Nordenham „Mit den Beißerchen touchieren/ Könnt ich den Verstand verlieren“, verrät das Gedicht von Irene Ullrich-Leimbach. Was wie eine erotische Anleitung in Reimform daherkommt, offenbart seinen wahren Witz erst in den Schlussversen: „Übe Nachsicht, lieber Schatz/ Mit dem teuren Zahnersatz!“

Die Nordenhamerin, im Brotberuf Sozialarbeiterin im Sozialpsychiatrischen Dienst, gehört mittlerweile fast schon zum festen Autoren-Kern der im Rahmen der Berner Bücherwochen veröffentlichten Bücher. Diesmal ist sie mit mehreren Gedichten im neuen „Lesebuch für die Wesermarsch“ mit dem Titel „Liebes Geschichten“ vertreten, außerdem mit der Erzählung „Taugenichts“ im weltweit bestückten Band „untertan – Texte zur Zeit“.

Acht Vorleser

Wie weitere sieben Vorleser aus Nordenham und umzu trug sie jetzt einem konzentriert lauschenden und sichtlich erfreuten Publikum im Vortragssaal des Museums Nordenham Texte aus diesen Büchern vor.

„Hallo Nachbar! Die Wesermarsch liest vor“ lautete das Motto der Veranstaltung, zu deren Auftakt Hausherr Dr. Timothy Saunders den Autoren für die Bereicherung des kulturellen Lebens der Wesermarsch dankte.

Wie facettenreich diese Bereicherung wohl sein mag, davon vermittelten die vorgelesenen Texte den Gästen eine erste inspirierende Ahnung. Unter dem Titel „Ein jegliches hat seine Zeit“ erzählt Erika Huppert die Lebensgeschichte zweier alter Damen, die sich spät zu einer Lebenspartnerschaft verbinden.

Diese Geschichte, gab Bücherwochen-Organisator und Mitherausgeber Reinhard Rakow preis, diente ihm als Inspirationsquelle zu dem „Liebesgeschichten“-Projekt.

Mit der Erzählung „Erste Küsse“ beschwört Jürgen Plappert plastisch die Gefühlswirren eines Siebzehnjährigen herauf. Der 83-jährige Verfasser, zurzeit auf Teneriffa, ließ den Text durch seine Nachbarin Hannelore Fischer-Voigt vorlesen.

Humorig und wehleidig

Hans Wohlkopf und Willy Repnak, beide feste Größen in der Platt-Schriever-Szene, berichten in ihren Beiträgen up Platt teils humorig, teils wehmütig über „De Leewde mit Jule“ und „Verpasste Leewde“.

Ganz andere, kritische und nachdenkliche Töne schlägt Irene Ullrich-Leimbachs „Untertan“-Text an, mit dem sie sich einem Obdachlosen im Krankenhaus zuwendet.

Und die „Gedanken eines Junkies“, geschrieben und vorgelesen von Inge Debelts, springen in ihrer Eindringlichkeit den Zuhörer so unerwartet an, dass er erst einmal innehalten und durchatmen will.

Wie schön, dass das Wechselbad der literarischen Stile und der Gefühle wohlig endet! In den „Liebes Geschichten“-Gedichten von Irmgard Münnich geht es um die großen schönen Gefühle, kunstvoll augenzwinkernd in Reime gefasst wie „Ist doch im großen Weltgetriebe/ Das Schönste die Primanerliebe“.

Langer Applaus. Alle freuen sich und gehen nach zwei Stunden erfüllt und beschwingt nach Hause.

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