Elsfleth /Gandia Silvester 1967: Seereise von Gandia nach Amsterdam mit der MS „Cádiz“ unter der Führung von Kapitän Böttcher. Besonders gerne erinnere ich mich an diese Reise, auf der ich als Zweiter Offizier und Funker Dienst tat.

Nach einer stressigen 28-Tage-Ausreise von Hamburg via Bremen, Rotterdam, Antwerpen, Lissabon, Setubal, Cádiz, Gibraltar, Carthagena, Valencia und Barcelona hatten wir in Gandia in 28 Stunden Südfrüchte geladen und waren am 31. Dezember um 18 Uhr mit der Bestimmung Benelux ausgelaufen.

Wie so oft hieß es auch bei dieser Fahrt mit wenig Arbeitspausen rein in den Hafen und ganz schnell wieder raus. Aber es war Silvester und viele der Besatzung wollten mit ihren Lieben Telegramm- und Telefongrüße austauschen. Die Cádiz war ein Zwei-Wachenschiff, das hieß im Klartext, der Erste Offizier und ich lösten uns auf See und im Hafen im Sechs-Stunden-Rhythmus ab. So hatte ich bei Auslaufen schon sechs Stunden hinter mir, und mit der noch anstehenden Arbeit in der Funkbude sah es nicht nach einer längeren Pause vor der nächsten Seewache aus.

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Funkbetrieb startet

Nach dem Abendessen ging ich in die Funkbude, um letzte Telegramme von Norddeich Radio zu holen und machte den Telegrammverkehr für die Seeleute auf anderen Schiffen, die ihre Lieben grüßen wollten. Kaum saß ich vor der Funkanlage, als der Kapitän mir mitteilte, ich könne mir Zeit lassen, denn er würde um Mitternacht meine Wache übernehmen. Toll! Welcher Kapitän macht schon sowas?

Nun konnte ich in Ruhe meiner Leidenschaft für einen umfassenden Funkbetrieb nachkommen. Zunächst rief ich auf 8 Juliet Norddeich Radio und fragte, ob sie Nachrichten für mich hätten, denn ich hatte während des Hafenbetriebes keine Gelegenheit, die regelmäßige „Liste“ zu hören.

Na, was für eine Frage. Sie hatten jede Menge in der Tonne für unsere Cádiz, drei andere Schiffe unserer Reederei OPDR und zwei Schiffe der Meyer Reederei in Brake. Wie das? Nun, die Cadiz hatte eine ganz moderne, sehr starke Kurzwellenstation mit zwei gleichen Sendern und den dazu gehörigen Empfängern.

Das war ein Prinzip der OPDR, dass ein starkes „Funk-Schiff“ als Relaisstation für viele andere Schiffe funktionierte, die selbst nur mit kleinen Funkanlagen ausgestattet waren. So holte ich erstmal alle Telegramme für die anderen Seeleute auf den anderen Schiffen ein, um sie dann an die dortigen Sprechfunker weiterzugeben.

Dazu gab es früher auf Mittel- und auf Kurzwelle international vereinbarte Anruf-, Antwort- und Abfertigungsfrequenzen. Irgendwann hat damals der Funker eines Meyer-Schiffes mitbekommen, dass ich der „Nachrichtenverteiler“ war und auf diesem Wege gewann ich viele neue Freunde in aller Welt. Zwischen diesen Ruf- und Antwort-Spielchen erledigte ich mit dem zweiten Sender die Telefonwünsche unserer eigenen Besatzung.

Ablösung der Wache

Es wurde 22 Uhr bis ich damit durch war und dann löste ich den Ersten Offizier Eike Eulen ab, der bereits den ganzen Tag im Einsatz war, ging zwei schöne Stunden Wache, um dann um Mitternacht von Kapitän Böttcher abgelöst zu werden. Ja, und um Mitternacht war der Jahreswechsel ins neue Jahr 1968. Gute Wache und gute Ruhe wurden ausgetauscht und am 1. Januar 1968 gab es für die ganze Crew zum Mittagessen eine Flasche Freibier.

Diese Fahrt habe ich in sehr guter Erinnerung behalten, denn ich habe damals von Kapitän Böttcher und meinem Kollegen Eike vieles über gute Schiffsführung und Teamarbeit gelernt und konnte eine Menge davon in meine eigene Kapitänstätigkeit übernehmen.

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