Friedrich-August-Hütte Es ist neblig, als die rund 60 Besucher am Mittwochabend das Kasino Friedrich-August-Hütte verlassen. Wie passend. So wirkt das Stück noch ein wenig nach, mit dem die Plattdüütschen gerade Premiere gefeiert haben. „Landung bi Nevel“ heißt es. Natürlich spielt der Nebel darin eine wichtige Rolle. Vor allem am Schluss. Da gerät der Weiberheld Dieter Eggebeck (Ingo Laddach) arg in die Bredouille. Hilflos kreist er mit seinem Flugzeug über der Insel Föhr. Sicht unter 100 Meter, nur noch ein paar Tropfen Sprit im Tank, und ausgerechnet Flugleiter Jens Högel (Uwe Menze), dem er kurz zuvor die Frau ausgespannt hat, soll ihn sicher auf die Landebahn lotsen.

Autor Horst Pillau sitzt im Publikum

Hinter den Kulissen: Jürgen Reiners (Regie), Traute Funk (Regieassistenz, Souffleuse, Kostüme, Requisite), Elke Puhl (Inspizienz, Kostüme, Requisite), Lena Mühlan und Silke Rautzenberg (Maske, Frisuren), Georg Modersitzki, Werner Scholz, Alexander Cleve, Heiko Cordes, Manfred Scherotzki und Karlheinz Winter (Bühnenbau), Ralf Hartmann und Rolf Puhl (Technik, Beleuchtung).

Nach der Premiere ist das Stück noch neunmal zu sehen. Abendvorstellungen (Beginn 20 Uhr) sind am 21., 26. und 28. Oktober sowie am 3. und 4. November. Nachmittagsvorstellungen (Beginn: 16 Uhr) sind am 23., 29. und 30. Oktober sowie am 5. November.

Die Karten kosten in den vorderen Sitzreihen 9,50 Euro, weiter hinten 8.50 Euro. Tickets gibt es im Vorverkauf in der Geschäftsstelle von Nordenham Marketing & Touristik am Marktplatz.

Horst Pillau, der das Stück geschrieben hat, gehörte am Mittwoch zum Premieren-Publikum. „Dieses Stück ist mir so nahe wie kaum ein anderes meiner Arbeiten“, sagt der 84-Jährige. Grund dafür ist, dass Horst Pillau eine einmotorige Maschine fliegt. „Die Personen des Stücks sind dem wirklichen Leben entnommen, zum Teil waren sie nur auf anderen norddeutschen Flugplätzen zu Hause.“ Horst Pillau war ein guter Freund von Hans Rosenthal. Den Dalli-Dalli-Moderator hat er mehrfach geflogen, um mit ihm in seinem Haus in Utersum Hörfunk- und Fernsehsendungen vorzubereiten.

Ganz schön dramatisch das Finale. Dabei geht’s ansonsten eher beschaulich zu in der Flugplatz-Kneipe, wo die stets gut gelaunte Lena (Ulrike Schumann) ihren Matjes-Topf für 8,90 Mark anbietet. Das Leben läuft in geregelten Bahnen. Jens ist damit zufrieden. Seine Liebste Maja (Renate Brüggemann) eher nicht. „Ick mutt hier mal wech“, sagt die Boutique-Besitzerin. Sie ist von Fernweh geplagt, träumt von Glanz und Glamour, fühlt sich auf Föhr wie auf Alcatraz. Als Jens’ alter Kumpel Dieter zu Besuch kommt, funkt’s zwischen den beiden. Klar, Dieter ist ein Lebemann, ein Charmeur mit Sonnenbrille, Designerschuhen und dicker Brieftasche.

Das Stück, das der bekannte Autor Horst Pillau geschrieben hat, lebt in erster Linie von den unterschiedlichen Typen, die darin aufeinander prallen. Die wichtigste Aufgabe des Ensembles besteht darin, diese Charaktere gut herauszuarbeiten. Das ist auf ganzer Linie gelungen. Da ist zum Beispiel Jürgen Reiners. Er ist nicht nur Regisseur, sondern schlüpft zudem noch in die Rolle des Mechanikers Otto Flunkerbeck. Eine Nebenrolle, die für den Fortgang der Handlung keine allzu große Bedeutung hat. Aber zu den stärksten Momenten des Stücks gehören die Passagen, in denen er in bester Münchhausen-Manier von seinen hanebüchenen Abenteuern über den Wolken erzählt.

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Dann ist da Bauer Henstedt (Rolf Warnke). Ein Luft-Rowdy, wie er im Buche steht. Von Verkehrsregeln hält er nichts, von Benimm-Regeln schon gar nicht. Mit Gummistiefeln und ölbeschmiertem Unterhemd poltert er in Lenas Schanksaal. Die Flugaufsicht hat ihm am Wickel, aber das ist ihm schnurzpiepe. Herrlich wie Rolf Warnke den renitenten Bauern spielt.

Auch die weiteren Rollen sind hervorragend besetzt: Ob Julia Wittje als Henstedts Tochter Silke oder Hakan Henken als Urlauber Paul Pflug. Sie alle hauchen ihren Figuren Leben ein, treiben die Geschichte voller Spielfreude voran.

Nach den Worten des Bühnen-Leiters Torsten Lange hat das Ensemble mehr als 40-mal geprobt. Dieser Fleiß zahlt sich aus. Hut ab vor der tollen Darsteller-Riege. Hut ab auch vor den Bühnenbauern und den Technikern, vor dem ganzen Team hinter den Kulissen, das mit viel Liebe zum Detail alle Möglichkeiten ausreizt, um sein Publikum mit einem pfiffigen Gesamtpaket zu unterhalten, das sich selbst in der Saalausstattung widerspiegelt.

Und trotzdem ist das Stück kein Überflieger. Die Pointen sind eher sparsam dosiert. Die Geschichte strotzt nicht gerade vor Überraschungen. Die Plattdüütschen bringen sie trotzdem sicher und ohne Turbulenzen ins Ziel. Ein gelungener Jungfernflug, den das Publikum zu Recht mit viel Applaus belohnt.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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