Waddens Bei der Premiere der plattdeutschen Komödie „Döör an Döör mit Alize“ wurde aus der französischen Kunst, das Leben zu genießen, also dem „savoir vivre“, kurzerhand das Sauf-aus-Fieber. Das war eine der vielen köstlichen Wortverdrehungen in dem schwungvollen Stück von Ernst Koch (plattdeutsche Übersetzung: Marieta Ahlers, Esenshamm). Die Aktiven vom „Theoter up Platt in Waddens“ landeten mit der Aufführung im voll besetzten Saal des Butjenters jedenfalls einen Volltreffer.

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Drei Türen, ein Schrank

Hans-Georg Schröder, der zusammen mit Ulla Schneider die Regie führte, begrüßte die Gäste „von Harden“, lobte das vorherige Buffet und erläuterte das liebevoll gestaltete Bühnenbild. Man sah einen Hausflur im ersten Stock eines Mietshauses, drei Türen, einen Schrank und eine Treppe nach unten, mehr brauchte es nicht für diesen Abend.

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Noch Sechs Mal geht der Vorhang auf

Abendvorstellungen bietet die plattdeutsche Theatergruppe im Waddenser Gasthaus Butjenter am 7., 14. und 21. Februar, also jeweils freitags, ab 19.30 Uhr. Ab 18 Uhr steht ein Buffet bereit.

Theaterkaffee gibt es an zwei Sonntagen: am 9. und 23. Februar. Einlass ist ab 14 Uhr, der Vorhang geht ab 15 Uhr auf.

Ein Theaterfrühstück steht am Sonntag, 16. Februar, auf dem Programmzettel. Serviert wird ab 9.30 Uhr, gespielt ab 11 Uhr.

Eintrittskarten hält das Gasthaus Butjenter bereit, das unter Telefon 04733/ 1634 zu erreichen ist. Der Grundpreis beträgt 8 Euro. Mit Frühstück oder Buffet kostet der Eintritt 21,50 Euro, mit Kaffee 13 Euro.

Imposant die Leistung der neun Akteure, die komplett unverstärkt mit ihren Stimmen auch in den hinteren Reihen des Saales perfekt zu verstehen waren – und das über 150 Minuten! Ungewöhnlich war, dass es keine dominante Hauptrolle gab, alle Charaktere waren gleichberechtigt und jeder hatte seine besonderen und durch die Bank komischen Momente.

Titelfigur Alize Strippenzieher, toll gespielt von Ulla Schneider, wollte wegen ihrer angeblich französischen Vorfahren Aah-liee-seeh ausgesprochen werden. Sie verkörperte das, was im Plattdeutschen eine Sludersnuut ist, also jemand, der zu allem seinen Senf zugeben muss und es dabei mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Sie verkleidete sich auch gerne, mal als männlicher Handwerker im Blaumann, mal als Putzfrau Fatma mit Migrationshintergrund.

Derbe Weisheiten

Das Ehepaar Friedhelm (Harald Düser) und Hermine Polter erfreute gleich zu Beginn des ersten Aktes mit teils derben Weisheiten (Ehe: Errare humanum est, also irren ist menschlich). Umwerfend komisch, wie Heike Antons als extremst dominante Hermine den armen Gatten zum Bügeln abordnete, dieser sich beide Hände verletzte und sich später dafür rächte. Friedhelm trank nämlich einen bis zehn über den Durst in Giovannis Pizzeria im Erdgeschoss.

Björn Schlemmer verstand es herrlich, diesen wortverdrehenden und zugleich mammahörigen (die Stimme aus dem Off) italienischen Pizzabäcker und Gigolo zu mimen. Welchen Ort meinte er wohl zum Beispiel mit „Ham in die Norden?“

Polters hatten aus finanziellen Gründen gleich zwei Untermieter parallel in nur einem Zimmer untergebracht. Psychologiestudentin Rosi wurde souverän von Simone Riesebieter verkörpert, ihr Spiel erinnerte oft an die junge Heidi Mahler vom Ohnsorg-Theater. Zweiter im Zimmer war Olaf Keiser als Bastian, diesmal nicht als Post-, sondern eher als Liebesbote, der extrem locker mit seinen männlichen Reizen kokettierte und (hellwach) unheimlich müde wirken konnte. Ob es zwischen den beiden im dritten Akt zum selbigen kam: ungewiss!

Kommissar Schaminski

Und dann war da noch Otto Neckritz als pensionierter und trotzdem in Liebesdingen erstaunlich aktiver Finanzbeamter Schimmelpfennig, der so schön laut schreiend ausrasten konnte. Die von ihm per Champagner angebaggerte Nora stellte Mareike Böker dar, die sich, zunächst topp angezogen, als Chloroformierte doch einiges gefallen lassen musste, sehr gekonnt! Letzter im Bunde war Kommissar Schaminski von der Kripo Waddens, locker gespielt von Bernd Bunjes, aber leider drogenabhängig, seine Droge war warmer Zwetschgenkuchen.

Am Ende der Aufführung belohnte reichlich Beifall und gemeinsames Fußtrampeln aller Zuschauer die Akteure für die Mühen ihrer Arbeit. Topuusterin Elke Böker musste kaum eingreifen. Angela Petz und Ina Bruns sorgten für die Maske, da war wegen der vielen Wechsel des Outfits massig zu tun.

Die eigentliche Handlung mit zahlreichen Verwicklungen bleibt hier natürlich unerwähnt. Es ist aber kein Geheimnis, dass es die eine oder andere Paarbildung gegen Ende gab. Wer also wissen möchte, was es mit der Abschussprämie für Rentner, der Tänzerin in der roten Latrine oder dem Überfall im Überall auf sich hat, dem sei eine der Aufführungen an den nächsten Wochenenden empfohlen.

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