NORDENHAM Publikumsliebling ist Lanz. Sein Hund ist ein Feudel.

von klaus turmann NORDENHAM - William Shakespeares „Zwei Herren aus Verona“ hat jetzt in der „Friedeburg“ die neue Theatersaison eröffnet. In der Bühnenfassung von Thomas Weber-Schallauer präsentierte die Bremer Shakespeare-Company die Tragikomödie als unterhaltsame Veranstaltung, in der die Nebenrollen den Hauptdarstellern den Rang abliefen.

Letztere sind Proteus (Christoph Jacobi) und Valentin (Sandro Costantini), Jugendfreunde aus Verona, die sich trennen, weil Valentin nach Mailand aufbricht, um seinen Horizont zu erweitern, und Proteus zu Hause bleiben möchte – aus Liebe zu Julia (Susanne Höhne). Von diesem Ausgangspunkt beginnt das „mingle-mangle“, das chaotische Durcheinander. Der Bildungsreisende verliebt sich in Silvia (Susanne Plassmann), während der Verliebte von seinem Vater auf Reisen geschickt wird.

Bei seinem Freund in Mailand angekommen, verfällt er sofort auch Silvia, verrät ehemalige Geliebte und Freund zugleich und sorgt durch Intrigen dafür, dass Valentin aus der Stadt gejagt wird.

Doch es kommt noch besser: Dieser Verbannte wird zum Hauptmann einer Räuberschar, in deren Fänge er im Wald gerät. Julia folgt ihrem Geliebten in Männerkleidern nach Mailand, wird Zeugin seines Verrats und doch am Ende wieder „die Seine“.

Der Herzog (Peter Lüchinger), Silvias Vater, akzeptiert – nach einer Verfolgungsjagd durch den Wald – doch Valentin als Schwiegersohn, rehabilitiert die Räuber und trägt zum happy ending bei.

Diese recht wirre Geschichte lässt im Wechsel von Liebe und Verrat nur gelegentlich bewegende Gefühle zu, etwa die Verletzung der Frauen durch den rücksichtslos selbstsüchtigen Proteus, der sich selbst für einen Romantiker hält. Aber sie lässt den Nebenfiguren Raum, das Publikum aufs Feinste zu unterhalten.

Da ist zunächst Lucenzio (ebenfalls Sandro Costantini), der gewitzte und kluge Diener Julias, der deren Wortwitz und scharfe Zunge ebenbürtig ist, ohne seine Stellung zu riskieren. Oder – recht spät in der Handlung – der Ritter Eglamour (Christoph Jacobi), dessen dramatische Aufgabe die Rettung Silvias aus dem Haus des Vaters ist.

In einem Kostüm mit grünem Schottenkaro erscheint er mit Tablett und Teegeschirr und lässt sich durch Silvias erregten Bericht überhaupt nicht von seinen biscuits abbringen. Er pflegt einen feinen „englischen“ Akzent und bewegt sich steif und förmlich als lebende Karikatur.

Toll ist der Auftritt der Räuberbande: es gibt sie als Puppen mit hanseatischem, hessischem und Ruhrpottakzent, und niemand fragt sich allzu ernsthaft, warum sie im Stück überhaupt auftauchen.

Klasse ist Fräulein Schnell (Susanne Höhne), leicht rosalastig gekleidet, mit rosafarbenem Einkaufswagen. Pfeilschnelle Zunge, heftige Bewegungen und – wie die meisten der „Kleinen“ – mit messerscharfem Verstand, rast sie über die Bühne als Valentins Dienerin.

Publikumsliebling ist allerdings eindeutig Lanz (Peter Lüchinger), der tumbe Diener Proteus’. Mit Schweizer Langsamkeit analysiert er die Welt so, dass herauskommt, was er sehen will. Als köstliche Slapstickeinlage liest er Fräulein Schnell Kontaktanzeigen aus der Zeitung vor, dabei alle Abkürzungen als solche intonierend.

Sein ständiger Begleiter ist der Hund Crap. Der tut nicht viel, bewegt sich wenig und gibt auch keinen Laut von sich: es handelt sich, wie das Publikum unschwer erkennen kann, um einen Feudel, an dem die Leine mit Wäscheklammern befestigt ist. Im Dialog mit ihm gewinnt Lanz die Herzen des Publikums im Sturm.

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