Seefeld Erik Reimers hat einen Tipp für alle Jugendlichen, die nicht wissen, wie es für sie nach dem Abitur weitergehen soll: „Bewerbt euch um ein FSJ, ein Freiwilliges Soziales Jahr!“ Er selbst hat es gemacht und kann es nur weiterempfehlen. Der 19-jährige Nordenhamer hat ein FSJ Kultur in der Seefelder Mühle absolviert.

Dabei kannte er das ländliche Kulturzentrum vorher nur vom Hörensagen. Denn die Kultur, die dort gepflegt wird – vor allem Folk in vielen Varianten – sprach den Hip-Hop-Fan nicht so recht an. Doch das war genauso wenig ein Problem wie die Tatsache, dass er der einzige Mann im Team ist.

Frei, aber nicht allein

Denn er wurde von den Frauen im Mühlenbüro – Geschäftsführerin Gesche Gloy- stein, Veranstaltungskauffrau Anke Eymers und die Zweite Vorsitzende Cornelia Iber-Rebentisch – herzlich aufgenommen und darf seine Kreativität ausleben. So gestaltet er die Quartalsfaltblätter mit dem Programm der Mühle, entwirft Plakate für einzelne Veranstaltungen und schreibt Einladungskarten für die Ausstellungen, die die Mühle regelmäßig anbietet.

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Dabei kann er recht selbstständig handeln, wie er betont: „Ich bin frei in meiner Arbeit, werde aber nicht allein gelassen.“

Als Erik das Gymnasium Nordenham verließ, hatte er die vage Vorstellung, Eventmanagement zu studieren. Ob ihm das liegt, konnte er bei mehreren Aufgaben in der Mühle feststellen. So organisierte er komplett selbstständig ein Konzert.

Wie Fynn Kliemann

Auch für das eigene Projekt, das sich alle FSJler vornehmen müssen, brauchte er Organisationstalent. Er orientierte sich an Fynn Kliemann. Der 31-Jährige, der sich in dem Dorf Rüspel unweit von Zeven als „Heimwerker-King“ selbstständig gemacht hat und mehrere erfolgreiche Youtube-Kanäle betreibt, ist ein Prophet des Anti-Expertentums.

Auf seinen Spuren bot Erik Reimers zwei Veranstaltungen ohne Experten als Dozenten an: ein Bierbrauer-Seminar, das er zusammen mit seinem Freund Eric Kieselhorst Anfang März veranstaltete, und ein Seminar zur Herstellung von Gartenmöbeln, das sich Anfang April vor allem an die Laufkundschaft beim Landfrauenmarkt an der Mühle richtete. Co-Dozent war der evangelische Jugenddiakon Hauke Bruns.

In beiden Fällen hatte sich Erik Reimers nur an Lehrvideos von Youtube orientiert, aber keine eigene Expertise mitgebracht. Und in beiden Fällen konnten sich die Ergebnisse sehen – und schmecken – lassen.

Außerdem betreut der FSJler den Facebook- und den Instagram-Auftritt des Kulturzentrums.

Am meisten Spaß hat Erik Reimers aber, wenn er kleine Videos für die Auftritte des Kulturzentrums in den sozialen Medien dreht. Dafür hatte er vorher ein Video-Seminar besucht. Insgesamt sind für FSJler fünf Seminare verpflichtend. Das verlangt die Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung (LKJ) in Hannover, der Verein, der das FSJ Kultur niedersachsensweit organisiert. „In diesen Seminaren wird stark auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer eingegangen“, sagt Erik Reimers.

Für Erik Reimers sind es vor allem zwei Ergebnisse seiner Zeit in der Mühle, die zählen: Er hat gelernt, sich gut in Arbeitsgruppen einzufügen und dort seine Position zu vertreten, und er ist zu dem Schluss gekommen, dass Eventmanagement doch nicht das Richtige für ihn statt. Stattdessen will er im nächsten Jahr Mediengestaltung studieren.

Keany Dase kommt

Vorher packt er aber seinen Rucksack für eine große Asien-Tour. Auch das ist ein Ergebnis seines Jahrs in der Seefelder Mühle: „Ich glaube, ich habe ihn mit meinem Reisefieber angesteckt“, sagt Gesche Gloystein, die als Geschäftsführerin Eriks Chefin ist und vorher selbst eine Weltreise unternommen hat.

Am 1. September wird sie seine Nachfolgerin begrüßen: Keany Dase. Genau wie Erik Reimers kommt sie aus Nordenham. Und genau wie Erik arbeitet sie nicht kostenlos, sondern für 350 Euro im Monat – netto.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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