Seefeld Klagen ist einfach. Für Heike Barre ist es zu einfach. „Wenn etwas los sein soll, muss man auf dem Land eben selbst etwas organisieren“, sagt die Morgenländerin. Damit kennt sie sich aus, seit Jahrzehnten.

Langeweile ist ein Gefühl, das sie genießt, denn meistens ist ihr Terminkalender übervoll. Schuld daran ist sie selbst, und das mit Vergnügen. Ein großer Teil ihres Lebens kreist um die Seefelder Mühle und den Landfrauenverein Seefeld. Doch bald will die 68-Jährige etwas Tempo aus ihren Tagen herausnehmen: Im April, hat Heike Barre beschlossen, will sie ihren Platz im Vorstandsteam des Landfrauenvereins räumen. Nach 28 Jahren.

„Das glaube ich erst, wenn ich es sehe“, sagt ihr Mann Reiner trocken. Aber Heike Barre ist entschlossen: „Fürs Weitermachen krieg ich keinen Orden – und selbst wenn: Ich wüsste gar nicht, wo ich ihn hinhängen sollte.“

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70-Jahr-Feier

Doch bevor sie den Vorstand verlässt, steht noch eine große Feier an: der 70. Geburtstag des Landfrauenvereins, der am 1. April in der Landgaststätte Seefelder Schaart gefeiert werden soll. Der 1. April 1950 war tatsächlich der Gründungstag des Vereins. Der runde Geburtstag soll ein Fest für die 120 Mitglieder werden mit einem Essen und einem Auftritt der Nordenhamer Gruppe Tidenton, die ihr Alma-Rogge-Programm „Seid lustig im Leben“ aufführen wird.

Heike Barre war immer schon gern ehrenamtlich tätig. Als Jugendliche führte sie die Kasse bei der Seefelder Landjugend, denn sie arbeitete bei der Bank. Die Menschen, die Zahlen – sie war gerne bei dem kleinen Genossenschaftsinstitut in Seefeld tätig. Es fiel ihr schwer, diese Tätigkeit aufzugeben, als die Kinder geboren wurden. Knapp 30 war sie, als sie ihren nächsten Job antrat – in der Gärtnerei König.

Seit 1984 ist sie mit Reiner Barre verheiratet. Doch trotz Arbeit und Haushalt vergaß sie Hobby und Ehrenamt nicht. Sie boßelte beim Klootschießer- und Boßelverein Seefeld und war auch als Kassenwartin tätig. Auch für die Geldangelegenheiten des Seefelder Turnvereins war sie zuständig.

Mit 28 nahm eine Nachbarin sie zu den Landfrauen mit. Dort engagierte sie sich im Fachausschuss Landwirtschaft und ländlicher Raum des Landesverbandes.

„Der Landfrauenverein Seefeld war schon immer sehr fortschrittlich“, sagt Heike Barre, „schon früh gab es hier ein Vorstands-Team.“ Anne Schaaf und Monika Fittje waren die Trendsetter.

Als Anne Schaaf 1992 ihr Amt abgab, rückte Heike Barre in den Vorstand nach; dort ist sie inzwischen die Dienstälteste. Zusammen mit Gabriele Ackermann und Petra Warns ist sie gleichberechtigte Vorsitzende im fünfköpfigen Team, Elke Gerdes ist Schriftführerin, und Christine Timmermann kümmert sich um die Kasse.

Im Verein ist Heike Barre das Miteinander wichtig, die Geselligkeit. „Früher ging man mal in die Kneipe, um ein Bier zu trinken, oder auf einen Plausch zum Nachbarn“, sagt sie, „das gibt es heute kaum noch. Die Menschen sind so durchgetaktet.“ Deshalb legt sie Wert darauf, dass es bei den Landfrauen-Veranstaltungen vor dem offiziellen Teil eine Klönrunde mit Tee und Kaffee gibt.

Besonders gern organisiert Heike Barre die Mehrtagesfahrten des Vereins, die alle zwei Jahre stattfinden. „Wichtig ist, dass nicht zu viel und nicht zu wenig geboten wird“, sagt sie, „und ein zentral gelegenes Hotel.“ Und auch auf Reisen müsse Zeit für einen Klönschnack bleiben. Die nächste Mehrtagesreise, die 2021 nach Stralsund führt, will sie noch organisieren.

Ein Leuchtturm ihres Lebens ist die Seefelder Mühle. Hier ist sie als Café-Frau tätig, seitdem das Café in der warmen Jahreszeit täglich öffnet. Für diese Arbeit – sie ist selbstverständlich nicht ehrenamtlich, sondern wird bezahlt – schlägt ihr Herz. Und das so stark, dass eine andere Leidenschaft dahinter manchmal zurückstehen muss: die Schauspielerei.

Heike Barre sieht die Zeitungsnotiz noch vor ihrem geistigen Auge: Eine Theaterpädagogin, deren Namen sie noch nie gehört hatte, suchte Interessierte für einen Theaterkursus. Nun, diese Pädagogin war Heike Scharf, und die Zeitungsnotiz erschien 2003. Heike Barre absolvierte den Kursus und hat seitdem kein Stück versäumt, das die Theatergruppe der Seefelder Mühle Jahr für Jahr unter der Regie von Heike Scharf aufführt.

Sex, Müll und Biogas

Das Tolle an den Stücken ist, dass sie den Horizont weiten. Jedes Mal geht es um ein Thema, das sich die Darsteller aneignen, bevor sie zusammen mit ihrer Spielleiterin das Stück entwerfen. Themen waren Heimat, das Leben im Gefängnis, Müll, Biogas, Sex und das Theater selbst. Am meisten beeindruckt hat Heike Barre das Stück über die Bahnhofsmission; dafür recherchierten die Darsteller am Bremer Hauptbahnhof und kamen dabei erstmals mit Bettlern ins Gespräch.

Im vergangenen Jahr gab es die Weihnachtsgeschichte „Alle Jahre wieder“; anschließend flog die komplette Theatergruppe samt Regisseurin – wie alle zwei Jahre – für eine Auszeit nach Mallorca.

Inzwischen proben die gut ein Dutzend Darsteller für ein neues Stück. Worum es geht, wird nicht verraten.

Eine zweite Theatergruppe hat Heike Barre bei den historischen Mühlenführungen. Dort ist sie als Magd Erna Meyer zu sehen, mit Geschichten von „Katten un Müüs“, wie Heike Barre sagt, und „Spukkram“. Weil sie aber während der Aufführungen meistens im Mühlencafé bedient, tritt sie nur selten auf. Das wird sich auch nicht ändern, wenn sie den Vorstandsposten abgegeben hat.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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