Brake Festtage auf See: Wie sich diese Tage – eigentlich waren es immer nur ein paar Stunden – von 1958 bis ins Jahr 2000 gestalteten, darüber referierte der pensionierte Elsflether Kapitän Uwe Oden am Donnerstagabend im Haus Borgstede & Becker des Schiffahrtsmuseums in Brake (Breite Straße 9). Es wurde eine informative Reise in die Vergangenheit voller Details über Verhältnisse an Bord, wie man sie sich heute kaum noch vorstellen kann.

„Früher war mehr Lametta“ – das stand schon fest, als Oden zum Weihnachtsfest 1958 mit dem Frachter „Bernd Leonhardt“ vor der Stadt La Gueira in Venezuela auf Reede lag. Die Weihnachtsbäume waren schon in Rotterdam an Bord genommen worden, und der junge Uwe hatte die ehrenvolle Aufgabe, sie zwecks längerer Haltbarkeit täglich mit einer Pütz Wasser zu gießen. Gegen Abend lud der Kapitän die gesamte Crew zum Festessen ein – ohne große Begeisterung, wie Oden notierte. Das Menü: eine halbe Ente, eine Flasche Bier, eine kleine Flasche Rum und ein bunter Teller. Die Ansprache des Alten: „Warum feiern wir Weihnachten? Ich will es euch sagen: Weil wir selbst dran schuld sind!“ Punkt.

Rum für die Bowle

Gemütlicher wurde es bei der intimen Nachfeier im Mannschaftsraum: Mit dem Rum, einer Dose Ananas und Wasser wurde eine Bowle angesetzt. Erst stieg die Stimmung, dann bekamen einige aus der Crew ihren „Moralischen“, weil mal wieder keine Post von daheim gekommen war. Und aus Frust ging nach Mitternacht der Weihnachtsbaum über Bord.

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Man schrieb schon das Jahr 1960, als zum Fest immer noch keine Funkverbindung in die Heimat möglich war. Die „Bernd Leonhardt“ lag vor Morrisville nördlich von Philadelphia, und am Heiligen Abend wurde das Löschen von Erz für die zweistündige Weihnachtsfeier unterbrochen. Der Kapitän blies auf der Trompete einen Choral – und alle heulten. Oden: „Danach arbeiteten wir wieder die ganze Nacht in Eiseskälte ohne Pausen für eine Matrosenüberstunde von 1,65 D-Mark durch.“ Von der berühmten Sendung „Grüße an Bord“, die der NDR zum Weihnachtsfest ausstrahlte, bekamen die Seeleute in der Trampfahrt nichts mit.

Immerhin die karge Verpflegung an Bord änderte sich als Uwe Oden zur „Oldenburg-Portugiesische Dampfschiffs-Reederei“ wechselte. „Dort gab es das beste Essen, das ich jemals in der Seefahrt bekommen habe. Zum Beispiel jeden Morgen frisch gebackene Brötchen.“ Auch Weinflaschen waren nach dem Bunkern in südlichen Ländern reichlich an Bord – aber nur, damit die Crew nicht auf die Idee kam, die großen Weinfässer anzubohren.

Wenn Bananen oder Südfrüchte ohne Kühlung im Laderaum gestapelt waren, kamen oft „blinde Passagiere“ zum Vorschein. Oden: „Gegen Schlangen, Taranteln oder Skorpione hatten wir zu unserem Schutz immer eine Spritze mit einem Gegenmittel in der Hosentasche.“

Nichts als Routine

Letztlich sei das Weihnachtsfest an Bord stets der täglichen Routine unterworfen, berichtete Uwe Oden. Auf See ging die Crew ihren Wachen nach, Koch und Stewards kümmerten sich um das leibliche Wohl, und die für die Maschine zuständige Besatzung hielt unter Deck ihren Laden auf Vordermann. Heute kann sich Oden, der Pensionär, freuen. Heute ist mehr Lametta.

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