Fedderwardersiel Es war ein guter Morgen für Dirk Ostendorf. 200 Kilo Krabben hat der Fedderwardersieler Fischer mit seinem Kutter „Seestern“ aus der Außenweser geholt. Das ist erheblich wenig als in richtig guten Jahren, aber immerhin doch mehr als in den vergangenen Wochen. Krabben sind zurzeit Mangelwaren; nur ganz allmählich scheinen sich die Bestände zu erholen. Zum Glück wollen vor allem Touristen trotz der gesalzenen Preise, die ein Rekordniveau erreicht haben, auf die Nordsee-Delikatesse nicht verzichten.

7 Euro fürs Pfund

Die „Seestern“ hat am Freitagvormittag gerade erst im Fedderwardersieler Hafen festgemacht, da bildet sich vor dem Kutter auch schon eine Menschentraube. Viele wollen nur gucken, während Dirk Ostendorf die Kisten mit fangfrischen Krabben an Deck hievt. Etliche Feriengäste zücken aber auch die Geldbörse. 7 Euro nimmt Dirk Ostendorf für das Pfund Krabben. Das ist kein Schnäppchenpreis. Doch die Urlauber greifen trotzdem zu. Und mit weniger würde Dirk Ostendorf angesichts der geringen Fangmengen auch nicht hinkommen.

Nach Auskunft von Dirk Sander, Geschäftsführer und Pressesprecher der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer in Cuxhaven, war bereits 2016 ein schlechtes Jahr. Die rund 100 Fischer, die der Erzeugergemeinschaft angeschlossen sind – darunter auch die Fedderwardersieler Kutter-Kapitäne – hatten im vergangenen Jahr zusammen 3000 Tonnen Krabben gefangen. 2015 war es noch die doppelte Menge gewesen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Schuld ist der Wittling

Schuld an den drastisch zurückgegangenen Krabbenbeständen ist laut Dirk Sander der Wittling. Die dorschartigen Fische haben sich stark vermehrt. Und sie fressen die Krabben weg, ehe sie groß genug sind, um den Fischern in die Netze zu gehen. Der Rest ist das kleine Einmaleins der Ökonomie: Wenn die Fangmenge sinkt, steigt der Preis. Nur so können die Fischer überhaupt noch über die Runden kommen.

„Die Krabben sind extrem teuer, weil es einfach keine gibt“, sagt Cornelia Reunitz, kaufmännische Mitarbeiterin der Butjadinger Fischereigenossenschaft in Fedderwardersiel. Die Fischer seien teils mit einem Fang von lediglich 70 Kilo in den Hafen zurückgekehrt. „Das ist nichts, wenn man bedenkt, was alleine so ein Kutter kostet“, sagt sie.

Im Laden der Fischereigenossenschaft kostet das Krabbenbrötchen mit 100 Gramm Granatfleisch zurzeit 7,50 Euro. Das sind 3 Euro mehr als in früheren Jahren. Aber vor allem die Urlaubsgäste wollen auf den Genuss dennoch nicht verzichten und kaufen die Krabbenbrötchen. Cornelia Reunitz: „Viele sagen, ach, komm, wir haben Urlaub, da können wir uns das mal gönnen.“ Auch ungeschälte Krabben werden weiterhin gekauft. Allerdings hat Cornelia Reunitz festgestellt, das sich die Kunden mit der Menge zurückhalten.

Nun hofft die Branche, dass sich die Krabbenbestände alsbald erholen. Und tatsächlich scheint Land in Sicht zu sein. Fischer Dirk Ostendorf hat den Eindruck, dass die Menge an Krabben wieder zunimmt – die 200 Kilo, die er am Freitag an Land gebracht hat, sind ein Indiz dafür. Dirk Sander von der Erzeugergemeinschaft ist ebenfalls guter Hoffnung, dass sich die Situation entspannt. Zumindest stellenweise habe sich der Wittling wieder zurückgezogen.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.