Schwei Jann-Otto Hamkens greift zum hölzernen Vorschlaghammer und haut herzhaft zu. Schlag auf Schlag dringt der Metallbohrer tiefer in den weichen Boden hinter dem Bauernhaus von Meike und Hergen Wiese ein. Als Jann-Otto Hamkens den Metallstab wieder aus dem Boden herauszieht, hält er 700 Jahre Schweier Geschichte in seinen Händen.

Uwe Ralle, Leiter der Bezirksstelle Oldenburg-Nord der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, kann diese Geschichte ebenso knapp wie fesselnd erzählen. Die Bewertungskommission für den Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ hört interessiert zu.

Am 16. Januar 1362 stürzte die Zweite Marcellusflut, die „Grote Mandränke“, auch über das heutige Schwei herein, weitete den Jadebusen auf und strömte weiter, so dass sich das Lockfleth in Richtung Weser Bahn brechen konnte. Ganz unten im Bohrkern bestätigen Pflanzen vom Grund des Lockfleths dieses Geschichte. Zudem ist der untere Teil des Kern immer noch feucht – auch nach monatelanger Trockenheit.

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Landschaft und Landwirtschaft stehen an diesem Donnerstagmorgen im Mittelpunkt der dritten Selbstpräsentation der Schweier. Den Kreis- und den Bezirkswettbewerb haben sie erfolgreich gemeistert, jetzt wollen sie auch die dritte Runde schaffen: den Landeswettbewerb. 18 Dörfer sind dabei, 3 können sich für den Bundeswettbewerb qualifizieren. Und schon an diesem Freitagmorgen werden die Schweier erfahren, ob sie auch die dritte Hürde genommen haben.

90 Minuten Aufenthalt

Vorher müssen sie sich aber selbst präsentieren, wieder hat die Jury 90 Minuten Aufenthalt. Los geht‘s im Gemeindehaus. Wie in einer Fernsehshow stellen Sabine Minnemann, die Vorsitzende des Schweier Bürgervereins, und Tim Spiekermann ihr Dorf vor. Zwei Räume weiter steht das beeindruckende Dorfmodell, das der Schweier Herbert Steffens nach einem Luftbild von 1941 geschaffen. Dr. Cord Diekmann, Vorsitzender des Kirchbauvereins, schafft es tatsächlich, den künstlerischen Reichtum von St. Secundus in fünf Minuten darzustellen, ohne in Hektik zu verfallen.

Bushaltestelle, Viehrampe, Osterfeuerplatz – selbstverständlich mit Bratwurst frisch vom Rost – und Pastorenpadd werden vom Planwagen aus vorgestellt, bei Hergen Wiese spielen die Jagdhornbläser Augustgroden/Schwei und es gibt Milchmixgetränke aus Bechern mit Kuhflecken-Motiven.

Hier erfährt die Jury, was es heißt, auf Moorgrund zu leben und zu wirtschaften. Wohn- und Wirtschaftsgebäude müssen auf Rammpfählen stehen, die, 12 bis 14 Meter lang, auf dem Sandboden ruhen, den die letzte Eiszeit hinterlassen hat. Und sie erfahren, dass Meike und Hergen Wiese einerseits mit der Zeit gehen und 2005 einen modernen Boxenlaufstall gebaut haben, andererseits aber auch das Erbe pflegen: Die denkmalgeschützte Fachwerkscheune, an deren Stelle der Boxenlaufstall errichtet wurde, ist in Moorriem wieder aufgebaut worden.

An der Schule mit jubelnden Schülern und am Kindergarten mit jubelnden Kindern vorbei, immer gefolgt von einer großen Radfahrergruppe, geht‘s zur neuen Turnhalle, wo die Gesundheitsgruppe übt. Hier sieht auch diese Jury den gelungenen Schwei-Film von Philipp Heyelmann, genießt Leckereien vom Wasserbüffel-Hof Theerkorn und von der Fleischerei Wiese – und bekommt die obligatorischen warmen Socken, die die Handarbeitsgruppe noch für jede der drei Jurys gestrickt hat.

„Schon gewonnen“

Ob die Frauen ein viertes Mal zu den Stricknadeln greifen müssen, konnte Jury-Chef Ralf Gebken vom Landwirtschaftsministerium noch nicht verraten. Nur so viel: „Fühlen Sie sich schon jetzt als Gewinner. Denn durch Ihr Engagement für den Wettbewerb haben Sie gezeigt, dass Schwei Zukunft hat.“


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Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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