Gerhard Müller lerne ich Ende April beim Neubürgerempfang kennen, zu dem die NWZ und die Gemeinde ins Atrium in Burhave eingeladen haben. Wir kommen ins Gespräch, ich erfahre, dass er lange in Kanada gelebt hat, wir verabreden uns. Und nach diesem Treffen weiß ich wieder, was ich an meinem Job so liebe. Es sind nicht die Pflichttermine. Es ist die Kür, bei der ich interessante Menschen kennenlernen darf. Menschen wie Gerhard Müller.

Gerhard Müller ist 78 Jahre alt, als wir uns in seiner kleinen Wohnung in Burhave treffen. Er stammt aus Ludwigshafen, ist Konditormeister und Patissier. Dieser Beruf hat ihn bereits in die Schweiz und nach Schweden geführt, als er 1966 nach Kanada auswandert. Ein Jahr will Gerhard Müller bleiben, am Ende werden 45 Jahre daraus.

In Gerhard Müllers Wohnung befinden sich überall Giraffen; als Figuren, auf Bildern. Es seien die Lieblingstiere seiner Frau Ewa gewesen, sagt er. Als sie stirbt, ist Gerhard Müller klar, dass es egal sein wird, wo er wohnt – er wird seine Ewa schmerzlich vermissen. So zieht er nach Butjadingen, wo auch seine Schwester lebt. Und fühlt sich trotz des großen Verlusts wohl hier. Die berührendsten Geschichten, das lehrt mich dieses Treffen, schreibt immer noch das Leben.

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 Gut präpariert

Das Nationalparkhaus Museum Fedderwardersiel ist seit Ende Oktober geschlossen. Es erhält nicht nur einen Fahrstuhl und einen barrierefreien Eingang , sondern auch eine komplett neue Dauerausstellung. Dieser Umstand beschert mir im November eine weitere Begegnung, die nachwirkt – weniger, weil sie mich so angerührt hätte wie die Lebensgeschichte von Gerhard Müller, sondern weil sie einfach viel Spaß gemacht hat. Es ist die Begegnung mit dem Roten Baron.

Das ist der Spitzname von Präparator Werner Beckmann, der hinter dem Nationalparkhaus in einem Container an Exponaten für die neue Dauerausstellung werkelt. Die beiden Hausleiterinnen Friederike Ehn und Dr. Anika Seyfferth kennen den 65-Jährigen noch aus ihrer Zeit am Museum für Naturkunde in Münster, an dem Werner Beckmann Chef-Präparator war, eher er im März in den Ruhestand wechselte – und nun entsprechend Zeit hat, die neuen Exponate fürs Nationalparkhaus in Butjadingen zu fertigen.

Werner Beckmann hat so viel Interessantes zu erzählen und tut das mit so großer Begeisterung, dass man stundenlang mit ihm plaudern möchte. Kurz nach dem Termin in Fedderwardersiel erlebe ich den Münsteraner in einem ganz anderen Zusammenhang. Er hat mich in einen Club in Bremen eingeladen, in der die Soulfamily auftritt. Die Band ist eine von vieren, in der der Rote Baron das Saxofon bläst.

 gemeckert wird immer

Mitte Juli weiht die Kurgesellschaft in Tossens einen Babystrand ein – und betritt damit Neuland. Eine solche Einrichtung gibt es an der gesamten deutschen Nordseeküste kein zweites Mal. Tourismus-Service Butjadingen investiert rund 35 000 Euro, findet ein bundesweites Echo.

Allerdings kein ausschließlich positives. Bei Facebook erntet Butjadingen Hohn, Kritik und Spot für seinen Babystrand – vorzugsweise von Leuten, die ziemlich sicher noch nie in Tossens waren und mit großer Wahrscheinlichkeit auch nur eine vage Vorstellung davon haben, wo Butjadingen überhaupt liegt.

Das ist ignorant, ärgerlich, blöd. Und leider nichts Neues. Es gibt auch genügend Butjenter, die geradezu reflexartig die Keule schwingen, sobald die Kurgesellschaft sich auch nur rührt. Babystrand, Hundestrand, neues Rettungsleitsystem – Beispiele dafür gibt es dieses Jahr gleich mehrere. Klar, Luft nach oben besteht immer. Aber ich werde den Eindruck nicht los, dass Kritik vielfach nur um der Kritik willen geäußert wird. Schade.

 Kampf mit Drachen

In Butjadingen arbeitet man dort, wo andere Urlaub machen. Ein etwas abgedroschener Spruch. Aber ein wahrer. Und mit etwas Glück macht man bei der Arbeit sogar das, was andere im Urlaub machen. Kite-Surfen zum Beispiel. Ende Juni lädt mich die Kite-Surf-Schule Beekite zu einem Schnupperkursus nach Burhave ein. Zwar ist nicht genügend Zeit, um es bis aufs Board zu schaffen. Aber alleine schon, im Wasser zu stehen und unter der Anleitung von Kite-Lehrerin Kathy zumindest eine Ahnung davon zu bekommen, wie sich so ein Drachen bändigen lässt, das macht einen Heidenspaß.

 Auf Kaperfahrt

Und ganz viel Spaß macht auch ein Termin am 7. April – das ist der Tag, an dem nach langer Zwangspause erstmals wieder die „Wega II“ in See sticht. An Bord sind zahlreiche Nachwuchsseeräuber. Denn Kapitän Reinhild Nießen, die jetzt unter der Flagge der Cuxhavener Reederei Cassen Eils fährt, hat zur Piratenfahrt eingeladen – Bergen eines Goldschatzes auf hoher See inklusive.

Dass die neuen Eigner das Schiff weiterhin von Fedderwardersiel aus starten und es nun sogar noch verlängern lassen wollen, damit mehr Passagiere draufpassen – das ist nicht nur aus meiner ganz subjektiven Sicht für Butjadingen eine Top-Nachricht.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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