FRIEDRICH-AUGUST-HüTTE Gut aufgelegte Darsteller, das vielleicht schönste Bühnenbild in der Geschichte der Plattdüütschen und ein vergnügtes Publikum: Die Premiere der Komödie „Allens echt, Fro Sperling?“ am Donnerstagabend im Kasino Friedrich-August-Hütte bietet den rund 70 Besuchern allerbeste Unterhaltung, so wie es die Freunde des plattdeutschen Theaters von der Niederdeutschen Bühne Nordenham gewohnt sind. Horst Pillau, der Autor des Stücks, hätte sicherlich seinen Spaß an der Aufführung gehabt. Aber er musste wegen einer Krankheit seinen angekündigten Besuch absagen.

Bühnenbild ein Juwel

Das Kasino haben die Plattdüütschen in den vergangenen Jahren zu einem echten Schmuckstück herausgeputzt. Auch das Bühnenbild ist diesmal ein Juwel. Die Handlung spielt im Antiquitätenladen von Clara Sperling (Heidi Winter). Und hier findet sich alles, was das Sammlerherz höher schlagen lässt. Ein Grammophon, alte Leuchten, eine Standuhr, ein Waschbrett, alte Bücher und Schallplatten, eine Kaffeemühle, ein Röhrenradio und mittendrin in diesem Sammelsurium ein Bild, das das Interesse eines zwielichtigen Kunden weckt. Karl-Heinz Heilig (Reiner Böning) inspiziert es ganz genau. Handelt es sich hier etwa um einen echten Spitzweg? Er sei im Auftrag eines Hoteliers namens Erich Übelacker (Gerd Hantke) unterwegs. Auch Clara Sperling merkt, dass dieser Heilig reichlich unheilig daherkommt. Aber bei einem Angebot von 30 000 Euro kann sie nicht Nein sagen. Sie lässt sich auf den Deal ein. Und wittert dann noch größere Geschäfte. Dieses Tintenfass könnte doch der gute alte Goethe benutzt haben, als er „Die Glocke“ schrieb (in der Literaturgeschichte kennt sich Clara nicht so gut aus). Und dieses Vertiko – könnten es nicht aus dem Besitz der Wallensteins stammen? „Wichtig is, wat de Lüü denken doat“, sagt sich Clara.

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Aber plötzlich hat sie jede Menge Ärger am Hals. Denn da steht dieser Übelacker in der Tür. Sein „Guten Tag“ klingt wie ein Pistolenschuss, abgefeuert aus einem kantigen, zornesroten Gesicht. Er fühlt sich betrogen, will sein Geld zurück. Clara Sperling steckt in der Bredouille. Hätte sie doch auf ihren Mann Alexander (Rolf Warnke) gehört. Der hatte von Anfang an kein gutes Gefühl bei der Sache. Ein Teil des Geldes ist schon futsch. Clara hat es ihrer Tochter Helga (Christina Eilers) zugesteckt, die nicht nur chronisch pleite ist, sondern auch einen Dauerzoff mit ihrem Ehemann Werner (Pasquale Schulz) austrägt.

Humor zum Schmunzeln

Ob es der guten Fro Sperling gelingt, aus dieser Zwickmühle wieder herauszukommen, sollten sich die Theaterfreunde nicht entgehen lassen. Das Publikum bekommt zwar kein Pointen-Feuerwerk geboten, aber viel Gelegenheit zum Schmunzeln und eine tadellose Schauspieler-Riege, die dem Stück unter der Regie von Jürgen Reiners Leben einhaucht und den Zuschauer bis zum Schluss bei der Stange hält. Nach zwei Stunden können die Darsteller ihren verdienten Applaus genießen.

Seine Bühnenpremiere feiert übrigens Pasquale Schulz, der bis vor wenigen Wochen noch kein Wort Plattdeutsch konnte. Davon ist bei der Aufführung aber nichts zu merken. Der Theater-Neuling, den Musikfreude als Sänger der Gruppe Golden Erection kennen, empfiehlt sich in beeindruckender Weise für weitere Aufgaben.

Hinter den Kulissen des Theaterstücks waren und sind im Einsatz: Jürgen Reiners (Regie), Traute Funk (Regieassistenz), Elke Puhl (Inspizienz), Edith Dirksen (Souffleuse), Angelika Fensch, Sylke Rautzenberg und Sonja Bieber (Maske und Frisuren), Georg Modersitzki, Alexander Cleve, Manfred Scherotzki, Werner Scholz und Gerold Heinen (Bühnenbau), Georg Modersitzki und Manfred Scherotzki (Bühnenmalerei), Almut Kowalski und Elke Puhl (Kostüme und Requisite) sowie Detlef Jansen und Kevin Heimbucher (Technik und Beleuchtung).

Weitere Aufführungen sind am 13., 14., 15., 20., 21. und 22. Oktober jeweils ab 20 Uhr sowie am 8., 9. und 16. Oktober jeweils ab 15 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf in der Geschäftsstelle der Nordwest-Zeitung an der Bahnhofstraße 31.

zeigt einen Beitrag unter http://www.NWZonline.de/nwztv

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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