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Einsatz An Der Berner Juliusplate
Mann verschwindet am Weserstrand – Großaufgebot sucht ihn

NORDENHAM Richard Willey ist es gewohnt, dass alles nach seiner Pfeife tanzt. Er ist der Prototyp des korrupten Politikers, aalglatt, durchtrieben bis in die wenigen Haarspitzen und um keine Lüge verlegen, wenn es darum geht, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Ausgerechnet Jane, die Sekretärin der Opposition, hat er im Schlepptau, als er seine Suite im Westminster Hotel betritt. Noch hat er die Hand lässig in der Hosentasche seines Nadelstreifenanzugs vergraben. Goldene Uhr, rote Krawatte, ein lüsterner Blick in Erwartung eines heißen Schäferstündchens. Das könnte ein gemütlicher Tag werden. Aber in der neuen Inszenierung von Theater Fatale geht’s alles andere als gemütlich zu.

Mehr als 100 Besucher erleben am Donnerstagabend die Premiere des Fatale-Stücks im ausverkauften Güterschuppen. „Außer Kontrolle“ heißt die britische Boulevard-Komödie aus der Feder von Ray Cooney. Und der Titel könnte ihren turbulenten Verlauf nicht treffender beschreiben. Das Publikum sieht ein bestens aufgelegtes Ensemble, spielfreudig bis zum überraschenden Ende. Und es sieht ein rasantes Stück, das alle Erwartungen an britischen Humor erfüllt. Es ist makaber, besticht durch eine stattliche Anzahl an mehr oder weniger schrägen Typen und – nicht unbedingt britisch – durch atemberaubendes Tempo. Außerdem gibt’s als Zuckerguss das „Kabarett der Konservativen“, Tango, Slapstick und Pantomime – völlig skurril und zum Brüllen komisch.

Detlef und Birgit Glückselig spielen das Pärchen, das in die Zwickmühle gerät, als hinter dem Vorhang eine Leiche (Harri Kühn) auftaucht. Einen Skandal kann sich Richard nicht leisten. Deshalb setzt er alle Hebel und vor allem seinen Sekretär in Bewegung, um die Leiche wegzuschaffen. George Pidgen (Rolf Wilkens) soll’s richten. Und damit kommt ein ganz schräger Vogel ins Spiel, ein Muttersöhnchen mit Hornbrille, ein verkrampftes Häufchen Elend, seinem krummen Gang zufolge offensichtlich von chronischer Notdurft gepeinigt. Rolf Wilkens spielt das klasse.

Und dann ist da Ronny, der geprellte Ehemann der Sekretärin. Was René Maréchal aus dieser Rolle herausholt, ist fantastisch. Ausgerechnet am Hosenbein seines Nebenbuhlers schnäuzt sich der weinerliche Waschlappen den Frust über die Untreue seiner Angetrauten aus der zorngeröteten Nase.

Rolf Wilkens und René Maréchal sind aber nur zwei Beispiele für die außergewöhnliche Leistung des gesamten Ensembles, das die Messlatte für Amateur-Theater in Nordenham wieder ein Stückchen höher gelegt hat. Das gilt für Richard und Jane. Das gilt für den stocksteifen Kellner (Olaf de Grave), der für seine Dienstleistungen auch Schecks akzeptiert. Das gilt für die Hotelmanagerin (Petra Koenitzer-Krüger) mit dem Charme einer telefonischen Zeitansage. Das gilt für Richards Ehefrau (Inge Hoppe), für Schwester Foster (Nicole Funk) und für die Leiche (Harri Kühn), die bis zum Schluss ein bemitleidenswertes Dasein zwischen Fensterbank, Rollstuhl und Kleiderschrank fristet.

Kein Wunder, dass bei einer solchen Ansammlung von Chaoten alles außer Kontrolle gerät. Selbst Richard behält im eigenen Lügen-Labyrinth nur mühsam die Übersicht. Nach zweieinhalb Stunden endet das pointengespickte Bühnenspektakel mit einer dicken Überraschung. Und das Premieren-Publikum verabschiedet die Fatalisten zu Recht mit donnerndem Applaus. Es hat einen vergnüglichen Abend erlebt mit Schauspielern, die die Arbeit mit dem Profi-Regisseur Vladimir Egorov offensichtlich zu Höchstleistungen angestachelt hat. Viel besser kann man’s nicht machen. Hut ab. Lediglich eine dramaturgische Verdichtung im zweiten Teil der Komödie hätte dem Stück vielleicht ganz gut zu Gesicht gestanden.

„Ausser Kontrolle“ noch 14-mal im Güterschuppen zu sehen

Hinter den Kulissen hatte das Fatale-Team alles unter Kontrolle. Dazu gehörten Vladimir Egorov (Regie), Marlis Heeren (Regieassistenz), Sabine Müller (Souffleuse), Uschi Wilkens (Souffleuse), Marlies Strauch (Inspizienz), Renate Repert (Inspizienz), Rita Lüddecke (Kostüme),

Fee Anthea Ricker (Maske), Vera Heinrich (Frisuren), Gudrun Repert (Technik), Sascha Gesierich (Technik), Sabine Lindemann (Bühnenbild), Axel de Grave (Bühnenbau), Reiner Kok (Bühnenbau), Susanne Kok (Bühnenbau) und Jörg Elzener (Bühnenbau).

Nach der Premiere ist das Stück noch 14-mal zu sehen. Aufführungen sind am Sonnabend, 22. September, Sonntag, 23. September, Donnerstag, 27. September, Freitag, 28. September, Sonnabend, 29. September, Donnerstag, 4. Oktober, Sonnabend, 6. Oktober, Sonntag, 7. Oktober, Donnerstag, 11. Oktober, Freitag, 12. Oktober, Sonnabend, 13. Oktober, Donnerstag, 25. Oktober, Sonnabend, 27. Oktober, sowie am Sonntag, 28. Oktober, jeweils ab 20 Uhr.

Karten gibt es im Vorverkauf bei NMT am Marktplatz.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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