NORDENHAM Der Sturm peitscht den Regen in wilden Böen durch die kühle Nacht, in der die fünf Kiks nach einem entfernten Auftritt gen Heimat düsen. Im offenen Anhänger führen sie ihre Instrumente mit, die nun dem Unbilden der Natur ausgesetzt sind. Eine Persenning würde gut tun und einen Verlust vermeiden helfen. In Nordenham angekommen stellen die Musiker verblüfft fest, dass sie bei dem Unwetter ein zwei Meter großes Teil verloren haben. Sei’s drum: Das Leben geht weiter.

In seinem vor kurzem veröffentlichten Taschenbuch „Die Kiks – sonst nix“ blickt Tommy Marechal zurück auf eine bewegte Zeit und zeichnet in herrlich-amüsanten Episoden die Geschichte der Tanzkapelle Kiks nach, die wie Phönix aus der Asche Ende der 70er-Jahre die Musikszene bereichert. Die Geburtsstunde der Band schlägt im legendären Whisky á Go Go. Ein geschäftstüchtiger Gastarbeiter namens Stavros hat laut Tommy Marechal die Idee, den maroden Laden zu übernehmen und für ein reiferes, gesetztes Publikum aufzupeppen.

Gepflegtes Ambiente

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Das Tanzlokal mit gepflegtem Ambiente und Stil braucht eine Hauskapelle. Und so spricht Stavros den gitarrespielenden Schlosser Henry Felske an, den er von irgendwoher kennt. Als Bandmitglieder holt das Kiks-Urgestein den Drummer Tommy Marechal und den Bassmann Detlef Kramer ins Boot. Das Trio gibt fortan den Ton an in der Whisky-Bar.

Ein Plattencover von Helen Schneider and the Kick ist wohl der Auslöser für den Bandnamen. Zu den Kiks werden sie jedoch durch einen Schreibfehler. Einer ihrer ersten Rezensenten hat statt Kicks auf einen Buchstaben verzichtet. „Wir fanden es witzig und blieben dabei“, sagt Tommy Marechal.

Es sind Feuerwehr- und Dorffeste, Schützenfeste und Hochzeiten in der norddeutschen Provinz, auf denen die Kiks fortan spielen.

Mittlerweile haben sich Gerd Michael Stuck und Silvia Kramer hinzugesellt. Als Dorf- und Kneipenmusiker erleben sie viele skurrile Dinge und lernen laut Tommy Marechal völlig verrückte Leute kennen, von denen er pointenreich erzählt. Urkomische Begebenheiten schildert der gebürtige Nordenhamer in seinem 160-seitigen Buch, das mit zahlreichen Bildern illustriert ist.

Der Autor, 1960 geboren, versteht sich nicht nur aufs Musizieren. Schnörkellos, voller Wortwitz und Esprit schreibt er in den Kurzgeschichten über die Begegnungen mit Gerhard Schröder, den die Kiks bei einer SPD-Feier in der „Friedeburg“ beglücken, sowie mit Wolfgang Petry und Jürgen Drews.

Ohne Heimbonus

Der Auftritt mit dem König von Mallorca steht unter einem merkwürdigen Stern im ostfriesischen Wiesmoor. Die Kiks wollen beweisen, dass sie auch ohne Heimbonus bestehen können. „Kein Problem, dachten wir“, erinnert sich Tommy Marechal. Doch in die Gemeindehalle verirren sich gerade einmal hundert verlorene Seelen. Die Kiks geben ihr Bestes, doch das ist nicht genug: Sie bringen die Leute nicht in Stimmung. Das gelingt dann Jürgen Drews, der in einem roten Lackledermantel auftritt. Das Konzert gipfelt in einer Session mit „Onkel Jürgen“ – und alle sind aus dem Häuschen.

Das Buch endet mit der Kiks-Tour 2004 in die Bremer Musikkneipe „Meisenfrei“. Dazwischen liegen wahrhaft verrückte Erlebnisse, die Tommy Marechal in mitreißender und unnachahmlicher Manier zu Papier gebracht hat.

Erschienen ist das Buch „Die Kiks – sonst nix“ im Verlag Books on Demand, ISBN 978-3-8391-3763-5.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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