Nordenham Der Vorsitzende des Rüstringer Heimatbundes, Hans-Rudolf Mengers, blickte in seiner Rede auf die Anfänge und die Geschichte des Vereins zurück. Er schaute aber ebenfalls nach vorne: „Ich bin guter Hoffnung, dass sich auch in Zukunft Frauen und Männer finden werden, die sich für die Ideale des Rüstringer Heimatbundes einsetzen wollen und diese große Gemeinschaft mit Leben erfüllen.“

Allmers vorne weg

Im Jahr 1891 hatten sich erstmals geschichts- und kulturinteressierte Bürger in Nordenham getroffen, um die Gründung eines Vereins zur „Förderung der Heimathkunde“ zu gründen. Treibende Kraft war der Marschendichter Hermann Allmers aus Rechtenfleth. Nach der erfolgreichen Werbung von Mitgliedern und der Errichtung eines Statuts fanden die ersten Wahlen am 6. April 1892 im Friesischen Hof statt. Das war die Geburtsstunde des „Rustringer Heimathbundes“. Zum Vorsitzenden wurde Christian Mengers aus Blexen ernannt.

Laut Hans-Rudolf Mengers hatte Hermann Allmers „ganz im Sinne des Volksbildungsgedankens“ das Ziel verfolgt, die Menschen mit den Eigentümlichkeiten ihrer Heimat vertraut zu machen. Hermann Allmers sprach sich dafür aus, dem Verein den Namen „Männer von der Friedeburg“ zu geben – in Anlehnung an die „Männer vom Morgenstern“ auf der anderen Weserseite. Doch die Gründungsväter einigten sich auf den Titel Rüstringer Heimatbund, um damit an den alten friesischen Gau Rüstringen zu erinnern.

Den Grundstein für das Archiv des Heimatbundes legte Hermann Allmers selbst, indem er dem jungen Verein einen prächtigen Schrank spendierte, der heute im Archivgebäude an der Schulstraße steht.

Der Heimatbund entwickelte sich positiv und hatte ein Jahr nach der Gründung 135 Mitglieder. 1914 waren es bereits 354.

Ein besonderes Ereignis in jener Zeit vor dem Ausbruch des l. Weltkrieges war die Errichtung des Friesen-Denkmals in Hartwarden und dessen Einweihung am 21. Mai 1914 in Anwesenheit des Großherzogs von Oldenburg und über 4000 Besuchern.

Infolge des Krieges sanken die Mitgliederzahlen; erst in den 1920er-Jahren ging es unter der Leitung des Vorsitzenden Heinrich Bulling wieder bergauf. In den Protokollen von damals wird ein vielseitiges Programm geschildert. Dazu gehörten Tanzabende, plattdeutsches Theater, Vorträge und Ausflüge.

Antrag abgelehnt

In den 1930er-Jahren reifte im Heimatbund die Idee, ein Museum einzurichten. Und zwar im Amtsgericht. Aber diesen Antrag lehnte das Staatsministerium in Oldenburg ab, weil die ins Auge gefassten Räume bereits dem Finanzamt zugesagt waren. Daher musste Nordenham noch Jahrzehnte auf ein heimatkundliches Museum warten.

Um Aufschluss über die Vereinstätigkeit in der Zeit der Nazi-Herrschaft zu bekommen, hat der Heimatbund 2016 den Historiker Dr. Joachim Tautz mit der Erforschung dieser Epoche beauftragt. Er will im Laufe dieses Jahres seine Arbeit abschließen und die Ergebnisse in einem Buch veröffentlichen. „Uns auf diese Weise mit unserer eigenen Geschichte zu befassen, ist sicherlich mutig“, sagte Hans-Rudolf Mengers. Nach dem 2. Weltkrieg sei es „mühsam gewesen, mit den alten, zum Teil auch belasteten Führungskräften, einen Neuanfang zu wagen“. Erst 1949 kam es laut Hans-Rudolf Mengers wieder zu geregelten Verhältnissen.

Ende der 1960er-Jahre geriet der Verein in schwieriges Fahrwasser. „Die Heimatbewegung hatte an Bedeutung verloren“, sagte Hans-Rudolf Mengers. So sei es ein Glücksfall gewesen, dass Enno Hansing 1973 als neuer Vorsitzender das Ruder in die Hand nahm und den Verein wieder auf Kurs brachte. 26 Jahre lang übte er das Amt aus. Enno Hansings erfolgreiche Arbeit spiegelte sich in den steigenden Mitgliederzahlen wider, die um 1992 die 1000er-Marke erreichten und am Ende seiner Zeit sogar die 1600 überschritten.

Museum und Mühle

Ein herausragende Ereignis war 1994 die Übernahme des Nordenham-Museums vom Museumsverein. Auch die Betreuung der Moorseer Mühle, für die der Heimatbund seit 1998 zuständig ist, gehört zu den wichtigsten Kapiteln der Vereinsgeschichte.

„Der Rüstringer Heimatbund ist sich über alle Zeitläufte hinweg seiner Devise ,Sammeln – Bewahren – Forschen – Verbreiten’ treu geblieben“, betonte der Vorsitzende. Daran solle sich auch in der Zukunft nichts ändern.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.