, sagt er, denn der Unterricht im Theaterkursus habe einfach immer Spaß gemacht. „Aber auf die Aufführungen hab’ ich nie Lust.“ Sein Problem: das Lampenfieber.

Bevor ein Text spielbar wird, müssen die Schüler mehrere Stunden Vorarbeit leisten. Mit Wörterbüchern, Lexika und dem Internet erarbeiten sie sich die literarischen Werke. „Die Schüler erschließen sich die Texte hier nicht, um einen neuen Text zu schreiben“, sagt Deutschlehrer Torsten Lange, „sondern um die Stückinhalte auf der Bühne sichtbar zu machen“. Dieser Transfer motiviere die Schüler. „Das Spielen von dramatischen Texten hilft ihnen, auch andere Werke der Literatur erschließen zu können“, sagt Torsten Lange. In den „Trainingsphasen“, wenn noch kein Bühnenstück ausgesucht ist, werden auch Balladen von Heinrich Theodor Fontane (1819-1898) oder Gedichte von Heinz Erhardt (1909-1979) auf der Bühne lebendig. Theaterspielen fördere nicht nur die Fachkompetenzen in Deutsch, sondern bilde und stärke die Persönlichkeit der Schüler.

Kostüme und Technik

Zur Mitarbeit im Theaterkursus gehört neben dem Spielen auch die Ausarbeitung der eigenen Kostüme, Organisation von Requisiten, Mithilfe bei der Gestaltung der Kulisse und Bedienung der Technik. Im jüngsten Stück zeigten die Schüler einen Teil der Handlung in einem selbstgedrehten Video-Film, der von Schauspielern kommentiert wurde. Und Karim Zakaria hatte seinen Monolog mit einer Power-Point-Präsentation veranschaulicht.

Dann ist Schluss, der Vorhang fällt endgültig. Später werden Requisiten und Kostüme zurück in den Fundus gebracht, die Bühne für die Verabschiedungsfeier der Zehntklässler hergerichtet. Darren feiert seinen Erfolg, Karim ist vor allem erleichtert, Lehrer Torsten Lange stolz: „Ich hoffe, dass die Theaterkarriere einiger Schüler nicht beendet ist.“ Er wünscht sich, dass die jungen Theaterspieler bei den Laienspielgruppen der Dörfer unterkommen können oder einige vielleicht einmal auf der Bühne des Theater Fatale zu sehen sein werden.

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