Seefeld Ein Bürgermeister als Vollpfosten, eine Sekretärin, die die Fäden im Hintergrund zieht, eine dekadente Bürgermeisterfrau, eine unbedarfte Landtagskandidatin und eine kämpferische Bioladenbesitzerin: Das sind die Hauptfiguren in dem neuesten Stück der Seefelder Theatergruppe. Weitere Charaktere vom Altbauern und seiner Familie bis zum modernen Jungbauern mit visionären Ideen und seiner ignorierten Ehefrau, vom am Existenzminimum lebenden Kleinbauern bis zur alleinstehenden Pensionsbetreiberin bilden einen Ausschnitt der Dorfbewohner und ihrer Wünsche, Erwartungen und Befindlichkeiten.

„Das geht ja auf keine Kuhhaut“ heißt nicht nur das Stück, sondern auch das Gesamtprojekt, zu dem es zählt und welches die Besucher des Seefelder Kulturzentrums schon den ganzen Sommer mit Aktionen begleitet hat.

Im ausverkauften Dorfgemeinschaftshaus thematisierten die 14 Darsteller am Donnerstagabend den Bau einer großen Biogasanlage, die alles andere als ökologisch und nachhaltig daherkommen wird. Argumente für und gegen den Bau werden ausgetauscht, der Zuschauer soll sich sein eigenes Bild machen.

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Gleichsam als Nebenprodukt wird die Anfälligkeit der Bürger für Zuwendungen jeglicher Art verdeutlicht. Ihre Bereitschaft, manipuliert und um den kleinen Finger gewickelt zu werden, ist oftmals erschreckend. Hier ein schöner Radweg, dort eine Biotoperweiterung, und für alle billiger Strom. Die Versuchungen sind groß, die Skrupel der Befürworter eher klein – es wird mit allen Mitteln gearbeitet.

Starker Auftritt

Und am Ende scheinen alle weich zu werden – bis auf die Bioladenbesitzerin Marion Seebold (Meike Peschke), die beim abschließenden Voting einen starken Auftritt hat und ihre im Publikum sitzenden Mitspieler und damit auch die Zuschauer fragt: „Könnt ihr noch in den Spiegel schauen? In euren Augen sehe ich nur noch die Dollarzeichen.“

Und das ist der eigentliche Kern des Stückes. Es fragt nach der Käuflichkeit eines jeden Bürgers, nach seiner Standhaftigkeit und Korrumpierbarkeit. Immer wieder tauchen beim Zuschauer die Fragen auf: Wie viel Wahrheit steckt in den Worten? Wie sehr beeinflussen Mitarbeiter den Bürgermeister? Wie werden Entscheidungen gefällt? Wie viel Zuwendungen und Gefälligkeiten waren dafür nötig?

Das Stück stellt unbequeme Fragen. Es ist kein Schenkelklopfer, hat aber dennoch humorige Momente und besticht durch die herausgearbeiteten Charaktere. Die affektierte Art der Bürgermeisterfrau (Anke Kloppenburg) beispielsweise war so beeindruckend, dass einige im Publikum sie nachäfften, was durchaus als Kompliment für die Darstellerin anzusehen ist.

Beeindruckend

In weiteren Rollen spielen Klaus Janssen als Bürgermeister Wilhelm Hellmann, Heike Barre als Landtagskandidatin Margarete Hellmann-Koch, Karin Rebmann als manipulative Sekretärin Marlene Neunhaus, Wolfgang Szyslo als Altbauer Franz Rieker, Dittmar Speckels als sein Sohn Jan Rieker, Roswitha Barre als Mutter Meta Riekers, Anne Grabhorn als Tante Luise Riekers, Anneliese Kling als Ehefrau Mia Riekers, Gerhard Knoth als Kleinbauer Ben Hölderlin, Irmgard Rüthemann als Tierärztin Gesine Roth, Cornelia Jürgens als Pensionswirtin Ann-Kathrin Wintermann und Anja Thümler als Vogelschützerin Katharina Butzenbach.

Weitere Aufführungen gibt es am heutigen 4., am 6., 7., 8., 9. und 10. Oktober ab jeweils 20 Uhr. Eine Nachmittagsvorstellung wird am Sonntag, 5. Oktober, ab 16 Uhr gegeben. Zum letzten Mal hebt sich der Vorhang am 11. Oktober um 18 Uhr. Vorbestellungen nimmt das Mühlenbüro unter 04734/1236 oder kulturzentrum@seefelder-muehle.de entgegen.

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