Seefeld Ein gelungenes Experiment. Ein Rückblick auf die gute alte Zeit. Eine knuffige Idee. Ein Gruß an ein liebenswertes Dorf. Ein Dankeschön an alle, die ohne Scheu in ihren Erinnerungen schwelgten und freimütig davon erzählten. Ein traditioneller Ball und eine furiose Party in einem. Dazu eine Prise Humor, reichlich Bewegung und ein gutes Dutzend Überraschungen. Der von Micha Kranixfeld und seinen Künstler- und Theaterkollegen Manu Pracht, Marleen Wolter und Felix Worpenberg sowie von den Seefelder Projektleiterinnen Gesche Gloystein und Mariska Stuijt und dem Team der Mühle ausgerichtete und schon im Vorfeld restlos ausverkaufte Winterball am Samstagabend im Dorfgemeinschaftshaus bediente vielerlei Wünsche.

Der Raum, in dem die Feier stattfand, so erzählten Micha Kranixfeld und Felix Worpenberg in ihrer Festrede, hat in der Dorfgeschichte schon diverse Gesichter gehabt. Er war der Festsaal einer Gaststätte, eine Turnhalle und auch der Ratssaal, in dem sich der Ort Seefeld einst von seiner Selbstständigkeit verabschiedete und der Gemeinde Stadland beitrat.

Kunst und Theater

Ihm sei diese Vielseitigkeit, die auch die Vielseitigkeit des Dorfes widerspiegelte, erst nach und nach bewusst geworden, sagte Micha Kranixfeld. Das sei im Spätherbst des vergangenen Jahres gewesen. Anlässlich der 30-Jahr-Feier hatte ihn das Kulturzentrum Seefelder Mühle von Oktober bis Dezember zu einem „Artist in Residence“-Projekt eingeladen. Dass diese Wahl just auf ihn fiel, kam nicht von Ungefähr: Der studierte Kulturwissenschaftler Micha Kranixfeld hat sich der Kunst und dem Theater mit Schwerpunkt im ländlichen Raum verschrieben.

Sein Projekt-Thema war zu Beginn allerdings bewusst offengehalten worden. Während der Studien in Seefeld interviewte er quasi alle und jeden, ließ sich viel erzählen – und hörte gespannt zu. Dabei war immer wieder ein Wort gefallen, das hängen blieb: das Wort Ball. Egal ob Turner- oder Ernteball, Klootschießer-, Feuerwehr-, Jäger- oder Holzschuhball. Damit ist für Micha Kranixfeld das Thema gesetzt gewesen. Er hielt alle Schilderungen auf seinem Block akribisch fest. Auszugsweise sind sie jetzt nachzulesen in einer edel in Silber gehaltenen Hochglanzbroschüre mit dem Namen „Winterball“.

„Aber wenn man die Geschichte der Bälle niederschreibt, dann muss man selbst auch einen Ball machen. Sonst hat man es nicht verstanden“, sagte Micha Kranixfeld im Gespräch mit der NWZ. Gesagt, getan.

Die Veranstaltung wurde zu einem Vergnügen der ganz besonderen Art. Denn andere Zeiten, so die Überzeugung der Gastgeber, verlangen nach neuen Rezepten. Die Band Evelyn Kryger spielte im flotten Wechsel traditionelle Tanzmusik ebenso wie Ohrwürmer aus der aktuellen Hitliste und öffnete immer wieder die musikalische Grenzen hin zu Hip-Hop-Grooves und Balkaneskem wie auch zu Jazz und Techno. Zwischendurch forderte die Zumba-Gruppe des Turnvereins Seefeld zum Mitmachen auf, der Chor der Seefelder Mühle intonierte den Schneewalzer, Frauke Kewer lud zum Gruppentanz im Kreis ein und Tanzlehrer Roberto Hoffmann motivierte das Publikum in Schnell-Kursen, auch ungewohnte Tanzschritte zu probieren.

Feuerwehr rückt an

Selbst die Freiwillige Feuerwehr war eingebunden und hatte gegen Mitternacht ihren Einsatz, indem sie bei einer nachgestellten Schlägerei schlichtete. In der Wirklichkeit sei früher so etwas zu später Stunde durchaus vorgekommen, hatte das Projektteam bei den Interviews erfahren.

Das kurzweilige Programm mit ganz viel Schwung kam bei den fast 150 Gästen im Dorfgemeinschaftshaus bestens an. Laut gefeixt wurde zwischendurch auch, als zur Live-Musik des Spielmannszugs ein witzig zusammengeschnittener Film mit Sequenzen aus den 50er- und 70er- Jahren gezeigt wurde. „Irgendwo auf einem Dachboden hier in Seefeld hatten wir einige ganz alte Super-8-Filmrollen gefunden“, berichtete Micha Kranixfeld, „die haben wir kurzerhand digitalisiert.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.