Schwei Zimmermeister Gerold von Deetzen und sein Geselle Mathias Klostermann haben den schönsten Job in Schwei: In mehr als 20 Metern Höhe decken die beiden Mitarbeiter der Zimmerei Duhm den Turm der St.-Secundus-Kirche neu. Seit Anfang August sind sie dabei, und es dürfte wohl Ende Oktober werden, ehe sie die letzte Schindel eingesetzt haben.

Schuppenartig breiten sich die Eichenholzbretter mit dem stielartigen Ende am Turm aus. Diese Art des Dachdeckens ist in der Oldenburgischen Landeskirche einmalig: Nur der Turm von St. Secundus ist mit Holzschindeln gedeckt. Und der Denkmalschutz sorgt dafür, dass sie nicht durch ein anderes Material ersetzt werden. Weil Schindeldächer hier so selten sind, mussten die neuen Eichenschindeln in Bad Reichenhall im tiefsten Bayern bestellt werden.

1695 gebaut

Lieve Runge, Architektin bei Angelis und Partner in Oldenburg, die die Sanierung leitet, ist fasziniert von diesem ungewöhnlichen Kirchturm, seiner Geschichte und seiner Gegenwart. Vermutlich ist es das erste Mal seit seinem Bau 1695, das der Turm komplett neu gedeckt wird. Bislang, sagt Lieve Runge, wurden immer nur Schäden ausgebessert. So kommt es, dass drei verschiedene Formen von Schindeln auf dem Dach zu finden sind. Einige sind 50 Jahre alt, andere vielleicht schon 100.

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Holzschindeln

auf Kirchdächern waren vor Jahrhunderten auch im Oldenburger Land stärker verbreitet. Doch nur auf dem Turm von St. Secundus in Schwei hat sich diese Tradition gehalten, sagt Diplom-Ingenieur Achim Knöfel, der beim Oberkirchenrat in Oldenburg für Kirchenbau, Kunst und Denkmalschutz zuständig ist. Jetzt seien nur noch die Türme von zwei katholischen Kirchen in Südoldenburg mit Holzschindeln gedeckt, von denen einer, der in Langförden bei Vechta, mittlerweile als Kriegerdenkmal dient.

Auch vor 50 Jahren war es die Schweier Zimmerei Duhm, die neue Eichenschindeln aufdeckte. Damals ohne teures Gerüst, wie Hans-Gerd Westerholt erzählt, der Vorsitzende des Bauausschusses des Kirchenrates. Er hat noch die Worte des Seniorchefs Klaus Duhm im Ohr: Durch zwei Ausstiegsluken trauten sich die Zimmerer, mit Sicherungsseil um den Bauch, auf Leitern nach draußen. Die Leitern standen auf Bohlen, die in 60 bis 70 Zentimeter tiefe Löcher im Mauerwerk gesteckt wurden, in denen es sich nun Dohlen gemütlich machen.

Heute, sagt Lieve Runge, wird die Eindeckung auf einmal komplett erneuert, damit sie lange hält.

Die schuppenartige Struktur der Schindeln soll verhindern, dass bei Regen oder Schnee Feuchtigkeit in den Turm eindringt. Genau das hat sie aber nicht getan, schildert Hans-Gerd Westerholt. Denn in der Südostecke des Turms war die Neigung zu flach, das Wasser lief nicht schnell genug ab, und die Feuchtigkeit übertrug sich von den Schindeln auf das Konstruktionsholz, das mit der Zeit vermoderte. Damit das nicht wieder passiert, werden die Kanten jetzt mit Blei geschützt.

„Dass der Turm kurz vor der 400-Jahr-Feier unserer Kirche im nächsten saniert werden musste, ist ein glücklicher Zufall“, sagt Pfarrer Bernd Eichert. Zwischen Sanierung und Jubiläum bestehe kein Zusammenhang.

Anfang Juni hatte die Sanierung begonnen. Das Mauerwerk wurde ausgebessert, ein Fenster an der Westseite des Turms erneuert, Regenrinnen angebracht, jetzt wird das Dach gedeckt und in Kürze sollen Drahtgitter die Löcher im Mauerwerk verschließen, so dass sich die Dohlen neu orientieren müssen. Schon verlegt ist der Blitzschutz für Turm und Kirche. „Blitzschutz steht über dem Denkmalschutz“, sagt Lieve Runge. 214 000 Euro kostet das alles zusammen, 85 000 kommen von der EU, der Rest von der Landeskirche. Die Kirchengemeinde Schwei hat einige Eigenarbeiten beigetragen.

Kugel wird vergoldet

Noch erneuert werden muss die Turmkugel in 28 Metern Höhe, die die gusseiserne Wetterfahne trägt. Die Kugel ist aus Kupfer, hat etwa 40 Zentimeter Durchmesser und enthält vermutlich historische Dokumente; so genau weiß das keiner, weil sie vor knapp 50 Jahren zum letzten Mal geöffnet worden ist. Sie ist von einer weißen Schicht umgeben, vermutlich Gips, und gelb angestrichen worden. Jetzt ist sie schadhaft, auch wegen einiger Einschusslöcher. Sie wird abgenommen, repariert und neu vergoldet.

Ebenfalls Ende Oktober sollen die beiden Laternen am Aufgang zur Kirche aufgestellt werden, für die die Gemeindeglieder im vergangenen Jahr den Schwei-Taler gegeben haben, wie das Ortskirchgeld hier heißt. In diesem Jahr ist der Schwei-Taler übrigens für die Kamera zur Überwachungsanlage, die ab nächstem Jahr die Kirchenöffnung ermöglichen soll.

Wie viele Schindeln Gerold von Deetzen und Mathias Klostermann auf das Turmdach legen, soll geheim bleiben. Denn diese Zahl müssen die Gäste der 400-Jahr-Feiern im nächsten Mai bei einem Quiz erraten.


Mehr Bilder von der Sanierung finden Sie unter   www.nwzonline.de/fotos 
Ein Video mit Aufnahmen aus der Vogelperspektive sehen Sie unter   www.nwzonline.de/videos 
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Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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