Elsfleth 31. Dezember 1961, vormittags: Mit „J.H. Jonas“ sind wir nach der Entlöschung in Papenburg nunmehr im Kiel-Kanal auf der Reise nach Danzig, um dort Kohlen für Finnland zu laden.

Gegen Mittag aus der Schleuse in Kiel-Holtenau ausgelaufen. Nach kurzer Fahrt haben wir an der Privatkaje von „Hermann Tiessen“ festgemacht. Die Firma Hermann Tiessen ist schlechthin eine der am häufigsten angelaufenen Ausrüstungsfirmen für die Küstenschifffahrt und eine praktische Anlaufstelle für Schiffe, die den Kiel-Kanal passieren. Es gibt alles, was Seeschiffe und ihre Besatzungen so brauchen.

Nun zu Silvester ist die Kaje schon voll belegt mit Schiffen, so dass wir am Westende bei einem anderen Kümo anlegen müssen. Unsere Ausrüstung sollen wir am 2. Januar bekommen. Wir haben also jede Menge Zeit und für die Besatzung ergibt sich die Gelegenheit, über Neujahr nach Hause zu reisen.

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Decksmann an Bord

Diesmal bleiben Decksmann Klaus und ich an Bord. An dieser Kaje ist ein ständiges Kommen und Gehen, aber wir sollten so liegen bleiben können. Das haben wir dem Kapitän versprochen.

Um Mitternacht sind Klaus und ich im Ruderhaus und erfreuen uns an dem mitternächtlichen Spektakel des Kieler Hafens. Wir lassen auch unser Typhon zur Begrüßung des neuen Jahres erklingen.

Am Vormittag des 1. Januar wollen Klaus und ich uns gerade die Beine vertreten, als ein Angestellter von Tiessen uns mitteilt, wir müssten sofort an das inzwischen frei gewordene Ostende der Pier verholen, weil bald ein Kümo zum Bunkern (Übernahme von Dieseltreibstoff) käme. Tiessen hat zwar auch ein Bunkerboot, aber das ist unterwegs und deswegen braucht der Ankommer den Platz an der Pier.

Alles kein Problem

Wir sagen dem guten Mann, wir seien nur zu zweit an Bord und könnten demzufolge nicht verholen. Aber das ist, wie alles für Tiessen, überhaupt kein Problem. Schnell sind vier Angestellte aus dem Tag und Nacht besetzten Büro zur Stelle. Wir werfen alle Leinen los, ich gebe mit der Maschine einen kleinen Schlag rückwärts, um das Schiff zum Laufen zu bringen, und die Motorbarkasse von Tiessen drückt uns an die Pier. Nach 30 Minuten ist alles vergessen. Der Kümo, bei dem wir vorher längsseit lagen, kann nun auch seinen Liegeplatz verlassen und verholt an unsere Backbordseite.

Kapitän Erich Jonas staunt nicht schlecht, als er in dunkler Nacht des 2. Januars sein Schiff am Westende vermisst und dann am Ostende fündig wird. „Mann, das habt ihr prima hingekriegt“, lobt er uns beim Frühstück.

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