Nordenham Musiklehrer Gottfried Borngräber, dachte, der Name „Sonnige Zeisige“ würde ganz gut zu den Jungs passen, die an seiner Schule musizierten. Vermutlich wären sie für immer zum Gespött ihrer Altersgenossen geworden, wenn sich der Pädagoge durchgesetzt hätte. Denn als „sonniger Zeisig“ konnte man in den 60er-Jahren keine Mädchen rumkriegen, geschweige denn die Musikfans vom Hocker hauen, die längst infiziert waren vom weltweit grassierenden Beat-Virus. So entschieden sich die Jungs für den Namen „The Savages“, was übersetzt so viel wie „Die Wilden“ bedeutet, und natürlich viel besser in die Zeit passte, die vom Aufruhr der Jugend gegen die Erwachsenen geprägt war.

Geschichten wie die von den Savages sind Teil der neuen Sonderausstellung, die an diesem Sonntag, 24. April, im Nordenham-Museum eröffnet wird. Unter dem Titel „H(e)artbeat“ geht es um die Nordenhamer Musikszene in den 60er-Jahren. Und die steckt voller Geschichten.

Die Ausstellung

„H(e)artbeat“ – Die Nordenhamer Musikszene der 60er“ wird an diesem Sonntag, 24. April, ab 12.30 Uhr im Nordenham-Museum an der Hansingstraße 18 eröffnet. Einen einführenden Vortrag zum Thema hält der Musealoge Dirk Karl. Für Musik sorgt die Gruppe Senior’s Wailing. Die Ausstellung ist bis zum 16. Oktober im Museum zu sehen. Die Öffnungszeiten: sind dienstags bis freitags und sonnabends von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10.30 bis 17 Uhr.

Die Beat-Mama

Da ist zum Beispiel die von Irmgard Jacobs, einer alleinerziehenden Mutter die mit ihren neun! Kindern an der Bernhardstraße lebte. Sie wurde auch liebevoll die Beat-Mama genannt. Und das hatte seinen Grund. Fast alle ihre Kinder machten Musik. Irmgard Jacobs förderte sie. Eine Selbstverständlichkeit war das damals nicht. Im Gegenteil: Viele Eltern schlugen entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie Beat-Musik hörten. „In Nordenham war das anders. Hier gab es Erwachsene, die die Musik ihrer Kinder unterstützt haben“, erzählt Museumsleiter Dr. Timothy Saunders.

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Eines der neun Jacobs-Kinder hieß Delf. Er gehört zu den wenigen Nordenhamern, die ihr Hobby später zur Profession machten. Delf Jacobs gehörte der Gruppe „Just Us“ an, vielleicht die Nordenhamer Band schlechthin in den 60ern. Zur Formation gehörten auch zwei Männer von der anderen Weserseite, die später mit der Band „Trio“ („Da, da, da“) Riesenerfolge feierten: Stephan Remmler und der inzwischen verstorbene Gert Kralle Krawinkel.

Nach den Worten von Timothy Saunders sind von den Anfängen bis zur Umsetzung der Ausstellung rund fünf Jahre ins Land gezogen. Mehrere Musealogen haben daran gearbeitet: Michael Sonnicksen, Dorothea Drischel und zuletzt Dirk Karl. Den größten Anteil hat der Nordenhamer Jürgen Lange. Er steuerte viele Kontakte, Fotos und verschiedene Exponate bei. Jürgen Lange ist ein Kenner der Szene. Er hat über viele Jahre Dokumente für ein Nordenhamer Rock-Lexikon im Internet zusammengetragen. Außerdem ist er selbst Musiker. Seine erste Band, die Anfang der 70er-Jahre an den Start ging, hieß Kwalm. Bei der Ausstellungseröffnung spielt er mit seiner aktuellen Blues-Band Senior’s Wailing.

Neuer Lebensstil

Zur Ausstellung gehören viele Fotos von Bands und von der musikbegeisterten Nordenhamer Jugend in den 60er-Jahren. Geübt wurde in Garagen, Kellern und Jugendclubs. Verrauchte Kneipen, klapprige Autos, provozierende Klamotten prägten den Lebensstil der jungen Leute. Und natürlich die Musik, mit der sich die Jugend bewusst von der Generation der Eltern und Großeltern absetzte.

Zu den Exponaten gehören auch alte Musikinstrumente, Gitarren, ein Schlagzeug, ein Keyboard, Verstärker, ein Mischpult und Zubehör – ein Wah-Wah-Pedal zum Beispiel – Fotos und Plakate. Außerdem hat Dirk Karl Interviews geführt mit Musikern und mit Musikfans aus der damaligen Zeit, die sich die Besucher mit Hilfe der Audio-Guides im Museum anhören können.

Einer der Interview-Partner ist übrigens Georg B. Miller, ebenfalls Mitglied der legendären Nordenhamer Band „Just Us“. Auch er hat eine Profi-Karriere eingeschlagen, spielte nach seiner Nordenhamer Zeit unter anderem bei den Rattles, also bei jener Band, die just an diesem Sonntag in der Friedeburg zu hören ist.

Festtag für Musikfans

Ab 18 Uhr spielen die Rattles zusammen mit The Lords in der Nordenhamer Stadthalle. Deutsche Musik-Ikonen im Doppelpack: Für Freunde der 60er-Jahre Beat- und Rockmusik könnte der nächste Sonntag somit zu einem echten Festtag werden.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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