Schwei Für Annemarie Harich-Golzwarden ist die Vergangenheit nicht tot. Sie ist nicht einmal vergangen, sondern täglich gegenwärtig. Denn die pensionierte Lehrerin betreibt seit mehr als 30 Jahren Familienforschung, und dabei versucht sie so viele Quellen wie möglich aufzutun, die die Lebensumstände ihrer Vorfahren erhellen. Zu diesen Vorfahren gehören auch zwei Pastoren, die vor mehr als 300 Jahren in Schwei gewirkt haben: Vater und Sohn Faselius.

Der Sohn Anton Günther Faselius kommt regelmäßigen Kirchgängern vertraut vor: An der Südwand des Kirchenschiffs hängt sein Porträt, das ein unbekannter Künstler angefertigt hat. Dieses Bild gehörte zu einem Epitaph, einem Grabdenkmal in der Kirche für Verstorbene.

Nach jahrelangen Recherchen in Schweier Kirchenbüchern, aber auch in anderen Veröffentlichungen weiß die 85-jährige Brakerin deutlich mehr über Anton Günther Faselius, aber vieles wird auch für immer verborgen bleiben.

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Die Pastoren Faselius hießen eigentlich Fasel, die Endung -ius hängten sie dran, als sie ihren Nachnamen ins Lateinische übertrugen, was gebildete Menschen damals gerne taten. Vermutlich stammt die Familie aus dem Magdeburger Raum, wo der Name Fasel vor 400 Jahren häufig vorkam. Anton Günthers Großvater Ulfert Fasel verzog nach Jever, wo er ab 1560 als Schlachter bekannt war. Offensichtlich wirtschaftlich erfolgreich, konnte er seinem Sohn Edo Wolfgang den Schulbesuch nicht nur in der Heimatstadt, sondern auch in Hannover und Magdeburg ermöglichen.

Edo Wolfgang Faselius, Jahrgang 1587, war zunächst Präzeptor am jeverschen Gymnasium und wurde 1622 Pastor in Schwei. Dort übernahm er die neue, erst drei Jahre zuvor fertiggestellte St.-Secundus-Kirche. Über Edo Wolfgang Faselius hat Annemarie Harich-Golzwarden wenig Persönliches gefunden. In einem Visitationsbericht hieß es, er sei „von Natur ein Haarspalter, wenn auch sonst herzensfromm“.

Zwei Söhne oder einer?

Kurz nach seiner Ankunft in Schwei heiratete er dort Christine Boekmann, mit der er angeblich drei Kinder hatte, von denen aber nur das dritte im Kirchenbuch vermerkt ist: Anton Günther, angeblich 1622 geboren, Anna Catharina, 1623 geboren, sowie Tönnies Günther, geboren am 29. Juni 1625. Weil Tönnies aber eine Koseform von Anton ist, könnten die beiden auch nur eine Person sein, wie die Familienforscherin vermutet.

Am 14. Januar 1641 starb Edo Wolfgang Faselius, 53 Jahre alt. Seine Frau war schon 1639 gestorben. Wie Anton Günther es schaffte, nach dem Tod seiner Eltern und mitten im 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) ein Theologiestudium zu bestreiten, bleibt offen. Allerdings waren zwei Prinzessinnen des Oldenburger Grafenhauses seine Patentanten. Jedenfalls besuchte er das Gymnasium in Jever und studierte in Rostock, Leipzig und Wittenberg. 1653 wurde er Pastor in Schwei.

Dreimal verheiratet

Seine Schwester Anna Catharina war im Ort geblieben und hatte ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Vaters dessen Nachfolger Diederich Töllner geheiratet. „Sie hatte ein schweres Leben“, resümiert Annemarie Harich-Golzwarden. Drei ihrer vier Kinder starben und auch der Mann verschied 1650, er war 34 Jahre alt. Ein Jahr später heiratete Anna Catharina den nächsten Pastor: Johann Adolph Langermann. Er starb nach neunmonatiger Ehe im Alter von 32 Jahren; sechs Tage nach seinem Tod wurde der Sohn Adolph Johann geboren, der mit zwei Jahren starb.

Da war Anton Günther Faselius schon Pastor von Schwei. Er heiratete am 30. November 1653 Gebekke Riesebieter aus Schweieraußendeich, mit der er in 19 Ehejahren 10 Kinder zeugte. Die Frau starb 1672 im Wochenbett. Mit seiner zweiten Frau hatte er drei weitere Kinder. Ebenfalls am 30. November 1653 schloss seine Schwester Anna Catharina ihre dritte Ehe.

Pastor Anton Günther Faselius war bei seiner Gemeinde beliebt und galt als – wie man heute sagen würde – sozial. So spendete er Armen die Sakramente, ohne dass sie dafür bezahlen mussten, und er besuchte auch außerhalb seiner Gemeindegrenzen Kranke und Sterbende.

1675 wurde seine Gemeinde etwas verkleinert, die Flächen kamen an die neue Kirchengemeinde Seefeld, für die ab Juni 1675 eine Kirche gebaut wurde, zu deren Grundsteinlegung und Einweihung er predigte – wie es damals üblich war, auf Platt. Was am 13. August 1680 zu seinem Tod führte, ist nicht überliefert, wohl aber, dass die Gemeinde sehr um ihn trauerte.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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