Seefeld Pippi Langstrumpf kann ein Pferd anheben. Das wissen viele Kinder aus den Büchern von Astrid Lindgren. Milo Barus konnte sogar ein Pferd auf seine Schultern nehmen und damit eine fünf Meter hohe Leiter besteigen. Daran erinnern sich noch viele ältere Seefelder, die es selbst gesehen hatten.

Jahre im Reitlander Hof

In der Seefelder Mühle gibt es jetzt Gelegenheit, an diese und andere Großtaten des „stärksten Manns der Welt“ zu erinnern – oder überhaupt von ihnen zu erfahren. Denn der Vareler Künstler Helmut Wahmhoff hat sich mit diesem außergewöhnlichen Mann befasst, der einen Teil seines Lebens in Reitland verbracht hatte. In einem achtteiligen Bilderzyklus zeichnet der 61-Jährige Szenen aus dem Leben des Milo Barus nach. Zu sehen sind sie in seiner neuen Ausstellung in der Seefelder Mühle, die den Titel „Stark“ trägt.

Die Ausstellung „Stark“

ist bis zum 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr sowie vom 1. bis 10. November freitags und sonnabends von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Zur Eröffnung kamen rund 60 Gäste. Viele von ihnen hatte Cornelia Iber-Rebentisch, die 2. Vorsitzende des Mühlenvereins, noch nie in dem Kulturzentrum gesehen – und sie ist dort schon seit mehr als 30 Jahren aktiv.

Der als Emil Bahr im böhmischen Alt-Rothwasser geborene Milo Barus hatte in den 1930er-Jahren in Paris, London, Kalkutta, Kairo und Buenos Aires mehrmals den Titel „Stärkster Mann der Welt“ gewonnen. Seine Kraftakrobatik, der er während einer Müller-Lehre beim Schleppen von Getreide- und Mehlsäcken sowie beim Auswechseln von Walzen und Steinen erlernte, demonstrierte er nicht nur bei internationalen Wettkämpfen, in Zirkusmanegen und auf Welttourneen, sondern Anfang der 1950-Jahren auch im Reitlander Hof, wo er einige Zeit wohnte, und auf dem Seefelder Schützenplatz.

So befanden sich unter den Besuchern der Ausstellungseröffnung auch mehrere Gäste, die Milo Barus persönlich kennengelernt hatten und nicht nur von seinen Künsten berichten konnten. Er konnte eine Kuh heben und auf einem vor seinem Bauch hängenden gefüllten Weinfass nahmen sogar noch zwei Frauen Platz. Diese Nummer soll er auch auf dem Seefelder Schützenplatz gezeigt haben.

Bei der Planung der Ausstellung habe ihr Helmut Wahmhoff eine große Arbeit gezeigt, die den Boxer Max Schmeling zeigt, berichtete Meike Janßen bei dem Einführungsvortrag. Dazu sei ihr dann Milo Barus eingefallen.

Der seit 1987 als Kunstlehrer am Lothar-Meyer-Gymnasium Tätige, der Mitglied der Künstlergruppe Kunstraum Varel ist, habe wie elektrisiert darauf reagiert. Auf der Basis von Fotos und Literatur über Milo Barus, die Cornelia Iber-Rebentisch besorgte, entstanden acht großflächige Acrylbilder, die auf dem runden, wie eine Manege wirkenden Steinboden der Seefelder Mühle zu sehen sind.

„Helmut Wahmhoff hat die Szenen brillant umgesetzt. Die comichafte Vorzeichnung mit dem Tuschpinsel und die dynamische Überarbeitung mit der Acrylfarbe machen Lust genau hinzusehen“, kommentierte die Kunstpädagogin Meike Janßen, die für die Ausstellungen in der Mühle verantwortlich ist. Dem schenkte sie einen kleinen Expander. „Möge er deine Hand kräftigen, um weiter so stark zu malen“, gab sie Helmut Wahmhoff mit auf den Weg.

„Wrapped Reichstag“

Die Ausstellung beschränkt sich aber nicht nur auf Milo Barus. Unter dem Titel „Wrapped Reichstag“ wird auf dem Mehlboden des Mühlengebäudes ein Stück Zeitgeschichte gezeigt. An viermal sieben Tagen – 17. Juli bis 10. August dieses Jahres – hat Helmut Wahmhoff das Tagesgeschehen aus Politik, Sport und Weltgeschehen im Skizzenbuch mit Scriptol und Tuschpinsel festgehalten. Zu sehen sind unter anderem die Merkel-Raute, Boris Johnsons Sturm auf die Downing Street und der Sommerhitzerekord in Lingen. „Es macht Freude anzusehen, wie die uns aus den Medien bekannten Fotos in die eigene Bildsprache übersetzt wurden“, sagte Meike Janßen.

Ein weiteres Ausstellungsthema, zu sehen im Mühlen-Café, beschäftigt sich mit der sexuellen Revolution. Sie mündet in der in der Mixed-Media-Arbeit „sex sells“, die Madonna zeigt, die als Sängerin ihren Körper und ihre Reize bewusst einsetzt und damit mächtige Bilder evoziert.

Grüße der Gemeinde überbrachte der stellvertretende Bürgermeister Horst Mauritschat.

Rolf Bultmann Nordenham / Redaktion Nordenham
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