Elsfleth Wir befinden uns 1960 im Dezember mit dem Schiff „Bernd Leonhardt“, vollbeladen mit Erz von Puerto Ordaz in Venezuela, auf dem Weg nach Morrisville oberhalb Philadelphia. Am frühen Morgen des 24. Dezember haben wir auf meiner 12-04 Wache den Flusslotsen bei Cape May an Bord genommen.

Dann geht es den engen Fluss aufwärts zum Löschhafen. Gegen 16 Uhr haben wir das Schiff fest gemacht; kaum sind unsere Laderäume geöffnet, geht auch schon das Gepolter der riesigen Löschkräne los. Ein Greifer holt mit jedem Arbeitsgang 16 Tonnen Erz aus den Luken.

Zwei Stunden Pause

Die Decks-Besatzung ist pausenlos im Einsatz. Um 18 Uhr wird der Löschprozess für zwei Stunden unterbrochen, um der Besatzung die Gelegenheit zur Weihnachtsfeier zu geben. In Windeseile tauschen wir die verdreckte Arbeitskleidung gegen frische Jeans und Hemden. Die gesamte Mannschaft versammelt sich in der Offiziersmesse. Der Kapitän liest das Weihnachtstelegramm der Reederei und des Bundeskanzlers vor. Die Funk-Weihnachtsausgabe des Hamburger Abendblattes, aufgenommen und getippt von Funkoffizier Lammla, wird neben der Weihnachtspost ausgelegt.

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An jedem Sitzplatz steht der bekannte deutsche Weihnachtspappteller gefüllt mit Nüssen, Keksen, Zigaretten und einer kleinen 1/8-Liter-Flasche Rum. Nun sind alle gespannt auf die Weihnachtsansprache unseres Kapitäns. Ein Seufzer und dann: „Liebe Kameraden – warum feiern wir Weihnachten auf See? Ich will es euch verraten. Weil wir selbst daran schuld sind. Frohe Weihnacht!“

Jetzt wird das Weihnachtsessen aufgefahren. Jeder bekommt eine halbe Ente, Bratkartoffeln und Rotkohl satt. Pünktlich um 20 Uhr geht das Gerummel wieder los, aber da sind wir schon längst an Deck, denn es heißt „Turn to for all Hands on Deck“ – der Überstundenbefehl.

Am frühen Morgen des 25. dann Auslaufen nach Norfolk, um Kohlen für Savona (Italien) zu laden. Nun geht es richtig rund. Raumfegen. Die Decksbesatzung wird von „Freiwilligen“ der Maschinencrew, die eine entsprechende Anordnung ihres Vorgesetzten erhalten haben, verstärkt.

Nacht durcharbeiten

Die Matrosen Eike Erhard und Erich Wiese stehen in der Eiseskälte auf dem windigen Winschendeck und hieven den Dreck aus den Luken, den wir aus allen Ecken zusammengefegt haben.

Wir arbeiten die ganze Nacht. Sammeln das Resterz ein, fegen es zu großen Haufen zusammen. Mit dem Ladegeschirr wird der Kram an Deck gehievt. Dort steht, eingemummelt in dicken Klamotten, unser ewig gut gelaunter Uralt-Bootsmann Albert Tuschinsky, kommandiert die Windenbedienung und sorgt dafür, dass alles reibungslos läuft. Wenn wir in Norfolk ankommen, müssen die Laderäume besenrein sein, ansonsten können wir keine Kohle laden. Deshalb geht es für die „Tagelöhner“ die ganze Nacht bis zum Mittag durch. Überstunden für 1,65 DM satt.

Kaum sind wir um 21 Uhr am ersten Feiertag in Norfolk angekommen, beginnt sofort die Beladung. Vor einer riesigen Schütte hat das Schiff festgemacht. Von den Kohleeisenbahnwagen wird die Kohle in die Beladungsvorrichtung gekippt. Das Schiff wird mit Leinen von Land vor der Schütte hin und her gezogen, um eine gleichmäßige Beladung zu gewährleisten.

Um Mitternacht ist die Ladung komplett an Bord, die Luken werden geschlossen, das Ladegeschirr seeklar gemacht. Um 1 Uhr des zweiten Feiertages verlassen wir Norfolk und erreichen um 4 Uhr die freie Hohe See mit Kurs auf das Mittelmeer.

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