Brake Nachdem der Kommissar den moralischen Zeigefinger erhoben und sich mit einem simplen „guten Abend“ verabschiedet hat, ist nichts mehr so in der vermeintlich heilen Welt der Brinkmanns wie noch vor wenigen Stunden. Nein, dieser Abend wird nicht mehr gut werden, der Riss, der sich durch die Familie zieht, nicht mehr kitten lassen. Schuld und Sühne – die einen haben etwas gelernt, die anderen gehen zur Tagesordnung über. Und das Publikum applaudiert stehend.

Selbstmord mit Säure

Mit dem von dem Briten John Boynton Priestley in den 40er Jahren verfassten Stück „Een Kommissar kümmt“ hat am Donnerstagabend die Niederdeutsche Bühne Brake im BBZ-Forum Premiere gefeiert. Wer einen Schenkelklopfer erwartet, kann direkt zu Hause bleiben. Wer aber auch plattdeutschem Theater zugesteht, ernst sein zu dürfen, und zudem ein sehr kühn inszeniertes und glänzend gespieltes Stück sehen möchte, sollte sich auf jeden Fall eine der noch zwölf folgenden Aufführungen (siehe Infokasten) im BBZ-Forum ansehen.

Der Handlungsrahmen ist schnell erzählt: Die neureiche Familie Brinkmann feiert die Verlobung ihrer Tochter Elfi (Frederike Gomilar) mit Gerald Balthus (Jann Blohm). Neben dem Paar sitzen Arthur Brinkmann (Detlef Gerdes) und seine Frau Sibille (Ute Seyberth) sowie der vom Wein schon ziemlich angeschlagene Sohn Eric (großartig: Stefan Schermann) am Tisch.

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In das Geplauder über erfolgreiche Männer, teure Weine und die Lebensweisheiten, die Arthur verbreitet, platzt ein Kommissar (Anne Pflug) und konfrontiert die Gesellschaft mit dem Tod einer jungen Frau. Sie hat Selbstmord begangen – mit Salzsäure. Wie sich im Laufe des Abends herausstellt, hat jeder der Anwesenden eine Teilschuld am Tod der Frau. Das Stück endet mit einem sehr leisen Knalleffekt, der einem einen Schauer über den Rücken jagt.

Noch 12 weitere Aufführungen

Auf der Bühne glänzen Detlef Gerdes, Ute Seyberth, Frederike Gomilar, Stefan Scheermann, Jann Blohm, Anne Pflug und Birgit Harms.

Regie hat Heike Scharf geführt. Ihre Assistentin war Elisabeth Rohlfs.

Hinter den Kulissen: Ute Haar (Inspizienz), Helmut Ricklefs (Technik), Elke Schneider (Kostüme), Irmgard Rüthemann (Maske) sowie Manfred Büsing und Helmut Stührenberg (Bühnenbau).

Weitere Aufführungen sind für diesen Sonntag sowie für den 24. und 25. Januar jeweils um 20 Uhr, für den 27. Januar um 15.30 Uhr, für den 29. und 31. Januar sowie den 2. Februar jeweils um 20 Uhr, für den 3. Februar um 15.30 Uhr, für den 5., 6. und 8. Februar jeweils um 20 Uhr und für den 10. Februar um 15.30 Uhr geplant.

  Mehr Infos unter www.ndb-brake.de

Bemerkenswert ist die Inszenierung des Stücks – sie zeugt von viel Mut seitens der Regisseurin. Heike Scharf hat geschickt mit chorischen Elementen gearbeitet, die dem Stück zusätzlichen Thrill verleihen. Zudem beweist sie exzellentes Gespür für Timing. Sie lässt die Darstellerinnen und Darsteller lange Pausen machen, angesichts derer die emotionalen Ausbrüche, die dann folgen, umso mehr Wirkung entfachen.

Rhythmus und Dynamik stimmen bis auf die Sekunde. Rätselhaft bleibt bei all dem der Kommissar. Heike Scharf lässt ihn/sie – letztlich ist die Figur ein Neutrum – teils wie ferngesteuert agieren. Erst mit dem überraschenden Ende erklärt sich dieser Kniff.

Hohes Niveau

In dem Stück gibt es kaum Stereotypen zu bedienen. Heike Scharf hatte deshalb mit ihrem Ensemble bei den Proben intensiv an der Rollenfindung gearbeitet. Es hat sich gelohnt. Die schauspielerische Leistung bewegt sich auf einem beeindruckend hohen Niveau. Und das gilt für das gesamte Ensemble.

Herausgegriffen sei dennoch Jann Blohm in der Szene, in der Gerald seine Sünden beichtet. Blohm sitzt auf einem Stuhl nahe dem Bühnenrand und durchlebt noch einmal „seine“ Geschichte mit dem späteren Selbstmordopfer – ein Seelenstrip mit Gänsehaut-Garantie.

Das Publikum lässt sich mit fortlaufender Handlung immer mehr ein auf ein Stück, das die Klischees des plattdeutschen Theaters konsequent nicht bedient. Es dauert nicht lange, da hängen die Zuhörer den Darstellern an den Lippen. Der lange Applaus zeigt, dass die Braker Bühne alles richtig gemacht hat.


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Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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