Seefeld Was wäre, wenn Plattdeutsch die Weltsprache wäre und nicht Englisch? Gesche Gloystein hat sich diese Frage gestellt und auch beantwortet – in einem literarischen Text für einen Bühnenauftritt. Zwar ist Plattdeutsch noch immer nicht die Weltsprache, aber Gesche Gloy-
stein hat mit diesem Text gewonnen.

Wettbewerb des NDR

Genau: mit diesem und einem zweiten Text, der an das Motto der nächsten Platt-Art-Reihe angelehnt ist: „Wi sünd so freei“ („Wir sind so frei“). Und die 31-Jährige hat nicht nur zwei Texte vorgetragen, sondern auch zwei Mal gewonnen, nämlich bei zwei Poetry Slams. Das sind literarische Vortragswettbewerbe, bei denen es nicht nur auf die Texte ankommt, sondern auch auf den Auftritt des Vortragenden.

Zuerst hat sie beim Plattdeutschen Poetry-Slam der Welle Nord des Norddeutschen Rundfunks in Schleswig-Holstein gewonnen und dann beim Platt-Satt der Emsländischen Landschaft in Schüttorf (Kreis Grafschaft Bentheim). Der Preis aus Schüttorf ist übrigens auch optisch ein Schmuckstück: das goldene Mikrofon.

Der Poetry-Slam ist 1986 in Chicago erfunden worden. Ziel war es, gelegentlich langweilige Dichterlesungen gehörig aufzupeppen. Das gelingt, und so breitete sich die Poetry-Slam-Welle von den USA über die ganze Welt aus. Die größte Szene dieser Art gibt es mittlerweile in Deutschland.

Gesche Gloy-
stein interessierte sich schon dafür, als sie noch gar nicht Geschäftsführerin der Seefelder Mühle war. 2015, damals war sie noch Dramaturgin am Oldenburgischen Staatstheater, nahm sie an einem Seminar der Uni Oldenburg zu dieser Kulturform teil – auf Hochdeutsch. Doch bald entwickelte sie sich stärker in Richtung Plattdeutsch. Ihre Themen waren Impulse aus den sozialen Medien, der Konsum und Sinnsprüche.

Beim NDR-Wettbewerb, der in der ländlichen Jugendbildungsstätte Scheersberg unweit von Flensburg ausgetragen wurde, war Gesche Gloystein eine von acht Slammern. Der Wettbewerb an sich ist nicht neu, wohl aber der Intensivkursus zur Vorbereitung mit Texttraining und Impro-Theater. Deshalb dauerte die Veranstaltung diesmal auch ein verlängertes Wochenende.

Leiter waren der freie Autor Achim Kussmann, der auch für die Hörfunk-Reihe „Hör mal ‘n beten to“ schreibt, und NDR-Volontär Helge Albrecht. Beide sind tief in der plattdeutschen Poetry-Slam-Szene verwurzelt.

Tröte nach 6 Minuten

Texte, die beim Poetry Slam vorgetragen werden, kommen aus den unterschiedlichsten Literaturgattungen, sie müssen sich nicht reimen. Aber sie dürfen nicht länger als sechs Minuten sein, „sonst wird abgetrötet“, sagt Gesche Gloystein. Und wenn abgetrötet wird, kostet das Punkte. Die Punkte wiederum werden vom Publikum vergeben – durch Applaus.

 Wer Gesche Gloystein mit ihren Poetry-Slam-Texten erleben will, hat dazu am Donnerstag, 15. November, Gelegenheit – bei der Seefelder Mühlenbühne ab 20 Uhr. Neben drei musikalischen Beiträgen zeigt die Brakerin in der Mühle, wie viel Musik in der Sprache liegen kann.

Auch zwei weitere Auftritte hat sie schon fest vereinbart: Am Sonnabend, 24. November, tritt sie im Bremer Kulturhaus Walle beim Brodelpott-Slam auf, und am Sonnabend, 8. Dezember, ist sie bei einem weiteren Slam im Theater der Stadt Papenburg zu sehen.

Was sie vorführt, richtet sich nach Publikum und Stimmung, sagt Gesche Gloystein. Fünf fertige Texte hat sie vorrätig, weitere sind in Arbeit.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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