Schwei Die St.-Secundus-Kirche in Schwei sei am Sonntag, dem 26. Mai 1619, geweiht worden, hatte die NWZ am Dienstag geschrieben. Das ist aus zwei Gründen falsch, wie Dr. Cord Diekmann erläutert, der Vorsitzende des Kirchbauvereins St. Secundus Schwei.

Vom Papst verordnet

Zwar fiel der 26. Mai 1619 – genau wie in diesem Jahr – auf einen Sonntag. Allerdings nur nach dem Gregorianischen Kalender, der heute noch gilt. Dieser Kalender war 1582 von Papst Gregor XIII. eingeführt worden, weil er zuverlässiger ist als der seit 45 vor Christus geltende Julianische Kalender, den der römische Staatschef Gajus Julius Caesar verordnet hatte.

Allerdings hatte der Gregorianische Kalender einen gravierenden Nachteil: Sein geistiger Vater war Papst – also römisch-katholisch. Deshalb war dieser Kalender für die anderen christlichen Konfessionen kein Thema. Sowohl die Protestanten als auch die Orthodoxen hielten aus Prinzip an dem hergebrachten Datierungssystem fest – und so fiel in Schwei, das zur evangelischen Grafschaft Oldenburg gehörte, der 26. Mai 1619 auf einen Mittwoch, während im katholischen Cloppenburg schon Sonntag war.

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Als Datum für die Kirchweih gibt Dr. Cord Diekmann den 22. Mai 1619 an – kein Sonntag, sondern ein Sonnabend. Aber nicht irgendeiner, sondern der Sonnabend vor Trinitatis, dem ersten Sonntag nach Pfingsten. An diesem Tag pflegten Jahrmärkte und Volksfeste stattzufinden – und eben auch die Kirchweih in Schwei.

Dass ein Jahr zuvor der 30-jährige Krieg ausgebrochen war, in dem Katholiken und Protestanten um die Vorherrschaft in Deutschland kämpften, machte den päpstlichen Kalender in evangelischen Regionen nicht gerade beliebter.

Einige Tage fallen aus

Tatsächlich dauerte es bis zum Februar 1700, ehe die protestantischen Reichsstände in Deutschland und mit ihnen das Königreich Dänemark, zu dem die Grafschaft Oldenburg jetzt gehörte, den Gregorianischen Kalender einführten und damit eine ganz spezielle Teilung Deutschlands beendeten, schildert Cord Diekmann weiter. Die letzten Februartage fielen einfach aus: auf den 18. Februar folgte der 1. März. Schweden war im Vergleich zu Deutschland sogar noch rückständiger: Hier galt der neue Kalender erst ab 1753.

Noch rückwärtsgewandter waren nur noch die orthodoxen Länder wie Russland, wo der Julianische Kalender noch vor 100 Jahren galt. So erklärt es sich, dass die Februarrevolution nach dem Gregorianischen Kalender erst am 8. März 1917 stattfand und die Oktoberrevolution am 7. November 1917. Denn inzwischen lag der Julianische Kalender 13 Tage hinter dem Gregorianischen.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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